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Bunt und gemütlich: Sitzsäcke, Kissen und Teppiche schaffen eine angenehme Atmosphäre. Momentan ist die Lernlandschaft im Interimsbau untergebracht. Die sanierten Räume im Musenbau sollen im Herbst fertig sein.  

Pädagogisches Konzept

Auf Inseln lernen: Realschule geht neue Wege

Unter dem Motto „Gerne lernen!“ testen die Fünftklässler der Geretsrieder Realschule das Konzept der Lerninseln. Dabei wird viel mehr gelernt als einfach nur Mathe und Deutsch.

Geretsried – Die Straßenschuhe stehen ordentlich aufgereiht im Gang. Auf dem Boden im Raum dahinter liegen viele kleine Teppiche und Sitzsäcke. Die Fensterbänke laden mit bunt gemusterten Kissen zum Lümmeln ein. Das ist nicht etwa die Szenerie eines gemütlichen Wohnzimmers, sondern ein Unterrichtsraum im Geretsrieder Schulzentrum.

Ähnlich wie das Gymnasium (wir berichteten) testet die fünfte Jahrgangsstufe der Realschule unter Leitung der stellvertretenden Schulleiterin Christine Venus-Michel seit vergangenem Herbst das Konzept der Lerninseln. Weil das Schulgebäude saniert wird, sind die Inseln momentan provisorisch im Interimsbau des Schulzentrums an der Adalbert-Stifter-Straße untergebracht. „Pünktlich zu Beginn des neuen Schuljahrs sollen unsere Räume fertig sein“, hofft die Konrektorin. „Die fünfte Jahrgangsstufe zieht dann ins Erdgeschoss, die sechste in den ersten Stock.“

Auf dem Bauch liegen und dabei lernen

Das bislang erprobte Pädagogik-Modell unter dem Motto „Gerne lernen!“ wird in den optimierten Räumen weitergeführt. Vom sogenannten Marktplatz gehen vier Räume ab – für jede fünfte Klasse einer. Das Besondere: Es gibt keine Türen dazwischen, sondern Fenster mit Blick auf die Lernfläche, wo die Kinder selbstständig arbeiten. Ob sie das auf Stoffhockern, bäuchlings liegend oder an den dreieckigen Rolltischen tun, bleibt ihnen überlassen. Die Aufgaben für die verschiedenen Fächer entnehmen die Schüler den Aufbewahrungskörben an der Längsseite des Raumes. „So kann jedes Kind in seinem Tempo lernen“, erklärt Venus-Michel. Hauptsächlich im Fach Englisch arbeiten die Schüler mit Tablets. „Das ist gerade für Übungen zum Hörverstehen sinnvoll“, so die Pädagogin.

Damit die Arbeit in Eigenregie gelingt, gibt es für das Miteinander strenge Regeln. „Die Übungsphase war intensiv, aber notwendig“, gibt Venus-Michel zu. „Wir wollen den Kindern insbesondere soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme vermitteln. Im Frontalunterricht geht das nicht.“ Im neuen Modell funktioniere außerdem der Lehrplan besser, der ab dem nächsten Schuljahr eingeführt wird. „Kompetenzorientiertes, selbstständiges Arbeiten steht stärker im Vordergrund als die reine Vermittlung der Lerninhalte“, berichtet die Konrektorin.

Engagement der Lehrer gefragt

Um das Projekt zum Laufen zu bringen, war das Engagement der Lehrer enorm wichtig. Neben Venus-Michel betreut Studienrätin Steffi Kretzschmar die Lerninseln hauptsächlich. Sechs weitere Lehrerinnen und Lehrer haben die neue Unterrichtsform ebenfalls für sich entdeckt. Alle zwei Wochen tauschen sie sich im Plenum aus. Materialien, Aufgaben und Tests erarbeiten die jeweiligen Fachlehrer zusammen. „So sind alle Kinder auf dem selben Wissensstand“, erklärt Kretzschmar. „Außerdem bekommen wir Lehrer einen tieferen Einblick in den Leistungsstand der Schüler.“

Ein weiterer Vorteil, den die Pädagogen während der Testphase festgestellt haben: Den Fünftklässlern fällt der Übergang von der Grund- auf die weiterführende Schule leichter. „In diesem geschützten Rahmen blühen die Kinder regelrecht auf“, stellt die Deutschlehrerin fest.

Obwohl die Umstellung auf das neue Modell laut Venus-Michel „wahnsinnig aufwendig“ war, sind die Verantwortlichen überzeugt, dass alle Beteiligten davon profitieren. „Die Lerninseln sind das pädagogische Konzept der Zukunft.“

Magdalena Höcherl

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