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In München-Stadelheim findet eine Verhandlung gegen sechs Afghanen statt, die in Geretsried einen Syrer brutal verprügelt haben sollen. Das Wolfratshauser Amtsgericht ist für den Prozess zu klein.

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Amtsgericht zu klein: Verhandlung in München-Stadelheim

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Aus einer Nichtigkeit entzündete sich eine Auseinandersetzung, die eskalierte. Sechs Afghanen sitzen nun auf der Anklagebank. Das Amtsgericht muss wegen der Vielzahl an Dolmetschern umziehen.

Geretsried/Stadelheim Die Auseinandersetzung entzündete sich an einer Nichtigkeit. Ein Asylbewerber hatte einen Flüchtling im November 2015 in der Gemeinschaftsunterkunft am Geretsrieder Schulzentrum gestoßen. Der Geschubste schlug daraufhin mit der flachen Hand zu. Anschließend bemühten sich mehrere Syrer und Afghanen, den Streit zu schlichten – daraufhin eskalierte die Situation. Ein Pulk von acht Afghanen soll einen jungen Syrer brutal verprügelt haben.

Zehn Minuten soll das Martyrium gedauert haben

Laut Staatsanwaltschaft schlugen die Angreifer nicht nur auf ihr Opfer ein, sondern traten auf den am Boden liegenden Mann ein. Zehn Minuten soll das Martyrium gedauert haben. Der Heranwachsende erlitt der Anklage zufolge schwere Verletzungen wie eine Nasenbein-Fraktur, Prellungen und von einem Plastikmesser verursachte leichte Schnittwunden. Sechs Afghanen müssen sich deshalb seit Montag vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten. Weil dieses für die Vielzahl an Anwälten und Dolmetschern zu klein ist, wich das Gericht nach München-Stadelheim aus.

Da einzelne Beschuldigte zur Tatzeit noch unter 21 Jahren waren, leitet Jugendrichter Urs Wäckerlin das Verfahren. Er ließ am Montag mit einem Beamer Bilder von den Verletzungen des Opfers an die Wand projizieren. Ein Foto zeigte das Gesicht eines Jugendlichen, der grün und blau geschlagen worden war.

Klima am ersten Verhandlungstag ist schroff

Im Anschluss kam ein Pädagoge der Jugendgerichtshilfe zu Wort. Er gab für einen der Angeklagten eine eher positive Sozialprognose ab. Der 23-Jährige leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Weil er zur Armee gegangen sei, hätten die Taliban seinen Vater gefoltert und sein Elternhaus angezündet. Der Jugendhelfer beschrieb den Afghanen als „schüchtern und zurückgezogen“. Außer Fernsehen habe dieser keine Hobbys. Er empfahl einen Täter-Opfer-Ausgleich als Strafe. Sozialstunden oder Jugendarrest hätten wohl nicht die gewünschte erzieherische Wirkung.

Das Klima am ersten Verhandlungstag war schroff. Mehrfach unterbrach der Richter wegen Anträgen der Verteidiger die Sitzung. Den Anwälten ging der Einblick, den sie in die Ermittlungsmethoden der Polizei bekommen hatten, nicht weit genug. Wäckerlin lehnte das Ansinnen der Verteidiger jedoch ab, weshalb diese einen Befangenheitsantrag gegen ihn stellten. Über den muss nun das Amtsgericht entscheiden, Einstweilen darf der Richter das auf fünf Prozesstage festgesetzte Verfahren in Stadelheim jedoch fortsetzen.

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