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Verlockendes Angebot: 16 900 Euro sollte der amerikanische Geländewagen laut Internet kosten.

Amtsgericht Wolfratshausen

Wortgefecht bei Autokauf

Geretsried - Eigentlich wollte ein Österreicher nur einen amerikanischen Geländewagen kaufen. Doch als sich der Kauf zerschlug, vergriff er sich schwer im Ton. Dafür muss er jetzt 500 Euro an den Kinderschutzbund zahlen.

Ein Österreicher will in Geretsried von zwei Russen einen Hummer kaufen. Das Autogeschäft scheitert, dafür hat der verhinderte Käufer wenige Tage später eine Beleidigungsklage am Hals. Aus Verärgerung über das entgangene Geschäft habe er die Verkäufer als „Deppen, Penner und Kanaken“ beleidigt. So hatte es die Staatsanwaltschaft ermittelt und gegen den Österreicher Strafbefehl beantragt. Damit war der 51-Jährige nicht einverstanden. Deshalb wurde der Fall vor Gericht wieder aufgerollt.

Nur 17.000 Euro für das Gefährt? Das klang verlockend

Das Angebot klang verlockend: 16 900 Euro sollte der amerikanische Geländewagen kosten, den der Angeklagte auf einem Automarkt im Internet entdeckt hatte. Nachdem man sich telefonisch einig geworden war, machte sich der in Dornbirn geborene Österreicher mit dem Geld in der Tasche und seiner Lebensgefährtin auf dem Beifahrersitz voriges Jahr an Mariä Himmelfahrt auf den Weg vom Bodensee nach Geretsried. Unterwegs sei er zum Parkplatz eines Discounters dirigiert worden. „Sie wollten keine Adresse nennen, sich nicht privat treffen“, so der Angeklagte. Am vereinbarten Treffpunkt erwarteten ihn zwei Männer. „Einer stand am Hummer, einer lehnte an einem Audi A8.“

Das Geschäft erweist sich vor Ort als ein wenig dubios

Das böse Erwachen kam, nachdem er das Auto inspiziert hatte und noch einmal „über den Preis reden“ wollte. Plötzlich seien 21 500 Euro verlangt worden, ein zusätzlicher Satz Reifen sei versehentlich in der Annonce nicht aufgeführt gewesen. Fahrzeugpapiere habe man ihm auch nicht aushändigen können. „Ich hätte den Wagen bezahlen und 14 Tage später erst den Fahrzeugbrief bekommen sollen“, echauffierte sich der Angeklagte. Dann sei die Situation etwas ausgeartet. „Er drohte mit Schlägen und hat die Faust geballt“, sagte der Paketzusteller (29), der den Hummer zum Parkplatz gesteuert hatte. Dann habe der Mann ihn und seinen Freund als „Sch... Russen, Arschlöcher und Penner“ beschimpft, so der Zeuge. „Er ist ausgeflippt, wollte mich schlagen, rief Depp, Ausländer irgendwas“, bestätigte der Mann (29), der das Auto „im Auftrag eines Kollegen“ verkaufen wollte.

Nur den Ausdruck "Depp" räumt der Österreicher ein

Die Fragen nach dem tatsächlichen Fahrzeugbesitzer und dem Verbleib der Papiere konnte der Zeuge, von Beruf Detektiv und wohnhaft in München, nicht beantworten. „Wie soll das gehen, dass er Geld bezahlt und keine Papiere bekommt?“, fragte Richter Helmut Berger. „Das Auto könnte doch gestohlen sein.“ Kein Wort davon sei wahr, wies der Angeklagte die Beschuldigungen der vermeintlichen Autoverkäufer zurück. „Ich habe gesagt: Ihr seid doch Schlawacken“, sagte der Österreicher und erklärte schmunzelnd, dass bedeute in seiner Heimat so viel wie Schlitzohr oder gerissener Gauner. Schließlich räumte er den „Deppen“ ein. Mehr nicht. „Ich wusste doch gar nicht, dass das Russen sind“, zeigte er sich überrascht. „Depp ist aber auch keine schöne Bezeichnung. Bei uns ist das eine Beleidigung“, klärte Richter Berger den Weitgereisten auf. „Also, was machen wir?“ Die Verfahrensbeteiligten einigten sich auf einen Kompromiss: Der Beschuldigte bezahlt 500 Euro an den Kinderschutzbund, im Gegenzug wird das Verfahren eingestellt. Rudi Stallein

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