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700 Frösche und 38 Kröten an einem Tag: Das war der einsame Rekord von Amphibienhelfer Nikolaus Schöfmann. 

Amphibienhelfer im Einsatz

Nikolaus Schöfmann ist Lebensretter

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Nikolaus Schöfmann arbeitet seit zwölf Jahren als Amphibienhelfer. Eine Sache macht seine Arbeit aber gefährlich.

Geretsried Nikolaus Schöfmann rettet Leben. Jede Woche ein paar dutzend oder hundert Mal. Nikolaus Schöfmann ist ein Amphibienhelfer. Woche für Woche trägt er Frösche und Kröten über die Staatsstraße zwischen Achmühle und Eurasburg. Im Gespräch mit Redakteur Patrick Staar verrät der 68-jährige Geretsrieder, was ihn antreibt und was er in den zwölf Jahren als Amphibienhelfer schon erlebt hat.

Herr Schöfmann, was war bislang Ihr kuriosester Einsatz?

Einmal hat mich eine Frau ganz verzweifelt angerufen. Sie hat mir erzählt, dass in ihrem Swimmingpool Frösche drin sind, die zum Teil schon abgelaicht haben. Ihr wäre es furchtbar zwider, wenn die Frösche kaputt gehen. Da habe ich einen großen Eimer und Gummistiefel genommen, bin hingefahren – und habe 14 Frösche gerettet. Den Laich hab ich in ein Altwasser verfrachtet in der Hoffnung, dass ein paar Frösche durchkommen.

Wie sind Sie Fröschesammler geworden?

Ich bin seit 37 Jahren Mitglied im Fischereiverein. Der Vorstand hat mich ausgewählt, dass ich als Delegierter zu den Versammlungen des Bund Naturschutz gehen soll. Ich helfe dem Bund Naturschutz auch bei vielen anderen Gelegenheiten, zum Beispiel bei der Wiesenmahd in Waldram. Mir wird nicht langweilig.

Sind Sie generell naturverbunden?

Das war ich schon immer. Inmeiner Jugend habe ich bei einem Bauern in der Nachbarschaft Kühe gehütet. Da habe ich aufpassen müssen, dass sie an der Wolfratshauser Gartenstraße nicht aufs Bahngleis gehen. Mein Opa war auch Fischer. Wenn er in seiner Bäckerei fertig war, ist er immer an die Loisach gegangen.

Wie viele Frösche sammeln Sie an einem Tag ein?

Mein einsamer Rekord waren 700 Frösche und 38 Kröten an einem Tag. So einen Erfolg habe ich seither nie mehr gehabt. Am Stallauer Weiher bei Bad Heilbrunn hat ein Kollege mal 2000 Frösche eingesammelt. Der war bis in den Morgen hinein unterwegs.

Sind Sie froh, dass es jetzt Froschzäune an der Staatsstraße gibt?

Ja. Der Zaun ist einer der längsten im Landkreis. Auf der Strecke von 750 Metern sind sieben Kisten aufgestellt, wo die Frösche reinfallen und nicht mehr raus können. Zugleich sind sie geschützt vor Raubvögeln. Ohne den Zaun gäbe es viele tote Frösche. Ganze Populationen würden ausgelöscht. Seit es den Zaun gibt, kann man die Frösche zu jeder Tageszeit aufsammeln und an geschützte Stellen tragen. Zehn Jahre habe ich es in der Nacht gemacht.

Sie sind sicher erleichtert, dass sie nachts nicht mehr raus müssen.

Ich bin gerne nachts rausgegangen, obwohl es da besonders gefährlich ist, weil viel Verkehr ist und niemand die vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit einhält. Die Leute fahren oft mit 80, 90 oder 100 Sachen vorbei. Wenn sie dich sehen, hupen sie auch noch recht gschert und lachen dich aus.

Ärgern Sie sich darüber?

Natürlich ärgere ich mich. Wir sind Idealisten, die versuchen, was Gutes zu tun. Wenn du dann halb überfahren wirst, ist das nicht die feine englische Art.

Über was ärgern Sie sich noch?

Dass so viel Müll neben der Straße liegt. Erst sammle ich immer die Frösche auf, dann den Müll: Zigarettenschachteln, Weinflaschen, Bierflaschen, Schnapsflaschen, viele Verpackungen. Wenn ich auch keinen Frosch finde – einen Kübel voll Müll bringe ich immer heim.

Haben Sie den Eindruck, dass die Müllmenge am Straßenrand zunimmt?

Ja – ich beobachte das schon seit zwölf Jahren.

Was sagen die Leute in Ihrem Bekanntenkreis dazu, dass Sie Frösche sammeln?

Die meisten finden, dass das eine gute Tat ist. Sie respektieren es, würden es aber nie selbst machen.

Warum?

Sie meinen, dass die Arbeit unappetitlich ist und man sich irgendwelche Warzen holt oder sonst was. Dabei sind Frösche überhaupt nicht glitschig. Man kann sie wunderbar anfassen, sie fühlen sich ungefähr wie Schlangen an. Ich nehme nie Handschuhe her. Obwohl ich schon ein paar tausend Frösche in den Händen gehalten habe, habe ich noch nie einen Ausschlag gekriegt.

Welche Argumente haben die Bekannten, die das Frösche sammeln nicht gut finden?

Sie meinen, dass das nichts bringt, weil die geretteten Frösche eh von Tieren gefressen werden.

Was antworten Sie den Skeptikern?

In der Natur gibt es eine sehr große Auslese. Wenn von 1000 einer durchkommt, ist es ein Erfolg.

Wie hat sich die Frosch-Population in den vergangenen Jahren entwickelt?

Sie ist kleiner geworden – trotz aller Hilfsmaßnahmen.

Was sind die Gründe dafür?

In den Wiesen werden Drainagen verlegt. Daher fehlt die nötige Feuchtigkeit, und der Grundwasserspiegel sinkt. Hinzu kommen die Gefahren auf der Straße: Manche Frösche überwinden die Zäune und werden überfahren.

Wie wird man Amphibienhelfer?

Man braucht sich nur beim Bund Naturschutz zu melden. Im Landkreis sind über 100 Amphibienhelfer unterwegs. Jeder wird mit Handkuss aufgenommen. Man braucht keinerlei Vorkenntnisse.

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