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„Der Klassiker des unerlaubten Entfernens“

18-Jähriger mit Unfallflucht: So urteilt der Richter

Geretsried/Wolfratshausen – „Der Klassiker des unerlaubten Entfernens“, sagt der Richter. Ein Wolfratshauser (18) ist deswegen verurteilt worden.

Der Angeklagte gab sich ahnungslos. „Der einzige Knall, den ich bemerkt habe, war der Bordstein, als ich dagegen gefahren bin“, erklärte der 18 Jahre junge Wolfratshauser dem Jugendrichter. „Den Autoanstoß habe ich nicht bemerkt, aber nach ihren Unterlagen muss es wohl so gewesen sein.“

Tatsächlich dürfte es einen ganz ordentlichen Aufprall gegeben haben, als der Angeklagte mit seinem BMW 1 auf der Egerlandstraße in Geretsried erst gegen einen Bauzaun und dann gegen einen dahinter abgestellten Ford Transit des Bayerischen Roten Kreuzes gerumpelt war. Wegen des Vorfalls, der sich am 11. September vorigen Jahres kurz vor Mitternacht ereignet hatte, musste sich der 18-Jährige vor dem Jugendrichter verantworten. Die Staatsanwaltschaft legte ihm Unfallflucht zur Last.

Erst zwei Tage nach dem Crash war der junge Mann, aufgeschreckt durch einen Polizeibericht in der Zeitung und im Internet, zur Polizei gefahren und hatte sich als der gesuchte Fahrer zu erkennen gegeben. Für den ermittelnden Polizeibeamten lag der Unfallhergang auf der Hand: „Der Fahrer muss, von der Tankstelle kommend, in der Rechtskurve am Kirchplatz das Auto übersteuert haben, ist zu schnell in die Kurve rein und dann in den Zaun gefahren.“ Am Bauzaun war nur ein geringer Schaden entstanden, das Rote-Kreuz-Auto hatte es dafür ordentlich erwischt. Der Schaden belief sich auf rund 9200 Euro.

„Das ist nicht der normale Parkplatzrempler“, kommentierte Jugendrichter Urs Wäckerlin die Ahnungslosigkeit des Angeklagten. Der habe in jener Nacht noch mit einem Passanten gesprochen und erklärt, er werde den Unfall gleich der Polizei melden. Aber das unterließ der 18-Jährige, der schon mehrmals wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor Gericht stand. Diese „unruhige Phase“ habe er jedoch erfolgreich abgeschlossen und nach dem Unfall auch gleich einen Verkehrskurs absolviert, stellte Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch dem Angeklagten ein ordentliches Verhaltenszeugnis aus.

Richter Urs Wäckerlin folgte dem Antrag der Staatsanwältin und verurteilte den Wolfratshauser zu 40 Sozialstunden, den Führerschein zog er für weitere zehn Monate ein. Er habe keinen Zweifel daran, dass der Beschuldigte den Unfall wahrgenommen habe. „Und dann wegfahren, ohne die Polizei zu informieren – das ist der Klassiker des unerlaubten Entfernens vom Unfallort“, erklärte der Richter in seiner Urteilsbegründung.

von Rudi Stallein

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