Unwirtlich: Der Kangchendzönga (Bildmitte, wo die Wolken beginnen) ist der dritthöchste Berg der Erde. Frank Irnich will ihn im Mai besteigen. Es wäre nach dem Everest im Jahr 2011 sein zweiter Achttausender.

Drama am Kangchendzönga:

Bei Abstieg von dritthöchstem Berg - Geretsrieder erleidet gesundheitliche Probleme

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Es ist der dritthöchste Achttausender: Der Kangchendzönga zwischen Nepal und Indien. Frank Irnich aus Geretsried hat ihn bestiegen. Nun erlitt er gesundheitliche Probleme. 

Update vom 17. Mai:

Nach und nach wird deutlich, wie extrem belastend und gefährlich die Expedition auf den Kangchendzönga war. Nachdem die indischen Bergsteiger Biplab Baidya (48) und Kuntal Karar (46) beim Abstieg vom dritthöchsten Berg der Erde auf etwa 8.000 Metern Höhe an den Folgen von Unterkühlung und Erschöpfung gestorben waren, wurden am frühen Freitagmorgen zwei weitere Inder per Helikopter aus Lager zwei evakuiert.

Wie die Tageszeitung „Himalayan Times“ berichtet, habe der renommierte italienische Höhen-Rettungspilot Maurizio Folini die Alpinisten Ramesh Chandra Roy und Rudra Prasad Halder nach Kathmandu geflogen. Beide leiden an starken Erfrierungen und sollen schnellstmöglich im Grande International Hospital in der nepalesischen Hauptstadt behandelt werden. Ins Krankenhaus dürfte auch Frank Irnich zunächst gebracht werden. Der 57-jährige Physiotherapeut aus Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) hat ebenfalls große gesundheitliche Probleme. Laut Pasang Sherpa, Direktor der Expeditions-Agentur, leidet Irnich seit dem Abstieg vom Gipfel an Erschöpfung und Schneeblindheit.

Geretsrieder erreichte Gipfel - beim Abstieg erleidet er gesundheitliche Probleme 

Er hatte den Gipfel am Mittwoch erreicht. Sherpas begleiteten den Geretsrieder am Donnerstag zunächst ins Höhenlager drei, im Laufe des Freitags dann ins Camp zwei. „Von dort aus kann er evakuiert werden“, zitiert die „Himalayan Times“ Pasang Sherpa. In einer WhatsApp-Nachricht, die unsere Redaktion am Freitagmorgen erreichte, bestätigte ein Mitarbeiter von der Agentur diese Aussage. Allerdings muss Irnich noch warten: Freitagnachmittag ließ schlechtes Wetter keinen Hubschraubereinsatz mehr zu.

Vermutlich forderte die Expedition zum dritthöchsten Berg der Erde ein drittes Todesopfer: Rodrigo Vivanco wird immer noch vermisst. Zuletzt war der Chilene am Mittwochabend oberhalb von Lager vier gesichtet worden. Der bulgarische Höhenbergsteiger Atanas Skatov – er hatte am Mittwoch ebenfalls den Gipfel erreicht – bezeichnete Vivanco in seinem Web-Blog als „starken Alpinisten“. Die beiden Inder, die am „Kantsch“ starben, seien dagegen auf die Herausforderungen „überhaupt nicht vorbereitet gewesen“, so der 41-Jährige.

