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Aus Dankbarkeit ein Denkmal gestiftet: Ex-Stadtrat ist mit 94 Jahren verstorben

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Von: Doris Schmid

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Ernst Walko starb am Zweiten Weihnachtsfeiertag.
Ernst Walko starb am Zweiten Weihnachtsfeiertag. © Hans Lippert

Der Ehemalige Zahnarzt und FDP-Stadtrat Ernst Walko ist am zweiten Weihnachtsfeiertag im Alter von 94 Jahren verstorben.

Geretsried – In seiner Praxis am Karl-Lederer-Platz fühlte er vielen Geretsriedern auf den Zahn, politisch engagierte er sich im Stadtrat. Jetzt ist Ernst Walko im hohen Alter von 94 Jahren verstorben.

Kriegsabitur, Wehrdienst, Gefangenschaft und Zwangsarbeit: All das hatte Ernst Walko schon erlebt, als er im November 1945 mit 18 Jahren als Heimatvertriebener nach Gelting kam. Die Dorfbewohner nahmen ihn und seine Eltern, die aus Käsmark, einer kleinen Sprachinsel in der Ost-Slowakei stammten, freundlich auf. Die Familie fand bei einem Bauern namens Hasch an der Buchberger Straße in Gelting eine Unterkunft. Schräg gegenüber, beim Blum, wohnte seine spätere Frau Gisela. Sie war ebenfalls ein Flüchtlingskind und stammte aus dem Egerland. Das Paar lernte sich beim Tischtennisspielen im Keller des Alten Wirths kennen und heiratete 1953. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor – eine starb im Alter von 15 Monaten.

Aus Dankbarkeit ein Denkmal gestiftet: Ex-Stadtrat Ernst Walko ist mit 94 Jahren verstorben

1959 wagte Walko – zuvor bei einem Münchner Zahnarzt angestellt – den Schritt in die Selbstständigkeit. Er eröffnete eine Praxis am Karl-Lederer-Platz, seine Frau unterstützte ihn. Vis à vis hatte der Zahnarzt Dr. Walter Immertreu seine Praxis. „Ich hab’ immer geschaut, wie lange der abends arbeitet. So hab’ ich eben auch angefangen, noch bis spät in die Nacht hinein Patienten zu behandeln“, sagte Walko mit einem Augenzwinkern einmal im Gespräch mit unserer Zeitung. Später saßen die beiden gemeinsam im Stadtrat, Immertreu für die Christsozialen und Walko für die FDP (von 1984 bis 1993).

Nach seiner aktiven Zeit als Stadtrat engagierte er sich weiter politisch: 2007 zählte er zu den Befürwortern der geplanten Wellness-Anlage Spaladin. Ab und zu schaute er bei den Stammtischen der CSU vorbei. Die Umgestaltung des Karl-Lederer-Platzes sah er kritisch.

„Für mich waren diese Jahre zwischen 1945 und 1952, die ich in Gelting verbringen durfte, mit die zufriedensten Jahre meines Lebens“, sagte Ernst Walko. „Hier fühlte ich mich vom ersten Tag an daheim.“ Aus Dankbarkeit stiftete er gemeinsam mit der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal und dem Arbeitskreis Historisches Geretsried den Geltinger Obelisken.

2013 feierten Ernst und Gisela Walko ihre Diamantene Hochzeit, zwei Jahre später starb die Geretsriederin. Am Zweiten Weihnachtsfeiertag 2021 schloss Ernst Walko für immer die Augen. Er hinterlässt zwei Töchter, vier Enkelkinder und Urenkel. Die Urnenbeisetzung findet im kleinen Kreis statt.

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