Geplante S-Bahn-Trasse nach Geretsried, Drohnen-Animation
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Hier kommt die S-Bahn: In einem 3D-Animation-Kurzfilm ist der Streckenverlauf zu sehen.

Betroffene Bürger kritisieren Mammutprojekt

S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried: „Die Kuckucksbahn“ als 3D-Animation

Der Wolfratshauser Heinz Wensauer hat einen Drohnen-Film über die geplante Trasse der S-Bahn-verlängerung nach Geretsried erstellen lassen. Er will betroffenen Anwohnern helfen.

Geretsried – Ein roter Strahl mit Funken sprühender Spitze frisst sich vom Wolfratshauser Bahnhof durch das Stadtgebiet, durchschneidet Wiesen und Felder in Gelting, fährt an einer Stelle mitten durch ein Haus und lässt an drei Stellen in Geretsried große, versiegelte Flächen links und rechts von sich entstehen, die künftigen Bahnhöfe. Eindrucksvoll, aber keineswegs reißerisch, wie er selbst findet, hat Heinz Wensauer die geplante S7-Bahntrasse als Film dargestellt.

Marinus Vogl vom Münchner Unternehmen „Air Bavarian“ hat die gut neun Kilometer lange Strecke wie berichtet im Auftrag des 78-jährigen Wolfratshausers mit einer Drohne gefilmt und das Material als 3D-Animation aufbereitet. Die Trassenführung hat Wensauer bei den beteiligten Städten, der Deutschen Bahn und dem Straßenbauamt in Weilheim, das für die Rampen und Brücken über die Straßen zuständig ist, in monatelanger Recherche erfragt. Das Ergebnis schauten sich am Sonntagvormittag etwa 20 vom Bau betroffene Bürger im Gasthof Geiger an.

170 Einwendungen sind eingegangen

Im Vorspann heißt es, die Bahn rechne mit fünf Jahren Bauzeit. Im Moment läuft das zweite Planfeststellungsverfahren, das notwendig geworden war, weil die Bahn auf Drängen Wolfratshausens die Gleise nun unter statt über die Sauerlacher Straße verlegen will. 170 Einwendungen und Stellungnahmen sind zur Tektur der Pläne eingegangen; auch von den im Geiger Versammelten haben sich die meisten schriftlich zu Wort gemeldet.

Das Verfahren soll laut Bahn 2022 abgeschlossen sein. Dann könnten (mindestens) fünf Jahre Großbaustelle folgen. „Fünf Jahre Verkehrschaos in Wolfratshausen, fünf Jahre Beeinträchtigung für unsere Wirtschaft“, schreibt Wensauer in einem Begleittext zum Film. Im Abspann nennt er das Mammutprojekt, dessen Kosten er eher bei 300 Millionen Euro als bei den zuletzt genannten 167 Millionen ansetzen würde, „Kuckucksbahn“.

Setzen sich zur Wehr: Etwa 20 vom Bau direkt Betroffene Bürger trafen sich im Gasthof Geiger.

Der Stadt Geretsried gehe es vor allem darum, rund um die Bahnhöfe Bauland ausweisen zu können und somit die städtische Entwicklung voranzutreiben, behauptet Wensauer. Der Gegenvorschlag des Wolfratshausers und der insgesamt etwa 30 direkt Betroffenen, die sich mit ihm zusammengeschlossen haben: ein „großzügiges“ Parkhaus in der Loisachstadt sowie verbesserte Busverbindungen zwischen Wolfratshausen und Geretsried.

„Es muss der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden, was hier an Natur zerstört wird“

Franz Fuchs, Gutsbesitzer in Schwaigwall

Die Gutsbesitzer von Schwaigwall, Franz Fuchs, und Buchberg, Annemarie Schönhuber, deren Wiesen, Felder und Baumalleen der Trasse teilweise zum Opfer fallen, waren zur Präsentation gekommen. „Es muss der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden, was hier an Natur zerstört wird“, sagte Fuchs. Aufgebrachte Landwirte sprachen von „Enteignung“, ein Anwohner von einer „rücksichtslosen Planung, die genau durch mein Wohnzimmer geht“. Alle beklagten, dass weder die Verantwortlichen in den Städten noch bei der Bahn mit ihnen im Vorfeld geredet hätten.

Angelika und Florian Neumann betreiben in zweiter Generation einen Aussiedlerhof mit Offenstall und Ferienwohnungen an der Buchberger Straße in Gelting. Rund zwei Hektar ihres Grunds sollen sie für den Gleisbau abtreten, sämtliche Pachtflächen würden diagonal durchschnitten, sodass eine Bewirtschaftung stark erschwert würde. Nur 50 Meter von den Ferienwohnungen entfernt würde die S7 vorbeifahren. Einen Anbau an einen Stadel habe ihm die Stadt wegen der S7-Pläne nicht bewilligt, berichtete Florian Neumann. Er ärgere sich über die Bahn, weil „alle, von den Vogelschützern angefangen, gefragt werden, nur wir Grundstücksbesitzer nicht“.

So wie das junge Landwirtsehepaar sieht sich auch Georg Goldhofer, der an der Geltinger Straße in Wolfratshausen einen Hausmeister-Service betreibt, in seiner beruflichen Existenz bedroht. Auf dem Grundstück ist sein Fuhrpark untergebracht. Die Zufahrt würde durch den von der Bahn geplanten Lärmschutzwall wegfallen.

Die von „Air Bavarian“ gedrehte Animation zeigt nach Meinung der Betroffenen noch zu wenig deutlich das ganze Ausmaß der S7-Verlängerung. Auch fehlen Details zu Rampen, Brücken und dem Endbahnhof auf Höhe der Richard-Wagner-Straße. Heinz Wensauer will deshalb weiter bei den zuständigen Behörden nachbohren und eine Überarbeitung des Kurzfilms in Auftrag geben. Die anwesenden Grundeigentümer signalisierten ihm, wie bisher gemeinsam für weitere Kosten aufzukommen. Die Endversion von „Die Kuckucksbahn“ soll ins Internet gestellt werden, damit alle sich ein Bild machen können und, so Wensauer, „aufgerüttelt werden, wie unsinnig das Millionenvorhaben in jeder Hinsicht ist“.

tal

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