Update vom 16. Mai: Zwei Inder tot. Irnich total erschöpft auf dem Weg in Lager 2. Der Kangchendzönga gilt als einer der gefährlichsten Achttausender – was unter anderem an der Schlussetappe liegt: Rund 1100 Höhenmeter müssen Alpinisten vom obersten Lager vier bis zum 8586 hohen Gipfel des dritthöchsten Berges der Erde in einem Rutsch aufsteigen. Diese – nennen wir es ruhig – Tortur hatte Frank Irnich deshalb fast noch größeren Respekt abgenötigt als die allgegenwärtige Lawinen- und Steinschlaggefahr am „Kantsch“. „Wenn ich ehrlich bin, habe ich vor diesen 1100 Höhenmetern ein bisschen Bammel“, räumte der 57-Jährige vor seinem Aufbruch nach Indien ein. Der Geretsrieder Physiotherapeut wusste, wovon er spricht: Am Dienstag meldete Veranstalter Peak Promotion zwar, dass alle 23 Expeditionsteilnehmer, inklusive Irnich, plus den Sherpas den Gipfel erreicht hatten. Doch offenbar haben zwei Alpinisten diesen Erfolg mit dem Leben bezahlt. Atanas Skatov, bulgarischer Spitzen-Bergsteiger und Freund Irnichs, veröffentlichte am Donnerstag via Web-Blog folgende Zeilen: „Bedauerlicherweise sind zwei Inder aus Kalkutta auf dem Abstieg an Erschöpfung gestorben. Ein dritter ist verschollen.“ Skatov ist wohl der einzige der Gruppe, der nach seinem Gipfelerfolg in einem Zug sofort ins Basecamp abstieg. Seine Kameraden, auch Irnich, seien lediglich ins Lager vier zurückgekehrt. Wie es dem Geretsrieder geht, war zunächst unklar – bis Irnichs Bruder Rolf Donnerstagmittag eine E-Mail vom leitenden Sherpa der Agentur Peak Promotion erhielt. „Mein Bruder ist derzeit auf dem Weg ins Lager zwei“, berichtet der Kölner auf Anfrage. „Ein Team von Sherpas begleitet ihn. Er ist völlig erschöpft.“ 

Auch aus Skatovs Blog liest man heraus, wie ungemütlich es am „Kantsch“ werden kann: Der Bulgare hatte um 3.43 Uhr mitteleuropäischer Zeit den Gipfel erreicht. Um 11.48 Uhr war er zurück in Lager vier, um 17.26 Uhr in Lager eins auf rund 6200 Metern Höhe und um 20.26 Uhr im Basislager auf 5500 Meter. 15 Stunden habe der Angriff auf den Gipfel gedauert“, schreibt Skatov. Er spricht von einem „extrem schwierigen Gipfel“, sei nach dem langen Aufstieg sehr erschöpft gewesen und habe seine Füße nicht mehr gespürt. Deshalb beschloss er, alleine ins Basecamp zurückzugehen. Dort erfuhr der Bulgare vom Schicksal der Inder. Er vermutet, dass sie nicht ausreichend fit und trainiert waren. „Sie waren sehr ehrgeizig und eifrig“, so der 41-Jährige, „aber ohne intensive Vorbereitung geht es auf einer solch schwierigen Expedition nicht. Es tut mir leid um diese Leute.“

Update vom 15. Mai: Gipfelerfolg für  alle Teammitglieder 

Der Geretsrieder Physiotherapeut Frank Irnich und seine Kameraden haben es geschafft. Sämtliche Alpinisten der Peak-Promotion-Expedition standen am Dienstagmittag Ortszeit auf dem Gipfel des Kangchendzönga, dem mit 8586 Meter dritthöchsten Berg der Erde. 

Beste Bergfreunde: Frank Irnich (re.) und der bulgarische Spitzenalpinist Atanas Skatov, der erste Veganer auf dem Everest. Beide bestiegen nun den Kangchendzönga.

„Glückwunsch unserem Expeditionsteam und den Sherpas zur erfolgreichen Besteigung des Kangchendzönga. Alle sind mittlerweile auf dem Weg ins Basisllager“, vermeldete die Agentur Peak Promotion auf ihrer Webseite. Schon am Montag sollte der Gipfelsturm erfolgen. Doch starke Winde hatten die Alpinisten daran gehindert, die mit rund 1100 Höhenmetern enorm anstrengende Schlussetappe in Angriff zu nehmen.

Update vom 8. Mai: Gipfelsturm zwischen 11. und 14. Mai?

