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So funktioniert‘s: Wasserwart Oliver Schüllermann (Mitte) erklärt Bürgern die aufwendige Technik, mit der ihr Trinkwasser aufbereitet wird. 

80 Bürger besichtigen Ultrafiltrationsanlage

Aufbereitung in Königsdorf: Hier kommt das Geretsrieder Wasser her

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Ultrafiltrationsanlage am Lindenrain in Königsdorf interessiert viele Bürger. Bei einer Führung erfuhren sie, was dort aus dem Geretsrieder Wasser gefiltert wird - und was nicht.

Geretsried/Königsdorf – Nach wie vor interessieren sich die Geretsrieder stark dafür, wie ihr Wasser aufbereitet wird. Beim Blick hinter die Kulissen der Ultrafiltrationsanlage am Lindenrain in Königsdorf war der Andrang vor Kurzem groß. Es gab vier halbstündige Führungen mit insgesamt knapp 80 Besuchern. Und sie brachten jede Menge Fragen mit.

Jan Dühring, der Leiter der Stadtwerke, begrüßte die Besucher vor der Tür. Grundsätzlich, erklärte er, handelt es sich beim Geretsrieder Wasser um Grundwasser, das aus einer Tiefe von gut zehn Metern gefördert wird. Weil dies relativ knapp unter der Oberfläche sei, habe das Gesundheitsamt die Gefahr von Verunreinigungen des Wassers etwa durch starke Wetterereignisse gesehen und den Bau einer solchen Anlage angeordnet. Seit der Inbetriebnahme im Februar 2017 läuft das Geretsrieder ebenso wie das Königsdorfer Trinkwasser durch superfeine Filter, die Bakterien vollständig zurückhalten, jede der zahlreichen Proben war sauber. Frage eines Bürgers: „Ist hier immer jemand vor Ort?“ Antwort Dühring: „Nein, aber es gibt regelmäßige Kontrollgänge und eine 24-Stunden-Bereitschaft.“

Ein anderer Geretsrieder fragte, ob die Anlage nicht auch dafür sorgen könne, dass das Wasser weniger kalkhaltig wird? „Grundsätzlich gibt es Anlagen, die so etwas können“, erwiderte Dühring. Doch in Geretsried werde die Zusammensetzung des Wassers nicht geändert, es bleibt beim Wert von um die 16 Grad deutscher Härte. „Das ist nicht einmal übertrieben viel, die Skala reicht vielfach bis weit über 20“, erklärte er. Dass man alle paar Wochen Wasserkocher und anderes reinigen müsse, sei in dieser Gegend normal.

Einen anderen Besucher beschäftigte die Frage, ob ein Stromausfall der Anlage etwas anhaben kann. Nein, kann er nicht, versicherte der Stadtwerke-Chef. Dank Aggregat, das den Betrieb aufrecht erhält.

Mit Blick auf die steigende Bevölkerung in Geretsried versicherte Dühring, dass die Kapazitäten noch längst nicht erschöpft seien: Derzeit würden täglich etwa 4400 Kubikmeter Wasser aufbereitet, möglich seien theoretisch aber 12 000. Mittel- und langfristig sieht er ein anderes Problem, nämlich die Tatsache, dass im Wasserschutzgebiet – und darum handelt es sich in Königsdorf-Wiesen – nur eine begrenzte Menge an Wasser entnommen werden darf. „Mit diesem Thema werden wir uns befassen müssen.“

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An dieser Stelle übernahmen Wassermeister Oliver Schüllermann und Abteilungsleiter Jürgen Schmidt die Gruppe, die sie durch die Räumlichkeiten führten, insbesondere durch die im hinteren Teil gelegene Aufbereitungshalle, in der die Netzpumpen summten. Hier erläuterten sie die eindrucksvolle Technik, die dafür sorgt, dass die Geretsrieder ein hochwertiges Lebensmittel zur Verfügung gestellt bekommen. Insbesondere verwies Schüllermann auf die speziellen Kunststoff-Membrane, die so superfein sind, dass sie Bakterien im Trinkwasser zurückhalten können. „Die ganze Anlage hat 4,6 Millionen Euro gekostet“, erklärte er. „Wenn man bedenkt, wie viel heute schon ein Einfamilienhaus kostet und wenn man weiß, welche Technik hier verbaut ist, dann ist das gar nicht so viel.“

Ein Bürger wollte vom Wasserwart wissen, warum nach der Reinigung durch feinen Membrane das Wasser auch noch mit UV-Licht desinfiziert wird? „Das gehört einfach zu dem bei uns angewandten Multibarrierensystem“, erläuterte er. „Eigentlich wäre es nicht unbedingt nötig, aber wir machen es trotzdem. Es ist wie bei einem Airbag.“ Ein anderer Bürger erkundigte sich, wie der Experte die Gefahr einer möglichen Privatisierung von Trinkwasser einschätze. „Grundsätzlich macht es den Eindruck, als wären die Privatisierungstendenzen zurückgegangen“, sagte er. Doch sicher könne man keineswegs sein, dass das Lebensmittel dauerhaft in kommunaler Hand bleibe. „Man muss mit allem rechnen.“

Eine dritte Frage zielte auf die im Bereich der Brunnen gemessenen Nitratwerte. Sie bleiben weit unter den Grenzwerten, etwa 15 bei erlaubten 50. Als Grund nannte der Wasserwart auch das „gute Verhältnis zu den Landwirten“. Die beiden Geretsrieder Brunnen lägen in der Schutzzone 1. In der Schutzzone zwei würden die Bauern eben wegen des guten Verhältnisses teilweise auf Düngung verzichten, um das gute Geretsrieder Trinkwasser nicht zu gefährden. Für diesen Verzicht erhalten die Landwirte auch Ausgleichszahlungen. „Es haut gut hin“, fasste Schüllermann zusammen. Und musste dann auch schon das Feld räumen. Die nächste Gruppe mit ihren Fragen wartete schon.

vu

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