Das Hallenbad an der Jahnstraße von innen.
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Erinnerungsfoto: Zahlreiche Kinder aus Geretsried und Umgebung machten im Hallenbad an der Jahnstraße ihre ersten Schwimmzüge.

Ein leiser Abschied

Altes Hallenbad öffnet seine Pforten nicht mehr wieder

  • Doris Schmid
    VonDoris Schmid
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Eine Ära endet in der Schul- und Sportstadt Geretsried: Nach fast 50 Jahren wird das alte Hallenbad nicht mehr öffnen. Doch die Einweihung des neuen interkommunalen Schwimmbads am Schulzentrum rückt immer näher – und damit der Beginn einer neuen Ära.

Geretsried - Viele Monate war das alte Bad aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen, und ist es weiterhin, obwohl Schwimmbäder nun wieder öffnen dürfen. Beim Thema Hallenbad befinde man sich aktuell in einer Übergangsphase, vom alten zum neuen Hallenbad, so Thomas Loibl, Pressesprecher der Stadt Geretsried, auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Aufwand, das alte Bad noch einmal zu öffnen, lohne sich nicht, sagt Loibl mit Blick auf die für September geplante Eröffnung des interkommunalen Hallenbads unweit des Schulzentrums.

Ein Brand bei einem Lieferanten führt zu Verzögerungen

Rückblick: Bereits Anfang der 1960er Jahre planten die Stadtväter in Geretsried ein Hallenbad. „Seit Beginn der ersten Planungsgespräche mit nachfolgender Bewilligung der vorliegenden Entwürfe im Jahre 1964 wurden Rücklagen gesammelt, um die Finanzierung sicherzustellen“, heißt es im Bericht des Isar-Loisachboten über die Eröffnung das Bads an der Jahnstraße Anfang Januar 1972. Baubeginn war knapp drei Jahre zuvor, im April 1969, unter Einbeziehung eines im Baugelände schon vorhandenen ehemaligen Bunkers. Der strenge Winter 1969 erforderte die Einstellung der gesamten Baustelle bis zum April 1970. Richtfest konnte im August des gleichen Jahres gefeiert werden.

Wie auch beim Bau des neuen Bads warf damals ein Brand den Zeitplan durcheinander. Allerdings nicht direkt auf der Baustelle, sondern bei einem Lieferanten: Im Dezember 1970 wurden durch ein Feuer die Fabrikanlagen einer Kunststoff-Lieferantenfirma und somit die gesamte PVC-Platten, die für die Auskleidung des Schwimmbeckens und er darin eingebauten Hebebühne notwendig gewesen wären, vernichtet. Der Termin zur Fertigstellung konnte nicht eingehalten werden. Schwierigkeiten bei der Bewältigung weiterer technisch besonders aufwendiger Einrichtungen sorgten für weitere Verzögerungen.

Die Gesamtbaukosten beliefen sich damals auf rund 3,2 Millionen D-Mark. An staatlichen Zuschüsse flossen 450 000 D-Mark. Auch der Landkreis Wolfratshausen beteiligte sich mit 200 000 D-Mark. Und die Bevölkerung trug ebenfalls ihr Scherflein bei: Eine Bausteinaktion brachte 30 000 D-Mark ein. Zum Vergleich: Die Kosten für das neue interkommunale Hallenbad werden auf 16,5 Millionen Euro geschätzt (staatliche Förderung: 4,21 Millionen Euro, Investitionskostenanteile der beteiligten Kommunen: rund 1,4 Millionen Euro).

Für die junge Stadt Geretsried war das Hallenbad eine große Bereicherung. Es gab einen Sprungturm, ein Planschbecken für die Kleinsten und eine Sauna. Unzählige Mädchen und Buben lernten dort das Schwimmen. Wettkämpfe der Sportvereine, die Gewässerweihe der Griechischen Gemeinde, Trainingseinheiten der Rettungsorganisationen, Wassergymnastik, Schwimmen bei Kerzenschein und Kindernachmittage fanden dort statt.

Im Laufe der fünf Jahrzehnte nagte der Zahn der Zeit an der Sportstätte. Ausbesserungen am Hubboden, Erneuerung von Fugen und Fliesen, Ertüchtigung von Pumpen und Elektrik, der Einbau von neuen Lüftungsmotoren: Viele Hunderttausend Euro flossen in die Instandhaltung und in Renovierungsarbeiten. In seinen besten Zeiten hatte das Bad jährlich über 80 000 Besucher. Als Sauna, Sprungturm und Planschbecken aus Sicherheitsgründen gesperrt werden mussten, sanken die Zahlen um etwa die Hälfte. Im Corona-Jahr 2020, in dem das Bad wegen zweier Lockdowns für einige Monate schließen musste, wurden insgesamt 21 857 Besucher gezählt.

Moderne Sportstätte: Am 2. Januar 1972 wurde das Hallenbad eröffnet. Die offizielle Einweihung erfolgte im Frühjahr.

Ursprünglich war geplant, den Betrieb des alten Bades so lange aufrechtzuerhalten, bis das neue an der Adalbert-Stifter-Straße steht. Doch die Fertigstellung des interkommunalen Hallenbads ist inzwischen in greifbare Nähe gerückt. Organisatorisch läuft seit April der Probebetrieb, so Pressesprecher Loibl. „Unser Hallenbad-Team prüft dabei die komplette Technik und auch die Abläufe auf Herz und Nieren.“ Dafür müssen die Mitarbeiter vor Ort sein. „Dieser Probebetrieb gepaart mit dem Umstand, dass die Verordnungen der Staatsregierung bis zuletzt keine Öffnungen zuließen, haben uns dazu bewogen, das alte Hallenbad an der Jahnstraße nicht mehr in Betrieb zu nehmen“, so der Rathausmitarbeiter. Auch die technisch und finanziell dafür notwendigen Aufwendungen stünden in keinem Verhältnis, „zumal es sich mittlerweile um einen sehr überschaubaren Zeitraum handelt“. Wie berichtet ist geplant, das neue Bad zum Schuljahresbeginn 2021/22 zu eröffnen.

Nur noch die Brandmeldeanlage ist in Betrieb

Im Lockdown lief das alte Hallenbad im Minimal-Betrieb. „Einerseits ging es dabei natürlich darum, die Betriebskosten in diesem Zeitraum zu senken“, erklärt Loibl, „andererseits wollten wir wieder schnell starten können, hätte es die Pandemie zugelassen.“ Doch mit dem Andauern des Lockdowns und dem Baufortschritt im neuen Hallenbad habe man sich dazu entschieden, das alte Bad stillzulegen und das Wasser abzulassen. Mittlerweile wurden laut Pressesprecher auch sämtliche technischen Anlagen außer Betrieb genommen. Aus versicherungstechnischen Gründen sei lediglich die Brandmeldeanlage noch in Betrieb.

Was das Hallenbad-Team an seiner neuen Wirkungsstätte brauchen kann, werde weiter verwendet, sagt Loibl. Manches sei sogar schon umgezogen, „wie beispielsweise der Unterwassersauger, die Auffangwannen für Chemikalien, die Waschmaschine, Wasserschläuche, Werkzeuge, die Desinfektionseinrichtung oder auch Schwimmhilfen und -geräte.“ Anderes (wie etwa einige Spinde) werde stadtintern weiterverwendet. Pressesprecher Loibl: „Ausstattung, die keine Verwendung mehr finden kann, versuchen wir nach Möglichkeit zu veräußern.“

nej

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