TuS Geretsried Schüler Eishockey 1993
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Erfolgreiche Generation: Unter der Leitung der Trainer Siggi Kinkal (vorne, 4.v.li.) und Ernst Hopf (4.v.re.) wurde das Geretsrieder Schülerteam 1993 Dritter der Deutschen Meisterschaft. Andreas Janka (vorne, Mi.) war der Kapitän, sein Bruder Markus (re.) der Torhüter.

Serie „Sportverrückte Brüder“

Andreas Janka: „Ich war immer der größte Fan von Markus“

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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Der talentierte Geretsrieder (42) musste verletzungsbedingt früh seine Eishockey-Laufbahn beenden, während sein zwei Jahre jüngerer Bruder als Torhüter in der DEL Karriere machte. Markus Janka ist heute der Vorsitzende der River Rats und steht gemeinsam mit Andreas regelmäßig für das Geretsrieder AH-Team auf dem Eis.

  • Im Eishockey-Nachwuchs des TuS Geretsried feierten Andreas und Markus Janka zahlreiche Erfolge.
  • Der ältere Bruder musste verletzungsbedingt seine Karriere früh beenden, der jüngere spielte als Torhüter in der DEL.
  • Markus Janka ist heute der Vorsitzende des ESC Geretsried - genau vor zuvor sein Vater Oskar Janka und sein Opa Jakob Ehgartner.

Geretsried – Während ihrer Kindheit und Jugend verbrachten Andreas (42) und Markus Janka (40) fast jede freie Minute miteinander – nicht zuletzt beim gemeinsamen Eishockeyspielen für den TuS Geretsried. Dann gingen sie beruflich bedingt viele Jahre lang getrennte Wege. Heute dagegen sehen sich die Brüder fast jeden Tag im Büro – sie sind gemeinsam mit Vater Oskar Janka die Geschäftsführer des wohl größten Abfallentsorgungsunternehmens im Oberland.

Dass Eishockey die Sportart Nummer eins werden sollte, war quasi familienbedingt vorgegeben. „Mein Opa Jakob Ehgartner war Eissport-Abteilungsleiter beim TuS, später auch mein Vater. Da sind wir also automatisch reingeschlittert“, erzählt Andreas. Mit vier Jahren machte er die ersten Schritte auf dem Eis, stellte die Schlittschuhe aber schnell wieder beiseite: „Das war mir alles etwas zu rustikal.“ Eine Saison später folgte der zweite Anlauf, diesmal gemeinsam mit dem Bruder. Der machte auch schnell mit seinem Talent als Torhüter auf sich aufmerksam. „Mit fünf Jahren haben ich mein erstes Punktspiel gemacht. Damals waren noch vier verschiedene Altersgruppen in einer Mannschaft“, berichtet Markus. Und er erinnert sich auch noch an das erste sportliche Highlight: „Als wir mal gegen den EC Bad Tölz gespielt haben, habe ich meinen ersten hohen Schuss gehalten – allerdings mit dem Kopf. Der war übrigens vom Klaus Kathan.“

Markus spielte als Torhüter immer bei den Älteren mit

Es folgten erfolgreiche Jahre für die Janka-Brüder und den TuS. Auch dabei gab’s einen Höhepunkt: 1993 wurden die Geretsrieder Schüler unter dem leider schon verstorbenen Trainer Siggi Kinkal zuerst Bayerischer Meister und dann Dritter der Deutschen Meisterschaft. „Das war einer der erfolgreichsten Jahrgänge des TuS überhaupt“, betont Andreas, der als Kapitän das Team um den späteren Nationalspieler Andreas Morczinietz und den heutigen Schlagzeuger Peter Oscar Kraus führte. Auch in der Jugend-Altersklasse trumpften die jungen TuS’ler groß auf. „Da haben wir mal mit einem 7:6-Sieg am letzten Spieltag dem SB Rosenheim die Meisterschaft versaut“, erinnert sich Andreas. „Die waren sich einfach zu sicher.“

Sein größter Triumph: 2014 wurde Markus Janka (re., neben seinem Torhüterkollegen Timo Pielmeier) Deutscher Meister mit den Ingolstadt Panthern.

Obwohl zwei Jahre jünger war auch sein talentierter Bruder immer mit dabei. „Wir haben uns natürlich auch außerhalb des Eisstadion Wettkämpfe geliefert – im Fußball und in anderen Sportarten. Da habe ich dann meist verloren, weil ich der Kleinere war“, sagt Markus und lacht. 1997 rückten die Brüder dann beim Eishockey in den Herrenbereich auf. Der TuS spielte in der Regionalliga, Trainer war Mike Wanner und im Team standen Urgesteine wie Hubert Jellen und Christian Ott, Peter Holdschik, Toni Demmel und Heinrich Korph sowie renommierte Profis wie Ron Chyzowski, Reijo Mikkolainen, Juris Opulskis und Vlastimil Vajdak. „Der Ron hat sich sehr um mich gekümmert. Wir haben nach dem Training immer noch Extraschichten eingelegt“, erinnert sich Andreas an den Kanadier, der heute im Nachwuchsbereich des EHC München arbeitet. Sein damals 17 Jahre alter Bruder wechselte sich im Kasten mit dem älteren Markus Franzreb sowie Wolfgang Werner ab.