Kalt ist es geworden im Basislager unterhalb des 8586 Meter hohen Kangchendzönga, und die Expeditionszelte liegen unter einer dicken Schneedecke. Trotzdem laufen die Vorbereitungen auf den Gipfelsturm weiter. Die Sherpas der Agentur Peak Promotion seien dabei, die letzten Fixseile zu verlegen, berichtet Frank Irnich via Satellitentelefon, das ihm die indische Expeditionsgruppe zur Verfügung gestellt hat. „Wir versuchen zwischen dem 11. und dem 14. Mai auf den Gipfel zu kommen und rechnen mit 20 bis 30 Stunden Belastung.“ In zwei Rotationen kletterte der Physiotherapeut aus Geretsried vom 5500 Meter hoch gelegenen Basecamp ins Lager drei auf rund 7100 Metern Höhe und wieder hinab, um sich zu akklimatisieren. Irnich fühlt sich „mental und körperlich gesund und fit, meine Sauerstoffsättigung liegt bei 88 Prozent“ – ein ordentlicher Wert für diese Höhe. Zum Vergleich: Gesunde Menschen hierzulande haben eine Sättigung zwischen 90 und 99 Prozent. Seine gute Verfassung führt der 57-Jährige auch auf die hervorragende Organisation des nepalesischen Expeditionsveranstalters zurück: „Wir bekommen gutes Essen, es passt alles, eine tolle Firma.“ Eine Puja-Zeremonie, die ein buddhistischer Lama abhielt, soll die Götter gnädig stimmen. „Wir alle haben für unsere Gesundheit gebetet“, schreibt Irnichs Bergkamerad, der bulgarische Spitzen-Alpinist Atanas Skatov, in seinem Web-Blog. Himmlisches Wohlwollen kann nicht schaden: Die Route nach oben birgt Schwierigkeiten. Sie müssten „eine gefährliche Stelle passieren, an der ständig riesige Felsen fallen“, so der 41-Jährige. Dort sei „Vorsicht geboten“. Aber nicht nur dort: Lager zwei liege auf einem großen Gletscher knapp unter den Gipfeln des Kangchendzönga-Massivs. Hier gebe es „andere gefährliche Abschnitte wie Gletscherspalten, senkrechte Passagen und Eisfälle“. Immerhin: Auf dem Weg zum zweiten Höhenlager besteht laut Skatov zumindest derzeit keine Lawinengefahr.

Update vom 29. April: Leiden im Basecamp

Seit einigen Tagen hält sich die Kangchendzönga-Expedition von Peak Promotion im Basislager auf rund 5450 Meter Höhe auf. Auch Frank Irnich ist mittlerweile zu den Kollegen gestoßen. Der Physiotherapeut aus Geretsried war zwischenzeitlich zurückgeblieben, weil er „unter tierischen“ Kopfschmerzen litt. Irnich pendelte mehrere Tage zwischen 3800 und 4600 Metern, um sich zu erholen. Am vergangenen Dienstag flog er per Helikopter ins Basecamp nach. Dort haben sich er und seine Kameraden mittlerweile gut eingerichtet. „Die Organisation ist top, die Verpflegung ausgezeichnet“, berichtete der 57-Jährige am Freitag via Satellitentelefon. Er habe sich mit seinem Kumpel Atanas Skatov zunächst ein großes Zelt geteilt. Da der Bulgare aber gesundheitlich angeschlagen sei, bewohne jetzt jeder sein eigenes. Bleiben die Kopfschmerzen, die ihn vor allem nachts noch plagen. „In den vergangenen Tagen ist es sehr warm gewesen. Auch das könnte neben der Höhe ein Grund dafür sein“, sagte Irnich, der in Bad Heilbrunn lebt. An diesem Montag wollen er und Skatov einen Vorstoß ins Lager zwei auf etwa 6400 Meter Höhe wagen und dort übernachten – was die anderen Alpinisten, die früher im Basecamp waren, bereits getan haben. Voraussetzung ist aber, dass beide sich gut fühlen. „Ich werde auf mich aufpassen und vernünftig sein“, versprach Irnich. Skatov hatte es noch schlimmer erwischt. Eine Nebenhöhlenentzündung setzte ihn matt. Der 41-Jährige musste Antibiotika schlucken und in ein Dorf auf 3870 Meter Höhe absteigen. Dort ruhte er sich vier Tage lang aus. Am vergangenen Dienstag kehrte er ins Basecamp zurück. Obwohl er noch nicht vollständig fit ist, und ihn derzeit in der sehr trockenen Luft hartnäckiger Husten plagt, „muss ich mich unbedingt an die Höhe gewöhnen“, schreibt Skatov in seinem Web-Blog. Die Expedition, so Bulgariens bester und erfolgreichster Höhenbergsteiger weiter, sei „definitiv sehr schwierig“ und nicht vergleichbar mit denen zum 8848 Meter hohen Mount Everest und zu anderen Achttausendern. Für den erfahrenen Skatov war es aufgrund der vielen Widrigkeiten bislang „der aufregendste, längste und härteste Weg zu einem Basislager“. Um den 10. Mai herum wollen die Alpinisten auf dem „Kantsch“ stehen. Skatov: „Aber nur der Berg wird entscheiden, ob und wann wir hinaufgehen und ob wir am Leben und gesund sind.“

