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Ein Schöffengericht verurteilte einen 36-jährigen Geretsrieder wegen Veruntreuung zu einer Gefängnisstrafe.

Schöffengericht

Angestellter belastet Ex-Chef

Wegen der Veruntreuung von Arbeitsentgelt musste sich ein Geretsrieder vor dem Schöffengericht verantworten. Das Urteil: Er muss ins Gefängnis. 

Geretsried/Wolfratshausen – Ein Jahr und sechs Monate Gefängnis: So lautet das Urteil gegen einen Unternehmer, der sich wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt verantworten musste. Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte in zwölf Fällen die Sozialabgaben für einen Mitarbeiter nicht ordnungsgemäß abgeführt hatte. Der Schaden beläuft sich auf rund 8000 Euro. Das ist nur ein Teil der Summe, die zur Anklage gebracht wurde.

Im Hauptanklagepunkt wurde der 36-Jährige freigesprochen. Dabei ging es um weitere rund 90 000 Euro: Im Jahr 2014 soll der Geretsrieder in einem inzwischen wieder aufgelösten Tochterunternehmen mehre Mitarbeiter schwarz beschäftigt haben. Die Summe ergab sich aus Berechnungen des Hauptzollamts Rosenheim. Diese wurden von der Verteidigung vehement bestritten, weil der zugrunde gelegte Stundenlohn von 30 Euro zu niedrig angesetzt worden sei. Eine detaillierte Betrachtung der sichergestellten Rechnungen durch das Gericht hatte ergeben, dass die berechneten Stundenlöhne tatsächlich von 17 bis 131 Euro reichten. „Diese Diskrepanz hat das Zollamt nicht plausibel erklären können“, so Richter Helmut Berger.

Zum Verhängnis wurde dem Geretsrieder ein früherer Angestellter, der im Zuge der Ermittlungen gegen das inzwischen eingestellte Tochterunternehmen seinen Chef schwer belastet hatte. Zwar war der Arbeiter vorschriftsmäßig angemeldet gewesen. Sein tatsächlicher Verdienst sei jedoch höher gewesen, als von seinem Arbeitgeber angegeben, hatte der Mann behauptet. „Er hat ein schlichtes Gemüt und ist eher einfach strukturiert. Aber deshalb ist er nicht unglaubwürdig“, konterte der Richter die Ansicht der Verteidigung, die die Aussage des Zeugen wegen dessen Alkoholproblemen und Rachegelüsten gegenüber seinen Ex-Chef stark in Zweifel zog. Der Angeklagte brachte zwei offene Bewährungsstrafen mit in die Verhandlung. Eine weitere Haftstrafe würde unweigerlich einen langen Gefängnisaufenthalt bedeuten. „Wenn er verurteilt wird, wären die Konsequenzen völlig unverhältnismäßig – er bricht sich hier an 8000 Euro das Genick in so erheblicher Art und Weise, dass er am Ende des Tages mit dreieinhalb Jahren Gefängnis dasteht“, appellierte der Verteidiger an das Gericht, zu überlegen, „ob eine Geldstrafe nicht angemessener ist“. „Eine Haftstrafe wäre verheerend“, fügte der Angeklagte hinzu.

Das Gericht sah angesichts von zwei offenen Bewährungen für eine erneute Haftverschonung keine Möglichkeit. „Im November 2012 wird er zu zwei Jahren verurteilt. Die ersten neuen Taten liegen im April 2013“, stellte Richter Berger in seiner Urteilsbegründung fest. „Diese Rückfallgeschwindigkeit ist unbegreiflich“, meinte er abschließend. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

Rudi Stallein

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