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Listerien waren vor dem Fall Sieber Bakterien wie viele andere in der fleischverarbeitenden Branche. Heute sind sie mehr denn je gefürchtet. 

Sieber-Prozess am Amtsgericht

Aus Mangel an Beweisen

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Im Sommer vergangenen Jahres hieß es, dass die speziellen Listerien auf Sieber-Produkten eine schlimme Erkrankungswelle in Süddeutschland ausgelöst hätten. In der Anklage gegen Ex-Sieber-Boss Schach war davon nicht die Rede. Warum eigentlich?

Geretsried – Listerien sind aggressive Bakterien. Gesunden Menschen können sie im Normalfall wenig anhaben. Wer aber ein geschwächtes Immunsystem hat, sollte sich vor ihnen hüten. Der auf Sieber-Produkten gefundene Stamm Listeria monocytogenes war offenbar besonders aggressiv: Angeblich gehen auf ihn Todesfälle während einer Erkrankungswelle in Süddeutschland zurück. So sah es zumindest im vergangenen Sommer das Robert-Koch-Institut. Genau dieser Befund war es, der im Sommer 2016 zur Schließung der Großmetzgerei führte.

Für alle, die den Fall Sieber verfolgt haben, war es erstaunlich, dass davon in der Anklageschrift gegen Ex-Inhaber Dietmar Schach mit keinem Wort die Rede war. Hätte der Staatsanwalt die Todesfälle miteinbezogen, hätte die Anklage auf fahrlässige Körperverletzung lauten müssen – mindestens. Doch das war nicht der Fall. „Wir als strafverfolgende Behörde müssen uns auf das konzentrieren, was beweisbar ist“, sagt zur Erklärung der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, Ken Heidenreich. Und das war einzig und allein das Nürnberger Wammerl. Ein Beweis für einen Zusammenhang zwischen Sieber-Listerien und der Erkrankungswelle in Süddeutschland lag für die Staatsanwaltschaft offenbar nicht vor. Der Vorwurf beschränkte sich daher auf vorsätzliches In-den-Verkehr-bringen gesundheitsschädlicher Lebensmittel. Und selbst diesen Tatbestand reduzierte das Gericht auf fahrlässiges Handeln. Schach kam mit einer Strafe von 900 Euro davon.

Zeugen hatten auffallende Erinnerungslücken

Dennoch: Die Todesfälle spielten für den Prozess eine wichtige Rolle. Einer der Schach-Anwälte, Andreas Meisterernst, erklärte sich damit die teils frappierenden Erinnerungslücken der Schach-Mitarbeiter. „Die Nervosität war immens, niemand wollte zu viel sagen“, stellte er in seinem Plädoyer fest. Sein Kollege Andreas Hintermayer bedankte sich bei der Staatsanwaltschaft ausdrücklich, dass die Todesfälle keinen Eingang in die Anklageschrift gefunden hatten. „Diese völlig haltlose Unterstellung kann man nur zurückweisen.“

Kann man das wirklich? Auf eine Anfrage unserer Zeitung schreibt das Robert-Koch-Institut: „Nach unserer Kenntnis wurden von den Behörden in einer Vielzahl von Lebensmitteln aus dem verdächtigen Betrieb der mit den Erkrankungs- und Todesfällen assoziierte, sehr spezielle Typ von Listerien gefunden.“ Die Maßnahmen der Behörden waren offenbar erfolgreich, denn: „Der Ausbruch hörte kurz nach dem Rückruf 2016 auf.“ Und: „Es wurden keine weiteren Erkrankungsfälle mit diesem Typ registriert, obwohl weiterhin eine hohe Zahl von Listeriose-Patienten aus Süddeutschland mit den Methoden untersucht wurden.“ Gut möglich also, dass die Quelle in Geretsried lag. Auch wenn im Prozess davon nicht die Rede war.

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