Auf einer Tastatur ist ein Auto-Symbol zu sehen (Symbolbild)
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Ein Optimierungstool für Kraftfahrzeuge verkaufte ein Geretsrieder über das Internet. Ein Detail brachte ihm dabei Ärger ein. (Symbolbild)

AMTSGERICHT

„Das ist blöd gelaufen“: Betrug trotz laufender Bewährung

  • vonRudi Stallein
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Eine falsche Angabe brachte ihm Ärger ein: Ein Geretsrieder verkaufte online ein Software-Optimierungstool für Kraftfahrzeuge. Dabei wurde er zum Betrüger - erneut.

Wolfratshausen/Geretsried – Zwei Worte zu viel in einer Kleinanzeige bescherten einem Geretsrieder (27) ein Betrugsverfahren. „Mit Masterfreigabe“, so hatte der Fahrzeugmechaniker Ende September 2019 in einem Online-Kleinanzeigenmarkt ein Software-Optimierungstool für Kraftfahrzeuge angeboten. Dies war jedoch nicht der Fall. Ohne diese Freigabe – die Kosten dafür hätten sich auf rund 500 Euro belaufen – muss der Käufer eine Benutzungsgebühr zahlen, und zwar für jeden Vorgang extra.

Zwar habe er zwischenzeitig angeboten, das Gerät zurückzukaufen, beziehungsweise die Masterfreigabe nachträglich zu besorgen. Dies scheiterte jedoch an finanziellen Problemen des Angeklagten.

„Das ist blöd gelaufen“, erklärte der Beschuldigte. „Es ist sogar saublöd“, bekräftigt der Richter, denn der vorbestrafte 27-Jährige war erst drei Monate zuvor vom Amtsgericht München zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Die Strafe war seinerzeit für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden.

Deshalb beantragte der Anklagevertreter nun, den Mann zu einer weiteren Haftstrafe von einem Jahr zu verurteilen, diese aber nicht mehr zur Bewährung auszusetzen. Zumal sich „Vermögensdelikte wie ein roter Faden durch die beeindruckende Vita des Angeklagten zeihen“, wie der Staatsanwalt betonte. „Er hat sich bemüht, das auszugleichen“, merkte Rechtsanwalt Stevan Krnjaic an. „Wenn er einen Betrug geplant hätte, warum hätte er versuchen sollen, den Fehler zu beseitigen. Das ergäbe relativ wenig Sinn.“ Zudem sei sein Mandant inzwischen gefestigt. „Er will ein normales Leben führen, hat sich außer dieser Sache nichts mehr zuschulden kommen lassen. Mehr kann er nicht machen.“

Richter Helmut Berger kam dem Wunsch der Verteidigung nach einem „milden Urteil“ nach: Er verurteilte den 27-Jährigen zu einem Jahr Gefängnis, setzte die Strafe aber für vier Jahre zur Bewährung aus – „mit Zudrücken beider Augen“. Als Auflage muss der Verurteilte 400 Euro an den Geschädigten zahlen.  rst

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