Firma Kneisl in Geretsried
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Ein Geretsrieder Traditionsunternehmen war die Schokoladenfabrik Kneisl mit dem berühmten Knusperhäuschen an der Adalbert-Stifter-Straße. Auch diese Firmengeschichte findet sich in dem neuen Heft.

Neuerscheinung des Arbeitskreises Historisches Geretsried

Vom Strumpf bis zum U-Boot: Darum geht es im neuen Geretsrieder Heft

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Der Arbeitskreis Historisches Geretsried hat ein neues Sonderheft in der Reihe der „Geretsrieder Hefte“ veröffentlicht. Strümpfe und ein U-Boot spielen darin eine wichtige Rolle.

Geretsried – Über den Quelle-Versand konnte man in den 1960er-Jahren ein Motorboot kaufen. Entwickelt hatte es Otto Heinrich Graf von Hagenburg. Der Gründer der Hagenburg-Fieberglas KG fertigte im Geretsrieder Süden aber noch viel mehr aus dem neuartigen Material GfK (Glasfaserverstärker Kunststoff, meist Polyester). Das Sortiment reichte von Angelruten über Bahnschranken bis hin zu einem U-Boot mit Elektromotor.

Die Hagenburg-Fieberglas KG ist eine der 43 Firmen, deren Geschichten der Arbeitskreis Historisches Geretsried (AHG) vergangenes Jahr für die „Historische Industrie- und Gewerbeschau“ im ehemaligen Kunstbunker zusammengetragen hat. Daraus ist das Sonderheft 4 „Firmengeschichten“ in der Reihe der „Geretsrieder Hefte“ entstanden, das der AHG jüngst herausgebracht hat.

„Als wir die Exponate zusammengetragen haben, hat sich die Idee ergeben, zu dem Thema auch ein ,Geretsrieder Heft‘ zu veröffentlichen“, sagt Werner Sebb vom AHG, der die Ausstellung maßgeblich organisiert hat. Diese fand anlässlich des Doppeljubiläums 50 Jahre Stadt und 70 Jahre Gemeinde statt. Innerhalb der Öffnungszeit von sechs Wochen zählte der AHG 746 Besucher. Wer die Ausstellung verpasst hat oder die Firmengeschichten nochmals nachlesen möchte, hat dazu nun Gelegenheit.

Sebb war auch wichtig, diese „für künftige Generationen in schriftlicher Form festzuhalten“, erklärt er. Für ihn sind die Firmen, die nach Kriegsende entstanden sind, ein wesentlicher Teil der Stadtgeschichte. „Ohne sie würde es Geretsried heute in dieser Form nicht geben.“ Dass es exakt 43 Firmengeschichten sind, die der AHG in Ausstellung und Heft vorgestellt hat, ist mehr oder weniger Zufall. „Es hätte noch etliche gegeben“, sagt Sebb. Doch für mehr Plakate sei im ehemaligen Kunstbunker kein Platz gewesen. Zudem kenne er einige Firmen nur noch vom Hörensagen, und es lägen keine Informationen dazu vor.

Die Reihe geht weiter: Werner Sebb vom Arbeitskreis Historisches Geretsried mit den beiden Neuerscheinungen der „Geretsrieder Hefte“. 

Die Recherche war „umfangreich und nervenzehrend“, so der 81-Jährige. Eine große Anzahl der vorgestellten Firmen existieren nicht mehr, etwa die H. Schaller KG, die unter anderem Petticoats in Stein herstellte, oder die Firma Aristo Dennert & Pape, die bis 1978 Rechenstäbe und Zeichengeräte an der Blumenstraße fertigte. Informationen lieferten unter anderem Nachfahren oder der AHG konnte auf das bereits veröffentlichte Heft „Industriepioniere“ zurückgreifen. Die meisten Texte verfassten Werner Sebb und Hannelore Schunk, Tochter des ersten Geretsrieder Bürgermeisters Karl Lederer, die bei der Vorbereitung der Ausstellung half. „Sie hat auch viele persönliche Erinnerungen an die Zeit“, so Sebb.

Teils verfassten die Firmengeschichten aber auch die Leihgeber der Exponate für die historische Industrie- und Gewerbeschau. Beispielsweise schrieb Margit Weißbach über die Otto Weißbach Strumpffabrik, Dr. Otto Rothe über die Firma Rudolf Chemie und Dr. Heiko Böhme über die chemische Fabrik Dr. Th. Böhme.

Die Firmengeschichten waren in der Ausstellung auf Plakaten nachzulesen. Die Texte wurden unverändert in das Heft übertragen. Sie sind kurz und informativ. Zu jeder Firma gibt es eine Doppelseite mit historischen Aufnahmen sowie Fotos mancher Exponate, die in der Ausstellung gezeigt wurden. Das Layout hat Gerhard Aumüller erstellt. Auf einem beigelegten Stadtplan lässt sich nachsehen, wo die Firmen angesiedelt waren oder sind. Auch der Zusammenschnitt eines Films, der 1960 über die damalige Industrie aufgenommen wurde und den Gerhard Aumüller für die Ausstellung erstellt hat, ist auf DVD erhältlich.

Der AHG stellt Neuerscheinungen in der Reihe „Geretsrieder Hefte“ für gewöhnlich im Rahmen eines Vortrags vor. Dies ist zurzeit aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Daher wurde auch die Chronik des Weilers Geretsrieds bis zum Beginn der Rüstungsindustrie, die Walter Holzer vergangenen Sommer als Sonderheft veröffentlicht hat, bislang nicht offiziell vorgestellt. Es sei Geschichtsinteressierten dennoch ans Herz gelegt.

Info

Die „Geretsrieder Hefte“ kosten 12,50 Euro pro Stück. Die „Firmengeschichten“ im Paket mit der DVD sind für 22 Euro erhältlich. Nur die Geretsrieder Chronik kostet wegen des geringeren Umfangs acht Euro. Verkaufsstellen sind das Rathaus, die Buchhandlung Osiander, der Dorfladen Gelting, die Poststelle Stein sowie die Sparkassenfilialen Karl-Lederer-Platz und Händelstraße. Es gibt auch einen Online-Shop vom Arbeitskreis Historisches Geretsried.

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