Update vom 23. April: Auf dem Weg ins Basislager

Schritt für Schritt nähern sich die Mitglieder der Kangchendzönga-Expedition 2019 dem Basislager auf knapp 5200 Metern Höhe – und schön langsam wird es ungemütlich. Schnee, Regen und Kälte begleiten die 25 Alpinisten zeitweise auf ihrem Weg. Mit Folgen: Anfang der Woche kränkelte Dr. Atanas Skatov ein wenig – eine Erkältung, wie er schrieb. Der Bulgare, der zusammen mit Frank Irnich aus Geretsried den Achttausender besteigen möchte, hat ein Satellitentelefon im Rucksack und füttert seinen Internet-Blog regelmäßig. Infos gelangen derzeit nur über ihn an die Außenwelt. Aktuelle Fotos kann allerdings auch er nur senden, wenn ihm in einem Dorf oder Camp Sonnenkollektoren zur Verfügung stehen. Irnich meldete sich via Satelliten-Verbindung am Sonntag vor einer Woche kurz bei einer Freundin in Deutschland. Es gehe ihm gut, er fühle sich fit und gesund, gab der Physiotherapeut durch. Das hat sich mittlerweile geändert: Skatov notierte in sein Web-Tagebuch, dass sein Freund – beide kennen sich von der Everest-Lhotse-Expedition 2017 – ein wenig unter der Höhe zu leiden hat. „Leider hatte Frank in der Nacht von Montag auf Dienstag starke Kopfschmerzen. Heute Früh ist er deshalb vom etwa 4500 Meter hoch gelegenen Camp Ramche nach Teram abgestiegen.“ Dort wolle sich der 57-Jährige erholen. Skatov hofft, dass es seinem Kumpel bald wieder gut geht und er nachkommt. Derweil stand für die anderen Bergsteiger die nächste Etappe zum Basislager an. Skatov rechnete mit etwa acht Stunden Gehzeit. Alle würden ein bisschen unter Kopfschmerzen leiden, „aber das ist normal in dieser Höhe“. Deshalb werde sich die Gruppe auch nur langsam vorwärts bewegen. Von Ramche aus sahen die Alpinisten übrigens erstmals das gesamte Kangchendzönga-Massiv, darunter den Hauptgipfel mit seinen 8586 Metern.

