Aufgrund der Corona-Pandemie müssen die Seniorenweihnachtsfeiern ausfallen.
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Heuer leider nicht: Aufgrund der Corona-Pandemie müssen die Seniorenweihnachtsfeiern ausfallen.

Wie geht‘s?

Bei Seniorenreferentin Dr. Sabine Gus-Mayer glühten die Telefondrähte

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. Heute: Dr. Sabine Gus-Mayer. Sie ist Seniorenreferentin in Geretsried.

Geretsried – Normalerweise wäre Dr. Sabine Gus-Mayer jetzt gemeinsam mit der Verwaltung mit der Vorbereitung für die beiden Seniorenweihnachtsfeiern der Stadt beschäftigt. Aber aufgrund der Corona-Pandemie müssen auch diese Veranstaltungen ausfallen. Dass sie nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, trifft die ältere Bevölkerung ganz besonders – aber auch die 58-jährige Seniorenreferentin.

Frau Dr. Gus-Mayer, wie geht’s?

Gus-Mayer: Mir persönlich geht’s gut. Aber das normale gesellschaftliche Leben vermisse ich schon. Und mir fehlt der Kontakt zu den Senioren, die ich bei meinen Terminen kennenlerne. Normalerweise bin ich zirka 80 Mal im Auftrag der Stadt unterwegs. Ich gratuliere Ehepaaren zu besonderen Hochzeitsjubiläen, dazu kommen die Geburtstage von Senioren im Alter 90plus.

Dr. Sabine Gus-Mayer ist seit 2008 Seniorenreferentin.

Puh, da kommen Sie ja ganz schön rum.

Gus-Mayer: Normalerweise ja. Aber in diesem Jahr haben wir diese Besuche Anfang März, als die Corona-Infektionszahlen stark angestiegen sind, eingestellt. Auch die Seniorentagesstätte hat nicht mehr geöffnet, und meine Sprechstunde für Senioren muss ebenfalls pausieren.

Gesprächsbedarf gibt es sicherlich trotzdem. Verlagert sich viel aufs Telefon?

Gus-Mayer: Zunächst habe die Sprechstunde tatsächlich telefonisch angeboten. Aber da stößt man relativ schnell an seine Grenzen, beispielsweise, wenn es um das Ausfüllen von Anträgen geht. Ohne die Hilfe eines Familienangehörigen mit Computer ist das fast nicht zu machen. Im Juni habe ich deshalb wieder angefangen, eine Präsenzstunde im Quartierstreff in Stein einzuführen, natürlich mit Hygienekonzept. Zusätzlich stehe ich den Menschen jeden Montagvormittag telefonisch zur Verfügung. Ich habe nun vor, die Sprechstunde, die vorher im Rathaus stattfand, in die Seniorentagesstätte zu verlegen. Aber dafür gibt es noch keinen genauen Termin.

Die Seniorenweihnacht ist eigentlich auch ein fester Bestandteil Ihres Kalender.

Gus-Mayer: Die Verwaltung geht sehr verantwortungsvoll mit der Corona-Situation um. Wir haben uns viele Gedanken um eine Alternative gemacht, beispielsweise die Adventsfeiern auf mehrere Termine aufzuteilen. Aber im Moment das ist einfach unmöglich, die Kontaktbeschränkungen geben das nicht her.

Möglich war es Ihnen hingegen, mit Ihrem Verein Seniorenfreizeit Isar-Loisach drei Ausflugsfahrten anzubieten. Da war die Freude bestimmt groß.

Gus-Mayer: Oh ja. Da muss man aber auch sagen: Wir haben einfach Glück gehabt, dass wir im August, September und Oktober eine Tagesfahrt mit dem Bus machen konnten. Wir haben dafür extra ein Hygiene- und Abstandskonzept erstellt. Es war schon ein Spagat zwischen dem Schutz der Senioren und ihrem Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe. Denn Senioren auszugrenzen, um sie zu schützen, halte ich für sehr unglücklich.

Wie erleben Senioren die Corona-Pandemie?

Gus-Mayer: Während des Lockdowns und den äußerst strikten Kontaktbeschränkungen im März dieses Jahres habe ich versucht, mit 50 bis 60 Senioren telefonisch Kontakt zu halten. Ein Teil war völlig verunsichert, ein Teil war gut versorgt und ging sehr souverän mit der Situation um. Oft habe ich den Satz gehört „Wir haben einen Weltkrieg überstanden, dann überstehen wir auch Corona“, auch wenn das natürlich zwei Paar Stiefel sind. Das lässt sich nicht miteinander vergleichen.

Gab es aus Ihrer Sicht auch einen Lichtblick in dieser Zeit?

Gus-Mayer: Eine tolle Sache war der „Sommer dahoam“. Das war echt super, dass es eine Alternative zum Waldsommer gegeben hat. Ich selbst war mehrmals dort, auch mit kleinen Seniorengruppen. Es war nicht so überfüllt wie in einem Bierzelt, man hat viel Platz gehabt, das haben die Senioren sehr genossen. Auch die Konzertreihe Isar-sommer war ein Highlight.

Das Jahr 2021 steht vor der Tür. Wie blicken Sie in die Zukunft?

Gus-Mayer: Vorsichtig optimistisch. Ein paar Ideen habe ich in der Schublade. Wenn die Infektionszahlen sinken und es vertretbar ist, können wir im Frühsommer zum Beispiel wieder ein Ausflugsprogramm anbieten. Ich würde es mir sehr wünschen. Und viele Senioren in Geretsried auch.

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In der Reihe

„Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

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