Der Ayers Rock in Australien
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Sehnsuchtsort Australien: Viele Abiturienten planen nach dem Abschluss eine große Weltreise. Wegen der Corona-Pandemie wurde daraus nichts.

Die Freiheit muss warten

Nach dem Corona-Abitur: Das machen die Absolventen heute

  • vonDominik Stallein
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Die große Weltreise, ein Sabbatical oder die Atmosphäre im Audimax: Die Corona-Pandemie verändert die Pläne junger Menschen nach dem Abitur massiv.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nach zwölf Jahren Büffeln endlich in die große Freiheit: Die Zeit nach dem Abitur ist rückblickend für viele Menschen die unbeschwerteste Phase des Lebens. Für die Absolventen des Corona-Jahres 2020 fielen allerdings viele Möglichkeiten ins Wasser, die neu gewonnene Freizeit zu genießen. Ausschweifende Feiern mit dem ganzen Jahrgang?

Sandra Bennewitz wollte eigentlich ein Jahr Pause vom Lernen machen, „ein bisschen reisen, Geld verdienen und etwas von der Welt sehen“, sagt die 19-jährige Geretsriederin. Konkrete Zielorte hatte sie sich noch nicht ausgemalt, da machte ihr die Pandemie schon einen Strich durch die Rechnung. Kleine Trips nach Italien und ein Familienbesuch in Bosnien waren im Sommer zwar noch drin, sonst „ging leider nicht so viel von meinen Plänen“.

Sie habe versucht, die Zeit trotzdem zu nutzen, so gut es eben ging, erinnert sich Bennewitz. Weil sie aber schnell feststellte, dass die Möglichkeiten dazu im Moment begrenzt sind, entschied sich die Geretsriederin, doch schon im Jahr 2020 ein Fernstudium in International Business Administration anzutreten. Große Unterschiede zum Alltag ihrer früheren Klassenkameraden, die an einer Präsenz-Uni studieren, kann die 19-Jährige nicht erkennen. „Im Moment machen doch alle quasi ein Fernstudium“, sagt sie.

Sandra Bennewitz aus Geretsried - Studium statt Weltreise

Nur wenn es für die ehemaligen Mitschüler tatsächlich einmal in den Hörsaal geht, wird Bennewitz weiterhin am Laptop lernen. „Das ist auch ganz gut so, dann kann ich nebenbei arbeiten“, findet sie. Vielleicht holt die 19-Jährige irgendwann, womöglich nach dem Bachelor-Abschluss, ihre ursprünglich nach dem Abi geplante Auszeit samt Fernreise nach. „Das lasse ich aber auf mich zukommen.“

Abifahrt war möglich, aber abgespeckt

Als Bennewitz im vergangenen Jahr ihr Zeugnis erhielt, saß auch Manuel Wehbe in der Aula des Geretsrieder Gymnasiums und freute sich über seine Hochschulreife. „Bei einer abgespeckten Veranstaltung mit weniger Rednern und nur einem Elternteil pro Schüler“, erinnert sich der Wolfratshauser. Während des Abiballs mit seinen Kumpels auf den Abschluss anstoßen konnte er nicht. Die Veranstaltung wurde wie so vieles abgesagt. „Das war schade“, sagt Wehbe. Immerhin eine Abifahrt nach Korfu organisierten einige Mitschüler und ließen es sich in der Sonne am Mittelmeer gut gehen. „Dort war es aber auch anders als sonst. Ein paar Aktivitäten mussten abgesagt werden.“

Glücklich in Innsbruck: Manuel Wehbe aus Wolfratshausen

Der heute 19-Jährige trat zügig nach seinem Abi ein Studium an. Seine Kommilitonen bekommt der Wirtschaftsstudent in Innsbruck aber nur selten zu Gesicht: „Am Anfang hatten wir ein paar Präsenztermine, das ist aber schon länger wieder vorbei“, so der Wolfratshauser. Wöchentliche Pendelfahrten in seine Heimat waren zwischenzeitlich problemlos möglich. Als das Robert-Koch-Institut das österreichische Bundesland Tirol allerdings kürzlich zum Mutationsgebiet erklärt hat, ist es kompliziert geworden, die Familie zu sehen. „Ich bleibe im Moment lieber hier, weil das einfacher ist“, sagt Wehbe. Beim Wintersport mitten in den Alpen fühlt er sich inzwischen ohnehin wohl. Der ist in Tirol nämlich derzeit erlaubt.

Die Kommilitonen? Größtenteils unbekannt

Weniger Ausgleich zum Uni-Alltag hat Franziska Selter. Die 18-Jährige ist seit einem halben Jahr Studentin der Politikwissenschaft an der LMU in München. Auch die Tölzerin sieht ihre Kommilitonen wenig – seither exakt dreimal. Zwei Präsenztermine und ein spontan organisiertes Treffen gab es seit Studienbeginn, sonst finden sämtliche Vorlesungen im eigenen Zimmer vor dem Laptop statt. „Die Inhalte des Studiums kriege ich natürlich trotzdem mit, aber gerade das Zwischenmenschliche fehlt sehr“, sagt Selter. „Es ist etwas anderes, ob man über WhatsApp Nachrichten schreibt und bei Online-Terminen diskutiert oder ob man einen Gesprächspartner vor sich hat.“

Studium am Schreibtisch: Franziska Selter

Im vergangenen Frühsommer wurde Selter ihr Abschlusszeugnis mit der Traumnote 1,0 am Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium überreicht. Eigentlich wollte sie das Ergebnis auf einer Reise mit einer Freundin feiern. „Wir hatten dann aber Bedenken wegen der Corona-Pandemie“, erinnert sie sich. Die Reise wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. „Ich habe mich stattdessen darauf gefreut, Konzerte zu besuchen und auf Veranstaltungen zu gehen“, sagt sie. Auch dieser Wunsch nach dem Abitur blieb bislang ein frommer.

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