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Die Gemeinschaftsunterkunft am Schulzentrum wurde vor gut einem Jahr eröffnet. Inzwischen leben etwa 200 Asylbewerber an der Jahnstraße. 

„Die Stadt Geretsried ist gut ,im Soll‘“

Asyl in Geretsried: Aktuelle Zahlen

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Ein Jahr nach der Eröffnung ist die Gemeinschaftsunterkunft an der Jahnstraße fast vollständig belegt. Insgesamt leben damit 386 Asymbewerber in Geretsried. Ein Lagebericht.

Geretsried– Zwei Security-Mitarbeiter an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr: Im April vor einem Jahr nahm die Firma RD Solutions ihre Arbeit in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) am Geretsrieder Schulzentrum auf. Zu diesem Zeitpunkt lebten knapp 30 Menschen in den Wohncontainern. Anfang 2017 hatte die Regierung mit der Belegung begonnen. Jetzt, ein Jahr später, ist die Unterkunft zu 80 Prozent gefüllt, wie Pressesprecher Dr. Martin Nell auf Anfrage mitteilt.

Etwa 250 Plätze gibt es in der GU. Anfang März lebten etwa 200 Asylbewerber darin. „Aus organisatorischen Gründen ist bei Asyl-Unterkünften im Regelfall keine vollständige Belegung aller Betten planbar, sodass der Oberste Rechnungshof bei einer 85-prozentigen Belegung von einer vollständigen Auslastung ausgeht“, sagt Nell.

Bei den Bewohnern handelt es sich jeweils etwa zur Hälfte um Frauen und Männer. Sie kommen unter anderem aus Afghanistan, Eritrea, Syrien, dem Irak und dem Senegal. Etwa 40 Menschen in der GU sind laut Nell anerkannte Bleibeberechtigte, also sogenannte Fehlbeleger. Sie werden derzeit in der GU geduldet, sind aber dafür verantwortlich, für sich und gegebenenfalls für ihre Familien eine eigene Wohnung zu suchen.

Mit dem Sicherheitsdienst sei die Regierung von Oberbayern zufrieden, sagt Nell. „Die Zusammenarbeit aller Beteiligten verläuft gut.“ Das beziehe sich auch auf die Kooperation mit Stadt, Landkreis, dem Schulzentrum, dem Verein Hilfe von Mensch zu Mensch und „den vielen Ehrenamtlichen, die sich in und um die GU engagieren“.

Laut Thomas Loibl, Pressereferent der Stadt, stehen über 100 Menschen auf der Liste des Helferkreises. 60 von ihnen seien zur Zeit in verschiedenen Funktionen aktiv – also nicht nur in der GU der Regierung. Dominierendes Thema bei der Arbeit der Ehrenamtlichen seien aktuell die Themen Wohnen und Arbeiten.

Insgesamt lebten 386 Asylbewerber zum Stichtag 28. Februar in Geretsried, sagt Marlies Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts. 117 von ihnen sind Fehlbeleger. Die Geretsrieder Asylbewerber kommen aus 21 Nationen, 172 sind Männer, 103 Frauen und 11 Kinder. Damit ist die Zahl aufgrund der Belegung der Gemeinschaftsunterkunft in den vergangenen Monaten angestiegen. Im Verhältnis leben im Landkreis in Bad Tölz die meisten Asylbewerber – die Einordnung sei laut Peischer aber nicht ganz einfach. „Die Stadt Geretsried ist gut ,im Soll‘“, meldet Peischer.

Wie berichtet hat der Landkreis der Regierung von Oberbayern die „Filigranhalle“ zur Übernahme angeboten. „Es ist noch keine Entscheidung darüber gefallen“ sagt Nell. Derzeit ist sie Peischer zufolge zur Hälfte belegt – als Puffer und für den Fall, dass Asylbewerber umziehen müssen. „Viele Mietverträge laufen in den nächsten Monaten aus“, sagt die Sprecherin des Landratsamts. So komme es auch, dass rechnerisch zur Zeit 45 Prozent der Unterkünfte des Landkreises in Geretsried leerstehen.

Die Polizei Geretsried muss regelmäßig zu den Asylbewerberunterkünften in ihrem Dienststellenbereich ausrücken. Im Jahr 2017 notierte Polizei-Chef Daniel Kießling insgesamt 89 am Robert-Schumann-Weg, an der Blumen- und Jahnstraße sowie in Königsdorf. Darunter seien 10 bis 15 Prozent Fehlalarme. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es 55 Einsätze.

Die GU müsse am häufigsten angefahren werden, sagt Kießling. „Das ist dem geschuldet, dass viele Menschen auf engem Raum über einen langen Zeitraum zusammenleben.“ Die Bandbreite der Einsätze sei groß, von Hilfeleistungen über Suizidgefahr bis hin zu Körperverletzung.

Bei dem Großteil der Alarmierungen handle es sich aber um Streitigkeiten, die die Polizei aufnehmen müsse. Aus diesem Grund habe sich der Sicherheitsdienst an der GU bewährt. „Er hilft ungemein“, lobt der Polizei-Chef, „weil viele Streitigkeiten bereits untereinander geklärt werden können.“

sw

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