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Rechtswidrig? Nach der Beschwerde eines Bürgers prüft das Landratsamt, ob die Tempo-30-Regelung auf der Jahnstraße wieder aufgehoben werden muss.

Tempo 30 auf der Jahnstraße

Anwohner machen mobil

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Geretsried - Nach der Beschwerde gegen die Tempo-30-Regelung auf der Jahnstraße in Geretsried melden sich Anwohner zu Wort. Sie fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder und wollen Tempo 30 behalten.

Briefe von fünf Anwohnern liegen unserer Zeitung vor. Adressiert sind sie alle an Georg Fischhaber, Verkehrssicherheitsbeauftragter am Tölzer Landratsamt. Er hat über die Beschwerde eines Bürgers aus Geretsried zu befinden und will sich dazu vor Ort ein Bild machen. Grundsätzlich, so erklärt Fischhaber auf Nachfrage, könne jeder Bürger Rechtsmittel gegen eine verkehrsrechtliche Anordnung einlegen. Sollte sich diese tatsächlich als nicht rechtmäßig erweisen, müsste seine Behörde die Stadt anweisen, diese wieder aufzuheben. Ob dies im Fall der Jahnstraße so sein wird, werde die weitere Prüfung zeigen. So viel kann Fischhaber sagen: „Im Straßenverkehr ist es generell gefährlich, für Tempo 30 muss eine besondere Gefährdung vorliegen.“ Die Jahnstraße sei gut ausgebaut und verkehrlich bedeutsam. Dass es sich um ein Wohngebiet handelt, reiche als alleinige Begründung für eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht aus.

Torsten Mohr wohnt mit seiner Familie an der Jahnstraße und äußert sich in seinem Brief „sehr besorgt“ darüber, dass die Tempo-30-Regelung in Frage gestellt wird. Er hat auf einer Karte skizziert, wo aus seiner und der Sicht seiner Nachbarn die Gefahrenstellen liegen. Im Bereich des Isarau-Stadions und des Hallenbads seien viele junge Verkehrsteilnehmer unterwegs – sei es auf dem Weg zur Schule oder zu den Sportstätten. Aus Sicherheitsgründen sei Tempo 30 dort „unabdingbar“, schreibt Mohr. Auch im Bereich des Eisstadions müsse die Geschwindigkeit reduziert sein, um eine sichere Ausfahrt aus den Parkplätzen und den engen Seitenstraßen zu ermöglichen. Im Neubaugebiet hält der Anwohner Tempo 30 ebenfalls für „sinnvoll“: weil die Fahrbahn durch parkende Autos meist auf eine Spur verengt sei, dort viele Kinder unterwegs seien und viele Garagenausfahrten auf die Jahnstraße führen. Ein besonders kritischer Gefahrenpunkt sei zudem die schlecht einsehbare Kreuzung mit der St.-Hubertus-Straße, so Mohr.

Ähnlich argumentieren die anderen vier Anwohner in ihren Schreiben. Sie alle haben sich in dem Neubaugebiet ein Grundstück gekauft – auch deshalb, „weil es von der Stadt als besonders familienfreundlich versprochen wurde“, wie es in einem Brief heißt. Von Seiten des Bauamts sei mehrfach versichert worden, dass die Straße trotz ihrer Breite eine 30er Strecke bleibe. Das sei ein ausschlaggebender Punkt für den Erwerb des Grundstücks gewesen, schreibt eine Familie.

Eine andere Familie verweist darauf, dass immer mehr innerörtliche Straßen zu 30er Zonen erklärt werden – zum Schutz der Anwohner, aus Lärmschutzgründen und zur Verringerung des CO2-Ausstoßes. „Da kann es wohl nicht sein, dass ein einzelner Autofahrer dies alles infrage stellen kann, damit er schneller fahren darf.“ Alleine im Bereich zwischen Waldstraße und St.-Hubertus-Straße würden 25 Kinder wohnen. Seit Jahren werde man bei der Stadt vorstellig, da selbst die 30 Stundenkilometer nicht eingehalten würden, schreibt die Familie. „Es wäre doch vorsintflutlich, in Zeiten, in den sich immer mehr 30er Zonen durchsetzen, wenn hier zurückgerudert wird.“ Im Gegenteil sollte man die Raser weiter ausbremsen und zusätzlich die Rechts-vor-Links-Regel einführen.

Deutliche Worte findet in seinem Brief an das Landratsamt ein anderer Anwohner. „Wir haben unser Grundstück in verkehrsberuhtiger Lage gekauft“, schreibt dieser. „Zumindest wurde uns dies vorgegaukelt, denn die Stadt Geretsried ist leider nicht im Stande für eine Einhaltung zu sorgen.“ Schon jetzt seien die meisten Autos mit mehr als Tempo 30 unterwegs. Sollte die Regelung aufgehoben werden, fürchtet der Anwohner nicht nur um die Sicherheit der Kinder. Dies würde auch eine Wertminderung seiner Immobilie bedeuten. „Und das alles, weil sich ein Bürger beschwert, der seinen Allerwertesten nicht fünf Minuten früher aus dem Bett bekommt.“ Alternativ stünden ja die Adalbert-Stifter-Straße und die B 11 zur Verfügung.

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