Update vom 15. April: Auf dem Weg ins Basislager

Selbst der modernsten Technik setzen die majestätischen Riesen des Himalaja Grenzen. Seit einer knappen Woche fahren und trekken Frank Irnich und seine Kameraden in Richtung Kangchendzönga, den sie im Mai besteigen wollen (wir berichteten). Und mit jedem Tag wird es schwieriger, Kontakt zur Heimat zu halten. Die Mobilfunkkarte, die der 57-Jährige speziell für die abgelegene Region gekauft hat, funktioniert nicht. Immerhin: Dank seines Spezls, des bulgarischen Spitzenbergsteigers Dr. Atanas Skatov, konnte der 57-Jährige in einem von Rauschen, Pfeifen und Krächzen begleitetem kurzen Gespräch via Satellitentelefon berichten, dass bisher alles nach Plan laufe. „Mir geht es gut, und wir haben sehr viel Spaß miteinander auf dem Weg zum Kantsch. Die Truppe ist wirklich sehr gut“, bekräftigte der Physiotherapeut aus Geretsried. In knapp einer Woche will die 25-köpfige Expedition der nepalesischen Agentur Peak Promotion das Basislager des mit 8586 Metern dritthöchsten Bergs der Erde erreicht haben. Dienstag vor einer Woche erreichte der Tross das 2200 Meter hoch gelegene Sherpa Village, in dem ein Ruhetag auf die Alpinisten wartete. „Leider liegt der Ort für eine Akklimatisierung zu niedrig“, schrieb Skatov in seinem Blog. Egal – den freien Tag verbrachten die Bergsteiger bei Sonnenschein unter anderem mit Yoga, Seilspringen und Akrobatikübungen. Skatov – Besteiger von acht Achttausendern und der erste völlig vegan lebende Mensch, der auf dem Everest stand – hatte am Nachmittag dann noch anderweitig zu tun: Er schrieb Texte und bearbeitete Fotos, um damit seinen Blog auf seiner Web-Seite zu füttern. Auch der Bulgare war allerbester Laune: „Jeder hier fühlt sich gut, wir genießen das gute Wetter und eine herrliche Aussicht. Morgen geht es dann weiter zum nächsten Lager“, notierte der Bulgare. Der 41-Jährige möchte den Kangchendzönga übrigens ohne Hilfe von Sauerstoffflaschen erklimmen

Update vom 7. April: Frank Irnich in Kathmandu angekommen

Seit Freitag ist Frank Irnich in Kathmandu, Ausgangspunkt einer 25-köpfigen Expedition von Peak Promotion zum Kangchendzönga, der sich der Geretsrieder Physiotherapeut aus angeschlossen hat. Nach seinem ersten Eindruck stehen die Chancen nicht schlecht, im Mai auf dem dritthöchsten Berg der Erde zu stehen. „Die Männer von Peak Promotion, die mich vom Flughafen abgeholt haben, Pasang und Babu Sherpa, sind sehr nett, wirken professionell und fokussiert.“ Sicherheit, so hätten sie ihm versichert, stünden bei dieser Expedition „an erster Stelle“.

Der 8586 Meter hohe Berg hat es in sich. Erst 277 ausländische Alpinisten und 100 einheimische Sherpas erreichten den Gipfel des als gefährlich geltenden Kantsch. In den Jahren 2015, 16, und 17 war niemand oben, 2018 schafften es 18 Bergsteiger, darunter Ang Dano Sherpa. Er und er 57-jährige Irnich werden ein Team bilden. Die Daten stammen von „The Himalayan Database“. Die Organisation dokumentiert alle Himalaya-Expeditionen samt Gipfelerfolge und Todesfälle. Chefin ist Billi Bierling. Die Höhenbergsteigerin aus Garmisch stand bereits auf dem Everest, dem Lhotse, dem Makalu und jeweils ohne Flaschen-Sauerstoff auf dem Manaslu und dem Cho Oyu. „Wir haben Billi getroffen“, sagt Irnich. „Sie hat uns bestätigt, dass die letzten 1100 Höhenmeter sehr heftig sind.“ Der Berg sei definitiv schwerer als der Everest.

Unwirtlich: Der Kangchendzönga (Bildmitte, wo die Wolken beginnen) ist der dritthöchste Berg der Erde. Frank Irnich will ihn im Mai besteigen. Es wäre nach dem Everest im Jahr 2011 sein zweiter Achttausender.

