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Höhepunkt für Groß und Klein: Der dreimalige Umritt durch Gelting.

Unterwegs auf Max und Moritz

So war der Geltinger Silvesterritt 2015

Gelting - 111 Pferde und zwei Esel erhielten beim traditionellen Silvesterritt in Gelting von Kaplan Simon Tyrolt den Segen.

Aus dem ganzen Landkreis, aus den Nachbarlandkreisen und sogar aus dem Allgäu waren die Reiter mit ihren Rössern nach Gelting angereist. „Wir kommen jedes Jahr hierher, weil ich ursprünglich aus Gelting stamme“, sagte Beate Berchtold, während sie mit ihrem Mann Georg und ihren beiden Töchtern, den Reiterinnen Kathrin (7) und Sophie (9), am Silvestertag auf den Beginn des Umritts wartete.

Die Familie wohnt inzwischen in Pähl bei Weilheim, wo die Eltern Haflinger züchten. Mitgebracht hatten die Berchtolds die beiden trächtigen Stuten „Osuna“ und „Obama“. Sie werden im April ihre Fohlen bekommen. Den Segen des Viehheiligen Silvester können sie also doppelt gut brauchen.

Der jüngste Teilnehmer war acht Monate alt

Einer der jüngsten Teilnehmer unter den Tieren dürfte der acht Monate alte Hengst „Jumper“ gewesen sein. Seine Besitzerin Isabella Wiltsch aus Gelting führte den nervösen Braunen souverän durch die Menge. „Er soll sich an den Trubel gewöhnen“, erklärte ihr Freund Tobias Ehgartner. Deutlich gelassener wirkten da die acht Ponys von Susi Steiners Pferdehof mit ihren kleinen Reiterinnen auf dem Rücken. Die Shetland- und Fjordponys waren heuer bereits zum zehnten Mal mit von der Partie.

Dreimal umrundete der Tross die Kirche St. Benedikt. Hinter einem bei der Schmiede aufgebauten Altar stand Kaplan Simon Tyrolt. Beim ersten Durchgang besprühte er die Pferde mit Weihwasser, beim zweiten schwenkte er den Weihrauchkessel und beim dritten hielt er ein Kreuz in die Höhe. Dazu spielte die Blaskapelle Deining. Als Ehrengäste nahmen heuer Bürgermeister Michael Müller und Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl teil. Müller hatte sich die zierliche „Juli“ als Reittier ausgesucht. „Geübt hab’ ich vorher nicht“, sagte der Rathauschef. Die beiden gaben ein schönes Paar ab – sie mit Blumen in Mähne und Schweif, er mit der goldenen Amtskette um den Hals. Müller folgten Stadtrat Franz Wirtensohn sowie Meinl auf zwei imposanten grauschwarzen Belgischen Kaltblütern namens Max und Moritz.

Der Umritt geht auf eine alte Tradition zurück

Der Umritt endete mit einem gemeinsamen Vater-Unser-Gebet. Zum Ausklang ließen sich die Reiter im Kindergartensaal Weißwürste und Wiener schmecken. Zuerst aber erhielten die braven Rösser einen Apfel oder eine Karotte als Belohnung. Silvester, der Namensgeber des letzten Tags im Jahr und des Geltinger Ritts, wurde im Jahr 314 zum Papst gewählt. Die Kirche erlebte unter seiner Amtszeit eine Epoche des Friedens und des Aufblühens, denn ein 313 vom weströmischen Kaiser Konstantin I. und dem oströmischen Herrscher Licinius erlassenes Toleranzedikt bedeutete das Ende der Christenverfolgung. Silvester ist zudem Schutzpatron für das Vieh. Der Geltinger Ritt entstand durch ein Gelöbnis nach einer schrecklichen Rinder- und Pferdeseuche um das Jahr 1630.

Lesen Sie auch: So bereitete sich Markus Wirtensohn auf den Geltinger Silvesterritt vor.

von Tanja Lühr

Bilder vom Geltinger Silvesterritt 2015

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