Gemeinschaftsleben und individuelle Förderung werden in der Betreuungsgruppe Lichtblicke für an Demenz erkrankte Menschen großgeschrieben.
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„Es ist wie eine Zweitfamilie“: Gemeinschaftsleben und individuelle Förderung werden in der Betreuungsgruppe Lichtblicke für an Demenz erkrankte Menschen großgeschrieben.

Verein feiert sein zehnjähriges Bestehen

Betreuungsgruppe für an Demenz Erkrankte: Ein Lichtblick – auch in Corona-Zeiten

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Die Betreuungsgruppe Lichtblicke kümmert sich um an Demenz erkrankte Menschen. In diesem Jahr feiert die Gruppe ihr zehnjähriges Bestehen. Sie ist aus dem Leben vieler Betroffener nicht mehr wegzudenken.

Geretsried – Fröhliches Lachen klingt aus dem Gruppenraum neben der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde an der Jeschkenstraße. Drei Senioren und zwei Betreuer sitzen um einen liebevoll gedeckten Tisch. An jedem Platz steht ein Namensschildchen, Kaffeeduft zieht durch den Raum, der Kuchen auf jedem Teller lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. „Wegen Corona mussten wir kleinere Gruppen bilden“, sagt Sylvia Kardell (55), Vorsitzende und Gründerin der Betreuungsgruppe Lichtblicke und stellt ihre Tasche ab. Eine herzliche Begrüßung folgt, Scherze werden gemacht. „Genau das ist uns wichtig“, betont die 55-Jährige. „Die Fröhlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil, damit sich jeder wohlfühlt.“

Die speziell geschulten ehrenamtlichen Mitarbeiter versuchen bei den Treffen, die vorhandenen Fähigkeiten ihrer Besucher so lange es geht zu fördern und zu erhalten. Sie trinken gemeinsam Kaffee, singen, machen zusammen Bewegungsspiele, basteln und lösen Rätsel. Sogar größere Jahresausflüge standen bis dato auf dem Programm. „Wir haben hier viele Rituale in den Abläufen“, berichtet Kardell. „Rituale geben Sicherheit.“

Sylvia Kardell rief die Gruppe ins Leben.

Doch nicht nur Menschen mit kognitiven Einschränkungen sind willkommen, sondern auch deren Angehörige. „Gerade bei den ersten Besuchen legen wir Wert darauf, dass sie dabei sind.“ Hintergrund dafür sei, dass man so Transparenz ins Geschehen bringe und auch bei Erkrankten dem Eindruck „Du lässt mich alleine, schiebst mich ab“ entgegenwirke. Viele der Angehörigen sind laut Kardell so begeistert, dass sie nicht nur gerne vorbeischauen, sondern sich beispielsweise mit Kuchen Backen einbringen. Kardell lacht. „Also haben wir parallel zur Betreuungsgruppe 2011 eine Angehörigengruppe gegründet, die sich monatlich trifft.“ Seit vergangenem Jahr kooperiert diese mit der Alzheimer Gesellschaft Isar-Loisachtal.

Und was ist, wenn der Demente nicht mehr in die Gruppe gehen kann oder gar verstorben ist? Auch dann wird keiner alleine gelassen. In einer weiteren Gruppe, sozusagen der „Ehemaligen“, bleiben Freundschaften und der Kontakt zueinander erhalten. Man kann sich austauschen oder auch miteinander trauern. „Alle sehen sich als Weggefährten, die genau das Gleiche mitgemacht und erlebt haben. Es ist wie eine Zweitfamilie.“

Dass sich die Betreuungsgruppe Lichtblicke einmal so entwickeln würde, dass hätte Kardell, die gelernte Krankenschwester ist, vor zehn Jahren selbst nicht gedacht. Sie hatte damals gerade eine der ersten angebotenen Helferschulungen im Landkreis absolviert. „Dann hieß es, wer kann sich einbringen?“ Die Geretsriederin hob den Finger. Als alle Voraussetzungen – Räume, die Möglichkeit mit der Krankenkasse abzurechnen, Vereinsgründung – abgeklärt waren, nahm die Betreuungsgruppe ihre Arbeit auf. Aus einer wurden schnell vier Gruppen, die sich in Wolfratshausen und Geretsried trafen. Auch Betreuer und Helfer zu finden, war kein Problem. „Wir können einen Betreuungsschlüssel von 1:2 anbieten“, sagt die Vorsitzende.

Wie wohl sich die Erkrankten fühlen, brachte eine Besucherin einmal bei einem Treffen zum Ausdruck. „Ich komme so gerne zu Euch, weil wir hier alle gleich sind“, sagte sie. Kardell abschließend: „Und genauso soll es sein.“

sh

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