Vor der Abreise: Bericht vom 3. April 2019:

Geretsried/Bad Heilbrunn– Der Kangchendzönga ist der dritthöchste und östlichste aller Achttausender. 8586 Meter ragt der Berg, über dessen Gipfel die Grenze zwischen Nepal und Indien führt, in den Himmel. Übersetzen lässt sich der etwas sperrige Name übrigens mit „Die fünf Schatzkammern des Schnees“ – und das deutet an, was den „Kantsch“, wie ihn die Alpinisten nennen, zu einem gefährlichen und deshalb eher gemiedenen Berg macht: Ihn trifft der Monsun als ersten aller Himalaja-Riesen. Die Folge sind massive Niederschläge. Schnee- und Eislawinen beherrschen den Normalweg über die Südostseite, eine 3000 Meter hohe Flanke. „Jeder Fünfte, der den Kantsch versucht, bleibt oben“, sagt Frank Irnich. Der 57-Jährige will natürlich zu den statistisch anderen vier Alpinisten gehören, die nach – hoffentlich – erfolgreicher Besteigung gesund ins Basislager zurückkehren. An diesem Mittwoch fliegt der Physiotherapeut aus Geretsried nach Kathmandu. Mitte Mai könnte der Gipfelsturm erfolgen.

2011 stand Irnich auf dem Mount Everest, an dem er ein Jahr zuvor noch gescheitert war. 2015 er- und überlebte er das Erdbeben im Basislager. Vor zwei Jahren zwang ihn beim Versuch einer Doppelbesteigung von Everest und Lhotse eine Lungenentzündung in die Knie. Ein wenig gefrustet wollte sich der 57-Jährige danach von den Achttausendern ab- und den Bergen Südamerikas zuwenden. Ein Kamerad kam ihm jedoch in der Quere: Dr. Atanas Skatov. Er gilt als bester bulgarischer Höhenbergsteiger, hat fünf Achttausender erklommen, darunter ohne künstlichen Sauerstoff den Cho Oyu. Der Kantsch soll sein nächster sein. Um Weihnachten erzählte Skatov seinem Kumpel Irnich – beide kennen sich vom Everest –, dass die Agentur Peak Promotion eine Expedition plane, um einem ihrer Sherpas den 14. Achttausender zu ermöglichen. „Die haben alles getan, damit überhaupt eine Expedition zustande kommt“, sagt Irnich. Das gilt auch für den Preis: Der sank bei 25 Teilnehmern von rund 20.000 auf 15.000 Euro.“ Viel wichtiger ist dem 57-Jährigen aber die hohe Motivation der Agentur: „Die möchten ihren Mann unbedingt dort hochbringen und organisieren eine perfekte Expedition.“

Auch Irnich selbst brennt. Nach einer privaten Krise im vergangenen Jahr sieht er den Kantsch als eine Möglichkeit, „zu reflektieren, zu mir finden und mich außerdem sportlich zu betätigen“, sagt er. Natürlich habe er in sich hineingehört und die Frage gestellt, „ob ich vor etwas davonlaufe. Aber das ist es nicht.“ Nachdem er Hans Kammerlanders Film „Manaslu“ in Penzberg gesehen hatte, „habe ich gemerkt, welch große Lust ich auf dieses Abenteuer habe“. Im Gepäck wird er gute Bücher haben, „die mir weiterhelfen werden“. Zudem möchte er „viel meditieren“.

Gut vorbereitet und „topfit“ fühlt sich Irnich. Der Medizin-Check lieferte hervorragende Werte, der Arzt bestätigte dem 57-Jährigen die Fitness eines 40-Jährigen. Überdies spielte der schneereiche Winter seinem Training in die Karten: 15 bis 20 Stunden die Woche war Irnich in den Isarwinkler und Tegernseer Bergen unterwegs. „Ich habe viele fordernde Touren mit Rucksack im hohen Schnee unternommen. Ich weiß auch mental, was auf mich zukommen kann.“

Eins aber nötigt dem 57-Jährigen doch Respekt ab: „Das oberste Camp am Kangchendzönga befindet sich auf rund 7500 Metern Höhe.“ Das bedeutet, der Gipfelsturm nach der letzten Übernachtung am Berg „geht über knapp 1100 Höhenmeter“ – doppelt so viele wie am Everest. Der Kantsch ist eine ordentliche Kante – und für Frank Irnich „eine große Herausforderung“.

peb

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