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Anna Dörfler organisiert Spendenaktion und unterstützt Geflüchtete

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Von: Doris Schmid

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Sortieren die Spenden: (stehend v. li.) die Ukrainerinnen Natalia Shapoval und Tanya Yefremova zusammen mit der Geretsriederin Anna Dörfler und (vorne v. li.) Olena Pashchenko, Natalia Pavlovska und Kristina Kolomina.
Sortieren die Spenden: (stehend v. li.) die Ukrainerinnen Natalia Shapoval und Tanya Yefremova zusammen mit der Geretsriederin Anna Dörfler und (vorne v. li.) Olena Pashchenko, Natalia Pavlovska und Kristina Kolomina. © sh

Die Geretsriederin Anna Dörfler organisiert zum zweiten Mal eine Spendenaktion für die Ukraine. In ihrer Heimatstadt unterstützt sie Geflüchtete.

Geretsried – Voller Stolz und mit einem breiten Lächeln im Gesicht schiebt Nikita das Fahrrad vom Hof. Der junge Mann aus der Ukraine freut sich, endlich einen fahrbaren Untersatz zu haben. „Er wohnt in Königsdorf“, sagt Anna Dörfler. „Jetzt ist der Weg nach Geretsried nicht mehr so weit.“ Die 59-Jährige organisiert an diesem Wochenende eine Spendenaktion für die Menschen in der Ukraine. Dort herrscht seit zwei Monaten Krieg. Aber Fahrräder für die in Geretsried und Umgebung lebenden Ukrainer sind an der Sammelstelle ebenfalls gern gesehen.

Die gebürtige Polin veranstaltet bereits zum zweiten Mal eine Spendenaktion unter dem Motto „Geretsried hilft Ukraine“. Die Waren werden in der Lebenshilfe an der Gustav-Adolf-Straße gesammelt, die die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat. Auch Monika Lauber, Leiterin des Lebenshilfe-Wohnheims und der Förderstätte am Wünschelwald, unterstützt die Aktion ihrer Mitarbeiterin.

Geflüchtete Ukrainerinnen helfen beim Sortieren

„Handtücher gewaschen in sämtlichen Größen“, kündigt ein Mann seine Spende an, die er in einem Karton verpackt den freiwilligen Helferinnen übergibt. Windeln, Babynahrung, Deo-Roller und Taschentücher sind bereits abgeliefert worden. An diesem Freitagnachmittag wird Dörfler von fünf ukrainischen Frauen unterstützt. „Es macht Spaß, hier mitzuhelfen“, sagt Olena Pashchenko. Die 36-jährige Physiotherapeutin stammt aus der Region Cherson. Sie verließ ihre Heimat vor zwei Wochen gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter und ihrer Tochter und kam nach Geretsried. Natalia Pavlovska hilft ebenfalls mit. Die Deutsch-Lehrerin aus der Zentral-Ukraine kam vor neun Tagen hier an und ist in der Turnhalle am Schulzentrum untergebracht. Die 45-Jährige, die mit ihrer Tochter (17), ihrer Schwester (42) und ihrem Neffen (7) hier ist, hofft sehr, bald privat unterzukommen. „Es gibt bereits ein Angebot“, sagt Anna Dörfler, die auch Russisch spricht.

Es fehlt eine feste Anlaufstelle für Geflüchtete

Die Geretsriederin hat in Eigeninitiative nicht nur die Spendenaktion auf die Beine gestellt. Sie übersetzt, kümmert sich um die Menschen und unterhält drei Whats-App-Gruppen: für Helfer, für Ukrainer in Geretsried und speziell für die Geflüchteten in der Turnhalle. „Da sind Menschen, die verloren sind“, berichtet sie. „Es muss ein Ansprechpartner her, der nicht krank ist, Urlaub hat oder im Feierabend ist“, sagt sie mit Blick auf die hauptamtlichen Kräfte, ohne ihnen dabei einen Vorwurf zu machen. Eine fehlende Anlaufstelle sei in den zurückliegenden Tagen schon ein Problem gewesen. Beispielsweise sei in der Turnhalle die Klimaanlage auch nachts gelaufen. Durch den Luftzug hätten sich die Kinder eine Erkältung zugezogen. „Jemand hat ein Thermometer gebraucht“, sagt Dörfler. Sie ist zur Apotheke gefahren und hat nicht nur ein Exemplar gekauft.

Unter den Ukrainern gibt es laut Dörfler Erzieherinnen, Lehrkräfte und sogar einen Arzt, die ihre Kompetenzen einbringen könnten. „Wissen das die Behörden?“, fragt sie. Viele der Geflüchteten wollten Deutsch lernen. Am Montag soll ein erster Kurs starten, den ebenfalls Ehrenamtliche auf die Beine stellen.

Dörflers Spendenaktion läuft noch bis Sonntagnachmittag. Die Waren gehen an die Stiftung „Grenzenlose Kinderhilfe“. Sie werden von Königsdorf über Ungarn bis in die Ukraine gefahren. Ein Teil geht in Waisenhäuser in der Ukraine, ein Teil in Sammelunterkünfte in Ungarn, in denen ukrainische Frauen mit ihren Kindern untergebracht sind. Ein weiterer Teil geht an ein Familienkrankenhaus in Uzhgorod sowie an Krankenhäuser in Skole und Dolina. Auch an die Front werden Spenden geschickt.

Spendensammlung am Wochenende

Die Sammlung von Anna Dörfler findet diesen Samstag und Sonntag, 23. und 24. April, von 13 bis 17 Uhr an der Gustav-Adolf-Straße 20 in Geretsried statt. Benötigt werden unter anderem haltbare Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel, Handtücher, Decken, Rucksäcke und Sportschuhe.

nej

Alle weiteren Infos zum Ukraine-Krieg und dessen Auswirkungen in Bayern lesen Sie hier auf unserer Themenseite Ukraine-Flüchtlinge.

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