+

Beim nächsten Mal „kracht‘s im Gebälk“

Amphetamine aus dem Darknet: Geretsrieder (31) kommt mit Bewährung davon

Mit viel Glück ist ein Geretsrieder (31) an einer langen Gefängnisstrafe vorbeigeschrammt. Vor Gericht gab sich der wegen des Erwerbs größerer Mengen Amphetamine angeklagte Wiederholungstäter reumütig.

Geretsried –  Das tat er häufig in den vergangenen Jahren, wenn er auf der Anklagebank saß und im Geiste die Zellentür schon ins Schloss fallen hörte. Doch auch diesmal blieb die Tür angelehnt: Zwei Jahre Haft, ausgesetzt zur Bewährung, lautete das Urteil.

Falsch frankiert landete die Sendung bei der Polizei

Im August 2015 hatte der gelernte Industriemechaniker im sogenannten Darknet zwei Mal jeweils rund 250 Gramm Amphetamine bestellt. Die Ware ließ er zur Wohnung seiner Mutter senden. Das funktionierte beim ersten Mal reibungslos. Die zweite Sendung war jedoch falsch frankiert: Es fehlten 95 Cent. Zurückgeschickt werden konnte das Paket nicht, weil als Absender missbräuchlich die Adresse einer Firma in Dortmund angegeben war. So landete die heiße Ware bei der Polizei, die wenig Mühe hatte, den Weg zum Geretsrieder zurückzuverfolgen. Vor dem Schöffengericht trat Verteidiger Thomas Pfister die Flucht nach vorne an. „Die Anklage ist ohne jedes Wenn und Aber richtig“, erklärte er. Ein Drittel sei für seinen Mandanten selbst gewesen, zwei Drittel hätten zur Finanzierung des Eigenkonsums verkauft werden sollen.

Angeklagter: „Damals war es nicht möglich, den Tag ohne Speed zu beginnen“

Der Angeklagte bestätigte dies. Als Grund gab er an, er habe in jener Zeit „Unmengen an Amphetaminen konsumiert“, um vor Problemen zu flüchten. „Damals war es nicht möglich, den Tag ohne Speed zu beginnen“, sagte der Beschuldigte. Als dann die Polizei vor der Tür stand, sei das für seine Mutter ein so großer Schock gewesen, dass sie einen Nervenzusammenbruch erlitt. Das habe ihn schließlich zum Umdenken bewogen. „Ich habe mir gesagt, so kann es nicht weitergehen“, beteuerte der Mann auf der Anklagebank. Er habe „sehr darunter gelitten, was ich meinen Eltern antue“.

In 15 Jahren elf Mal vor Gericht

Elf Mal stand der Geretsrieder in den vergangenen 15 Jahren vor Gericht – unter anderem wegen Störung des öffentlichen Friedens, Körperverletzung, Beleidigung, Diebstahls und Drogenbesitzes. Mehrmals verließ er dabei mit Haft- und Bewährungsstrafen den Gerichtssaal. Zuletzt war er wegen Volksverhetzung zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Obwohl er unter offener Bewährung erneut straffällig geworden war, zeigte das Gericht „ein letztes Mal Großzügigkeit“. Während die Staatsanwältin zwei Jahre und vier Monate beantragt hatte, entschieden der Vorsitzende und die zwei Schöffen, mit einem Strafmaß von zwei Jahren gerade noch im bewährungsfähigen Rahmen zu bleiben. Leicht gemacht hatten sie sich die Entscheidung nicht. „Lernt er’s, kapiert er’s oder blendet er wieder?“, fragte Richter Helmut Berger und ließ eine gehörige Portion Skepsis durchklingen.

Verteidiger: „Bei der kleinsten Verfehlung kracht‘s im Gebälk“

Auf welch schmalem Grad der Geretsrieder sich künftig bewegt, verdeutlichte auch die Verteidigung. „Noch mal Bewährung ist ein Geschenk, aber auch eine Leihgabe – die kann man zurückverlangen“, redete Pfister seinem Mandanten ins Gewissen. „Bei der kleinsten Verfehlung kracht’s im Gebälk. Egal, ob sie ein Kaugummi stehlen oder Auflagen nicht erfüllen.“

Fünf Jahre Bewährungszeit 

Die Bewährungszeit legte das Gericht auf fünf Jahre fest. Als Gegenleistung für seine Freiheit muss der Verurteilte 4000 Euro an die Caritas zahlen, jeglichen Drogenkonsum unterlassen und dies zwei Jahre lang durch entsprechende Screenings nachweisen sowie sich einer Therapie unterziehen.

Von Rudi Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mann schläft im Auto - und fackelt zwei Pkw ab
Ein 74-jähriger Mann aus Schöngeising hat in Geretsried versehentlich sein Auto abgefackelt. Ein daneben stehender Pkw fing ebenfalls Feuer.
Mann schläft im Auto - und fackelt zwei Pkw ab
Günther Fuhrmann: Die FDP ist eine „intelligente Protestpartei“
Günther Fuhrmann sitzt derzeit als einziger  Vertreter der FDP im Geretsrieder Stadtrat und Kreistag. Nach dem Erfolg bei der Bundestagswahl will seine Partei wieder …
Günther Fuhrmann: Die FDP ist eine „intelligente Protestpartei“
Die AfD hat eine Hochburg im Landkreis
Die AfD ist zweitstärkste Partei in Geretsried. Mehr noch: Mit 14,3 Prozent der Stimmen erzielte sie dort das beste Ergebnis im Landkreis. Eine Ursachenforschung.
Die AfD hat eine Hochburg im Landkreis
SPD muss „raus aus dem Dunst von Frau Merkel“
Angelika Kassner ist Chefin des SPD-Ortsvereins Dietramszell-Egling, stellvertretende Kreisvorsitzende und sitzt für die Genossen im Eglinger Gemeinderat. Das …
SPD muss „raus aus dem Dunst von Frau Merkel“

Kommentare