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Trotz 80.000 Euro Schaden

Betrüger bekommt eine zweite Chance

Geretsried/Wolfratshausen – Der Schaden lag bei rund 80 000 Euro: Das Landgericht setzt eine zweijährige Gefängnisstrafe dennoch zur Bewährung aus.

Wegen verschiedener Betrügereien wurde ein 63-jähriger Unternehmer vom Amtsgericht Wolfratshausen zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Richter Helmut Berger sah für eine Haftverschonung „weder eine günstige Sozialprognose noch besondere Umstände“. Das hat sich offenbar geändert: In der Berufungsverhandlung wandelten die Richter am Landgericht München II das Urteil der ersten Instanz in eine Bewährungsstrafe um.

In der Zeit zwischen November 2012 und April 2014 hatte der Installateurmeister, der in Geretsried einen Handel mit Solaranlagen betrieb, mit unterschiedlichen Betrugshandlungen in fünf Fällen einen Gesamtschaden von rund 80 000 Euro verursacht (wir berichteten). Die Bezahlung für ein Vorzelt und einen Carport auf dem Campingplatz blieb er ebenso schuldig wie eine Malerrechnung für die Renovierung seiner Büroräume. Besonders gravierend waren zwei Geschäfte mit Fotovoltaikanlagen: Der heute in München lebende Geschäftsmann kassierte zwar das Geld, lieferte die Ware aber nicht aus.

Der Angeklagte hatte vor dem Amtsgericht nicht versucht, sich herauszureden. „Ich habe mich ohne Zweifel schuldig gemacht“, erklärte er in der Verhandlung Ende September vorigen Jahres. „Das hätte ich nicht machen dürfen. Da gibt es nichts zu beschönigen.“ Das Gericht ging davon aus, das der 63-Jährige bei allen ihm zur Last gelegten Betrugshandlungen „absolut zahlungsunfähig“ gewesen war und dies hätte wissen müssen. Weil er keinerlei Schadenswiedergutmachung anbieten konnte und zudem zuvor bereits zweimal in den Genuss einer Bewährung gekommen war, war die Vollzugsstrafe die logische Konsequenz.

Inzwischen hat sich die Perspektive des 63-Jährigen geändert. Der gelernte Meister für Anlagenbau ist als Servicebeauftragter eines Versorgungsbetriebs in seinem erlernten Beruf tätig, hält berufsbezogene Seminare ab und übt auch ehrenamtliche Tätigkeiten aus. „Er arbeitet und lebt wieder in geordneten Verhältnissen und kann anfangen, seine Schulden zurückzuzahlen“, erläuterte Verteidiger Holger Hesterberg.

Der Rechtsanwalt plädierte deshalb dafür, die Strafe doch zur Bewährung auszusetzen. „Wenn man ihn jetzt wegsperrt, landet er nach der Haft unweigerlich in Hartz IV. Mit dann über 65 Jahren hat er keine Chance mehr, nochmal einen Beruf auszuüben.“ Außerdem würden seinem Mandanten beim Strafvollzug alle Einnahmen wegfallen, was auch nicht im Sinne der Geschädigten sein könne: „Dann verlieren alle.“

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte erneut eine Vollzugsstrafe, weil „alle Taten gleichgelagert waren und erheblichen Schaden angerichtet wurde“. Das Gericht folgte dem Antrag der Verteidigung. Für den Angeklagten spreche, dass er „sich beruflich gefangen und offensichtlich voll und ganz etabliert“ habe. Außerdem verdiene er nun als Angestellter „gutes Geld“. Sein Einkommen muss der Verurteilte dem Gericht künftig alle sechs Monate nachweisen. Die Bewährungszeit wurde auf fünf Jahre festgesetzt.

von Rudi Stallein

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