Amtsgericht Wolfratshausen.
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Vor dem Amtsgericht Wolfratshausen musste sich ein Geretsrieder verantworten.

Trotz offener Bewährung Marihuana verkauft

„Einer der zehn führenden Vollpfosten“ - Anwalt hat klare Meinung von Angeklagtem

  • VonRudi Stallein
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Ein Geretsrieder (29) verkauft trotz offener Bewährung Marihuana. Der Rechtsanwalt stuft ihn deswegen unter die „zehn führenden Vollpfosten im Rahmen von 30 Jahren Berufspraxis“ ein.

Geretsried/Wolfratshausen – War es Dummheit, Ignoranz oder seine Suchtkrankheit? Wahrscheinlich von allem etwas, mutmaßte der Bewährungshelfer. Er vermutete außerdem, sein Klient hatte „den Ernst der Lage nicht erkannt“. Anders ist der Fall eines 29-jährigen Geretsrieders wohl nicht zu erklären, der sich wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in vier Fällen vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten musste.

Am 11. März 2020 war der Verkäufer wegen des gleichen Delikts bereits zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden – ausgesetzt zur Bewährung. Nur ein gutes halbes Jahr später wurde er rückfällig, dealte weiter mit kleineren Mengen Marihuana. Als er am 2. März dieses Jahres von der Polizei in Geretsried kontrolliert wurde, hatte er in einer Sporttasche zehn Gramm des Betäubungsmittels dabei. In seiner Wohnung zeigte er den Beamten, wo weitere 15 Gramm Marihuana sowie vier Gramm Amphetamin versteckt waren. Nun drohte ihm eine längere Vollzugsstrafe – doch der Angeklagte kam mit einer weiteren Bewährung davon.

„Wenn man so lange in der Szene verkehrt hat, ist es nicht einfach, rauszukommen.“

„Der Sachverhalt ist richtig, ohne jedes Wenn und Aber. Er bekennt sich zu seinem erneuten Versagen“, erklärte Verteidiger Thomas Pfister dem Gericht. Seinen Mandanten forderte er auf: „Sie müssen jetzt Flagge zeigen. Gefängnis steht sehr realistisch im Raum.“ Dem sei nichts hinzuzufügen, sagte der Beschuldigte kleinlaut. Als Grund gab er an: „Wenn man so lange in der Szene verkehrt hat, ist es nicht einfach, rauszukommen.“

Trotz eines Drogenkonsumverbots und regelmäßigen Drogenscreenings hatte der 29-Jährige weiterhin gekifft. Inzwischen habe er jedoch „definitiv gemerkt, dass ich mich von ein paar Leuten trennen muss“. Und, so ließ der den Richter wissen, „im Oktober werde ich 30. Ich habe mir vorgenommen, ab dann seriös zu leben.“ Er wolle an seiner beruflichen Karriere arbeiten, versicherte der Geretsrieder, der ein Abitur hat, danach aber zwei Studiengänge abbrach und eine Ausbildung bis heute nicht angefangen hat.

Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt

„Ich habe ihn gefragt, was er für ein Vollpfosten ist“, sagte der Rechtsanwalt, der den Angeklagten unter die „zehn führenden Vollpfosten im Rahmen von 30 Jahren Berufspraxis“ einstufte. „Wie kann man es schaffen, mit Abitur und seinen Anlagen, sich das Leben kaputtzumachen?“ Sollte er nochmal eine Chance bekommen, sei das ein Entgegenkommen, keine Selbstverständlichkeit, machte er seinem Mandanten deutlich. Der Angeklagte beteuerte nochmals, begriffen zu haben, „dass ich mein Leben umkrempeln muss“.

Richter Helmut Berger folgte dem Antrag der Staatsanwältin und verurteilte den Verkäufer zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, die er für vier Jahre zur Bewährung aussetzte. „Es hat den Anschein, dass Sie die Kurve gekriegt haben“, begründete er das Urteil. Als Auflage muss der Verurteilte 2000 Euro zahlen und eine ambulante Suchttherapie antreten.  rst

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