Vom Collier bis zum Pelzmantel: Markus (li.) und Angelo Kwiek interessieren sich für die Schätze der Geretsrieder.
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Vom Collier bis zum Pelzmantel: Markus (li.) und Angelo Kwiek interessieren sich für die Schätze der Geretsrieder.

Brüder Kwiek betreiben Auktionshaus an der Sudetenstraße

Bares für Rares in Geretsried

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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Markus und Angelo Kwiek betreiben ein Auktionshaus. Aus diesem Grund interessieren sie sich für die Schätze der Geretsrieder.

Geretsried – Der braune, massive Holzschreibtisch ist mit einem Teppich bedeckt. Dahinter sitzt in einem hellen Polstersessel Markus Kwiek. Der Kaufmann mit persischen Wurzeln trägt Anzug und Krawatte. Vor ihm liegen griffbereit Smartphone und Taschenrechner. Neben der Goldwaage sind das wohl die wichtigsten Utensilien in seinem Metier. Der 26-Jährige betreibt zusammen mit seinem Bruder Angelo (33) seit ein paar Monaten ein Auktionshaus in Geretsried – neben Standorten in München-Giesing und Köln.

Der Raum an der Sudetenstraße 21 ist nicht sehr groß. Rein kommt man über den Hintereingang des Hauses. Auf dem Boden liegen Teppiche, mittendrin steht ein Billardtisch, auf dem sich die Ware häuft. Die Brüder interessieren sich für das, was sich gut wieder verkaufen lässt: Pelzmäntel, Bilder, Teppiche, Schmuck, Uhren und Gold – auch mit Zähnen. „Wir zahlen bis zu 60 Euro fürs Gramm“, sagt Markus Kwiek. Üblich seien um die 49 Euro. Warum er bereit ist, einen so hohen Goldpreis zu bezahlen? „Wir sind keine Metzger“, sagt der Einzelhandelskaufmann. „Wir schlachten das nicht aus.“ Einzig das Zahngold oder kaputte Schmuckstücke würden für Reparaturen benutzt.

Die Geretsrieder wollten vor allem ihre alten Pelzmäntel loswerden, sagt Kwiek. „Von den 1970er-Jahren bis in die 90er hatte jede Dame einen Pelzmantel.“ Heutzutage sei das nicht mehr vorstellbar. Der Unternehmer hat trotzdem dafür Abnehmer – und zwar in Russland. Für einen hochwertigen Pelzmantel aus Nerz können es schon mal 6000 Euro sein, die der Kaufmann bezahlt. „Je dunkler das Nerzfell ist, desto teurer“, erklärt Kwiek. Er sammelt die Ware und verschifft sie per Container ins ehemalige Zarenreich. Dort arbeiten Kürschner die Pelze um, meistens zu Westen. Aus weniger hochwertigen Fellmänteln „machen die Russen Kaminvorleger“.

Auch einen Koffer mit einem 64-teiligen vergoldeten Besteck der Marke Solingen brachte ihm eine ältere Geretsriederin vorbei – zusammen mit einer Kroko-Handtasche und Schmuck. Die stolze Summe von 3500 Euro bezahlte ihr der Händler nach eigenen Angaben. „Die Dame wollte den Betrag in bar. Weil sie zu Fuß da war, habe ich sie nach Hause gefahren“, erzählt der 26-Jährige.

Aber es gibt auch Dinge, die Kwiek nicht annimmt, zum Beispiel Musikinstrumente und 1,20 Meter hohe Kerzenständer. Auch einen Mantel aus Chinchilla-Fell lehnte er ab. „Das darf ich gar nicht ankaufen“, so der Münchner. Bei alten Bildern sagt der Händler hingegen nicht Nein. „Es kann das Bild sein, es kann aber auch der Rahmen sein, den ich interessant finde.“ Von einer Wand seines Auktionshauses lächelt eine rassige Schönheit in weißer Corsage. 50 Euro wollte die Verkäuferin haben. 700 Euro habe er der jungen Frau schließlich bezahlt. „Es stammt von einem österreichischen Maler“, meint Kwiek. „Ende Januar kommt ein Kunde und holt es ab.“ Wenn er keinen direkten Abnehmer ab, veräußert der Händler die Waren bei Versteigerungen.

Üblicherweise macht Kwiek mit seinen Kunden Termine im Auktionshaus aus. Dort würden die üblichen Corona-Regeln gelten. Er stattet Verkäufern aber auch Hausbesuche ab. Bezahlt wird laut Kwiek in bar. Oder per Überweisung, je nach Wunsch. Erst, wenn das Geld auf dem Konto des Kunden sei, wechsle auch die Ware den Besitzer, versichert der Kaufmann. In Geretsried will Kwiek bleiben. „Die Leute sind sehr nett, und ich sehe hier Potenzial.“

nej

Ankauf

Das M & A-Auktionshaus an der Sudetenstraße 21 öffnet am 8., 9 und 10. Dezember von 10 bis 18 Uhr wieder seine Pforten. Termine zur Begutachtung können unter Telefon 0 81 71/9 98 96 90 vereinbart werden.

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