Wolfratshauser Amtsgericht
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Vor dem Wolfratshauser Amtsgericht musste sich ein 76-jähriger Geretsrieder verantworten. Er hatte betrunken Polizeibeamte angegriffen.

Aus dem Amtsgericht

Betrunkener Rentner (76) hält die Polizei auf Trab: Sechs Monate Bewährungsstrafe

  • vonRudi Stallein
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Ärger mit der Justiz handelt sich ein 76-jähriger Geretsrieder ein, der im „Sommer dahoam“ zu tief in den Maßkrug geschaut hatte

Geretsried/Wolfratshausen – Er habe extra daheim „ein ganz fettes Wammerl gegessen“, bevor er sich im September vorigen Jahres aufs Volksfest begab, sagt der Mann auf der Anklagebank. Doch das hat als „Unterlage“ wohl nicht genügt. Gegen 22 Uhr endete der „Sommer dahoam“ für den 76-jährigen Geretsrieder in der Ausnüchterungszelle. Nun musste er sich wegen tätlichen Angriffs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, vorsätzlicher sowie versuchter Körperverletzung, jeweils in mehreren Fällen, vor Gericht verantworten: Der Rentner wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, die das Gericht für zwei Jahre zur Bewährung aussetzt.

Sicherheitskräfte hatten zwei Polizisten, die auf dem Volksfest die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollierten, auf den stark betrunkenen Senior, der ihren Platzverweis ignorierte, aufmerksam gemacht. „Er hat brutal im Geländer gehangen“, beschrieb ein Polizist, wie er und seine Kollege den Mann vorgefunden hatten. Er habe nicht mehr stehen können und versucht, sich am Absperrgitter festzuhalten. „So wie er da hing, hätte ich geschätzt, dass er schon fünf Maß hatte.“

„Viereinhalb“ lautete die korrekte Angabe des Beschuldigten selbst. Weil er seine Personalien nicht angeben wollte, habe man ihn auf die Polizeiinspektion mitnehmen wollen. Das gestaltete sich etwas schwierig. Er habe versucht, einen Kollegen zu schlagen, deshalb habe man dem Mann Handschellen angelegt. „Ins Auto haben wir ihn reingezogen und geschoben, weil er partout nicht einsteigen wollte“, berichtete der Zeuge. „Wie ein Verbrecher bin ich festgenommen worden“, sagte der Angeklagte. Er räumte jedoch ein, dass er sich an einiges von jenem Abend nicht mehr erinnere. Nur eines wisse er sicher: „Ich habe niemanden angegriffen und niemanden geschlagen. Aber ich habe mich gewehrt.“

Das tat er auch auf der Wache mit Leidenschaft, wie den Schilderungen der Polizisten zu entnehmen war. „Er hat sich an die Gitterstäbe geklammert und gerüttelt, die ganze Nacht“, berichtete einer. „Er stellte einen Fuß in die Tür, wollte raus. Zu dritt haben wir ihn wieder in die Zelle geschafft“, erzählte eine Beamtin. „Er wollte raus. Er hat nicht begriffen, warum er dort war“, sagt ein Dritter. „Aber die Maßnahme war gerechtfertigt. Man konnte ihn in dem Zustand nicht alleine auf die Straße lassen.“

So sah es am Ende der Beweisaufnahme auch die Staatsanwältin, die eine Freiheitsstrafe von einem Jahr beantragte. Diese könne jedoch zur Bewährung ausgesetzt werden, da der Rentner „in geordneten Verhältnissen lebt“ und sich bis dato nie etwas hatte zuschulden kommen lassen. Nach dem Vorfall habe der Senior sich persönlich bei den Polizisten entschuldigt. Das berichtete der Verteidiger, der darum bat, seinen Mandanten „milde zu bestrafen“.

Richter Helmut Berger mochte aufgrund der starken Alkoholisierung des Mannes eine verminderte Steuerungsfähigkeit nicht ausschließen. Er verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe von nur sechs Monaten. Als Auflage muss der Rentner 3000 Euro in Raten an die Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft zahlen.

rst

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