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Die Banater Schwaben heute.

Tanz, Tracht, Tradition

Banater Schwaben feiern 30-jähriges Bestehen

Geretsried – Vor 30 Jahren haben sich 32 Banater Schwaben in Geretsried zusammengefunden, um eine Trachtengruppe zu gründen. Was mit zwölf Tanzpaaren begann, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt.

Um die Geschichte der Banater Schwaben ganz zu erzählen, muss man in der Zeit lange zurückgehen. Das Banat ist die Region am südöstlichen Rand der großen Pannonischen Tiefebene zwischen mittlerer Donau, unterer Theiß, Marosch und den Ausläufern der Südkarpaten. Ab 1716 siedelten sich dort Deutsche an. Sie kamen nicht nur aus Schwaben, sondern aus fast allen Teilen Deutschlands, Altösterreichs und Ungarns. Prinz Eugen warb sie an, damit sie die Wirtschaftskraft der Region stärkten und an der Südostgrenze des Habsburger Reichs stabile, politische Verhältnisse schufen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Banat unter Rumänien, Jugoslawien und Ungarn aufgeteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden rund 35 000 Banatdeutsche zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. In Wellen sind weitere von ihnen vertrieben worden oder flüchteten aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland. Heute leben kaum noch Deutsche im Banat. Bis 1997 ließen sich 580 Banatdeutsche in Geretsried nieder.

Die Banater Schwaben vor 30 Jahren.

Ein Großteil war zunächst im Durchgangslager für Spätaussiedler aus Südosteuropa in Stein untergebracht. Die Zuwanderer erhielten Unterstützung von der Südostdeutschen Landsmannschaft. Wie die anderen Landsmannschaften sehen es die Banater Schwaben als ihre Aufgabe, ihr kulturelles Erbe zu bewahren. „Wir haben deshalb vor 30 Jahren die Trachtengruppe unter dem Dach der Südostdeutschen Landsmannschaft gegründet“, sagt Stefan Rieder (69), seit dem Gründungsjahr Vorsitzender der Trachtengruppe der Banater Schwaben Geretsried.
 
Die Gründungsversammlung fand im Januar 1986 im Pfarrheim am Johannisplatz statt. Kurz darauf begannen die Mitglieder im Pfarrheim mit dem Einstudieren von Tänzen. Mit großem Einsatz engagierte sich von Anfang an das Ehepaar Elfriede und Reinhard Gerber mit Sohn Siegfried. Der „Tanz in den Mai“ am Abend vor dem 1. Mai wurde viele Jahre lang gepflegt, bis man sich später dem Maitanz der Egerländer Gmoi anschloss.

Schon bald erhielt die Gruppe mit ihren schönen Trachten – die Frauen in rosa und hellblau, die Männer in schwarz – Einladungen zu zahlreichen Veranstaltungen: zur Fahnenweihe der Brauchtumsgruppe Gelting, zum Schwabentreffen in Ulm, zum Traubenball der Südostdeutschen Landsmannschaft. Es bildete sich eine Kindergruppe mit neun Paaren, die sich aber wieder auflöste. Die Kinder marschieren heute beim Volksfesteinzug mit, manche wachsen in die Tanzgruppe hinein.

Die Stadt würdigte die Landsmannschaft im Jahr 2003, indem sie ihr eine eigene Straße widmete: die Banater Straße im Norden der Stadt. Nachdem sich die Banater Schwaben aus dem Dachverband der Südostdeutschen Landsmannschaft gelöst hatten, entschied sich die Trachtengruppe, eigene Wege zu gehen und einen eigenständigen Verein ins Leben zu rufen. Im November 2011 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. „Unsere Trachtengruppe pflegt bis heute gute Beziehungen zu den örtlichen Vereinen und Landsmannschaften“, sagt Rieder. Daraus sei ersichtlich, dass sie sich gut integriert und ihren Platz im öffentlichen Leben gefunden habe. Im 2013 eingeweihten Museum der Stadt wurde den Banater Schwaben zusammen mit den Deutschen aus Ungarn und Jugoslawien die Abteilung Donauschwaben gewidmet.

Der Verein zählt heute 126 Mitglieder, davon sind 43 aktiv. Die Geselligkeit besitzt einen hohen Stellenwert. So unternahm man bereits gemeinsame Reisen und Ausflüge, zum Beispiel nach Paris und Wien, an den Gardasee, nach Südtirol und zum Musical „Mamma Mia“.

Stefan Rieder, der aus Orzydorf im heutigen Rumänien stammt und seit 1980 in Geretsried lebt, hofft, dass sich irgendwann ein jüngerer Nachfolger als Vereinsvorsitzender findet. „Es ist schwierig, junge Leute für so ein Ehrenamt zu begeistern“, sagt er. Um die Zukunft des Vereins macht er sich aber keine Sorgen: „Es ist uns bis jetzt gelungen, unser mitgebrachtes Kulturgut zu erhalten und neues zu schaffen. Das wird sicher noch einige Jahre so bleiben.“

von Tanja Lühr

Der Festakt

Ihr 30-jähriges Bestehen feiert die Trachtengruppe der Banater Schwaben am Samstag, 30. April, von 14 bis 17 Uhr im Saal der Ratsstuben. Bei dem Festakt gibt es viele Reden, zudem werden Urkunden verliehen. Die Blaskapelle „Banater Dorfmusikanten“ sorgt für die musikalische Umrahmung.

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