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Die Hüllen sind gefallen: Der „Jüngling“ mit (v. li.) Bildhauer Marc-Andreas Hofmeister, Modell Engelbert Schönbach, Künstler-Tochter Ulrike Ebert und Wolfgang Selig, Geschäftsführer der Baugenossenschaft.

Blickfang an der Sudetenstraße

Neue Bronzeskulptur Am Stern enthüllt

Geretsried - An der Kreuzung Am Stern (Sudetenstraße/Breslauer Weg) grüßt eine bronzene Skulptur die Autofahrer. Sie stammt von Wilhelm Srb-Schloßbauer und zeigt einen Geretsrieder.

Engelbert Schönbach war zehn Jahre alt, als sein Nachbar, der berühmte Bildhauer Prof. Wilhelm Srb-Schloßbauer, ihn fragte, ob er ihm Modell stehen könne. Der Junge willigte ein. Immerhin winkten zwei Mark pro Stunde – viel Geld für den Sohn eines Schlossers aus dem Lerchenweg. Sein Engagement hielt er jedoch vor seinen Freunden geheim. „Es war mir ein bisschen peinlich. Immer wenn wir Verstecken spielten, nutzte ich die Gelegenheit, mich für zwei Stunden in Srb-Schloßbauers Atelier zu verziehen“, erzählt der heutige Rathausmitarbeiter und Vater dreier Kinder.

Sein Bildnis schmückt jetzt die Kreuzung Am Stern (Sudetenstraße/Breslauer Weg). Es heißt der „Jüngling“ und wurde am Dienstag feierlich enthüllt. Mit dabei waren Wolfgang Selig von der Baugenossenschaft Geretsried als Stifterin der Skulptur, die Tochter des Künstlers, Ulrike Ebert, sowie der Bildhauer Marc-Andreas Hofmeister, der das Original aus Gips in seiner Gießerei in Berg aus Bronze nachgebildet hat.

Der nur mit einem Streifen Stoff um die Lenden bekleidete Jüngling schaut mit stolzem Blick, ein Bein lässig angewinkelt, von einem Sockel auf die Straße. An die Mühen, die mit der Entstehung des Kunstwerks verbunden waren, erinnert sich Schönbach noch ganz genau. Srb-Schloßbauer, „ein sehr netter älterer Herr“, habe ihm immer einige Stücke Zartbitter-Blockschokolade geschenkt fürs Stillhalten. „Ich war zu höflich, um zu sagen, dass ich diese Schokolade hasste“, sagt das Modell und lacht. Geliebt habe er hingegen die Atmosphäre im Atelier – den Geruch von nassem Ton und die Geschichten, die der Bildhauer erzählte. Wilhelm Srb-Schloßbauer wurde 1890 in Karlsbad geboren und kam nach dem Zweiten Weltkrieg als Heimatvertriebener nach Geretsried, wo er 1972 starb. Von ihm stammt unter anderem die Skulptur „Die Wasserträgerinnen“ am Karl-Lederer-Platz. Das Original des „Jünglings“ vermachte er der Egerländer Gmoi, die freundlicherweise das Anfertigen der Kopie genehmigte. Bei der Gelegenheit wurde die Gipsfigur von Marc-Andreas Hofmeister gleich restauriert.

Vize-Bürgermeister Hans Hopfner bedankte sich bei allen Beteiligten für das neue Kunstwerk im öffentlichen Raum. Es werde sich hoffentlich ähnlicher Beliebtheit erfreuen wie der „Gorilla“ von Hans Kastler vor dem Baugenossenschaftszentrum (BGZ) am Karl-Lederer-Platz. Einen Scherz auf eigene Kosten konnte sich Schönbach am Ende nicht verkneifen. Die rund 100 Stunden unbeweglichen Stehens als Modell hätten ihn bestens auf die Disziplin des Beamten-Mikados vorbereitet: Wer sich zuerst rührt, hat verloren. „Ich bin immer der Gewinner“, sagt der Rathausmitarbeiter. Doch im Ernst: Er habe bei Srb-Schloßbauer Geduld und innere Ruhe erlangt. Das helfe ihm sehr in seinem Job. 

Tanja Lühr

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