Schulterverletzung bedeutet das Aus für Andreas

Im darauf folgenden Jahr war Markus endgültig Torhüter Nummer eins beim TuS, während die Karriere von Andreas ziemlich abrupt nach acht Punktspielen endete: „Im Training habe ich mir die Schulter ausgekugelt. Das ist dann einfach nicht besser geworden – schon beim kleinsten Check bekam ich Probleme.“ Außerdem hatte er mittlerweile eine Ausbildung im elterlichen Betrieb begonnen. „Damals musste ich mich entscheiden, was mir wichtiger war.“ Er ist dann in die Firma eingestiegen, wenngleich es ein paar Jahre später – mit inzwischen operierter Schulter – ein erfolgreiches Comeback im Geretsrieder 1b-Team gab. Dann allerdings als Verteidiger: „Ich hatte immer schon die Rolle des defensiven Stürmers in meinem Block übernommen.“

Markus bedauert das frühe Aus seines Bruders: „Er hatte viel Verletzungspech.“ Für den jungen Keeper stand dagegen das Tor zur großen Eishockey-Welt offen. Im Jahr 2000 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag bei den Schwenninger Wild Wings. Weitere Stationen in der DEL waren Krefeld, Straubing und Ingolstadt. Zwischenzeitlich absolvierte der Geretsrieder zwar fünf Länderspiele für Deutschland, wurde aber auch zeitweise in die 2. Bundesliga nach Regensburg, Duisburg und Freiburg ausgeliehen. Immer nah dran war Andreas. „Ich war immer sein größter Fan“, betont der zwei Jahre ältere Bruder. Wenn Markus mit seinen jeweiligen Mannschaften in München oder Augsburg Station machte, war meist eine Delegation von Geretsrieder Freunden im Stadion. „Und ich habe natürlich auch mitgelitten, wenn Markus mal wieder verletzt war oder nicht drangekommen ist“, sagt Andreas. Warum der Keeper oft nicht über die Rolle des Backups hinausgekommen ist, analysiert der Bruder sachlich: „Vielleicht hat ihm der allerletzte Biss gefehlt. Der große Ehrgeiz, wie ihn zum Beispiel ein Robert Müller hatte.“

Markus beendet nach DEL-Jahren seine Karriere in Bad Tölz

Markus Janka ist heute der Vorsitzende des ESC Geretsried.

Als Markus dann 2010 in Ingolstadt anheuerte, kamen der Bruder und viele Freunde oft zu Besuch. „Für die DEL-Endrunde 2014 haben wir uns sogar Play-off-Bärte wachsen lassen“, verrät Andreas. Was offenbar Glück brachte, denn Markus feierte beim Titelgewinn mit den Panthern einen seiner größten Erfolge überhaupt. Nach einer letzten DEL-Saison in Schwenningen hütete der Geretsrieder noch zwei Jahre für die Tölzer Löwen. Er wurde zweimal „Torwart des Jahres“ in der Oberliga und verhalf dem Traditionsverein zur Rückkehr in die 2. Bundesliga.

Für das Abschiedsspiel im Heinz-Schneider-Eisstadion wurde auch Andreas nominiert. „Das hat mich wirklich riesig gefreut“, betont der Bruder angesichts des hochkarätigen Aufgebots mit Thomas Greilinger, Michael Wolf und Co. Was ihn allerdings nicht davon abhielt, dem Bruder einen Streich zu spielen. „Er hat vor dem Spiel angekündigt, dass er ein Tor gegen mich schießen wolle. Aber ich hätte nie gedacht, dass er sich das traut“, sagt Markus und lacht. Und kurz vor Schluss war es dann soweit: Andreas stand mit dem Rücken zum eigenen Kasten, versuchte aber mit einem Rückhand-Schuss seinen Bruder zu überlisten. „Das ist ihm aber nicht gelungen“, betont der Torwart.

Gemeinsam im AH-Team auf Puckjagd

Andreas Janka ist ein passionierter Golfspieler.

Revanchieren kann sich Markus jetzt alle zwei Wochen, wenn – abgesehen von der Corona-bedingten Pause – am Donnerstagabend das Geretsrieder AH-Team aufs Eis geht. „Ich spiele nämlich jetzt im Angriff, aber der Andreas lässt mich natürlich nicht vorbei“, berichtet der 40-Jährige von brüderlichen Duellen. Unstrittig war dagegen die Entscheidung, wer von beiden für den Vorsitz des ESC Geretsried kandideren sollte. „Es war schnell klar, dass Markus das machen wird. Er hat einfach das wesentlich größere Know-How“, räumt Andreas ein. Der passionierte Golfspieler sieht übrigens in der nächsten Janka-Generation schon weitere sportliche Talente heranwachsen: „Sein Sohn Kilian ist genauso Eishockey-verrückt und im ESC-Nachwuchs ein guter Torhüter. Und mein Dominik hat zwar mit dem Eishockey wieder aufgehört, ist aber bei der DJK Waldram beim Fußball mit großer Begeisterung bei der Sache.“

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