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4,2 Hektar umfasst das ehemalige Lorenz-Areal zwischen Elbe- und Banater Straße.

Bis zu 600 bezahlbare Wohnungen sind geplant

Industriebrache soll zum Wohngebiet werden

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Geretsried - Im Geretsrieder Stadtrat könnten am Dienstag die Weichen für eines der größten Wohnungsbauprojekte im Großraum München gestellt werden: Auf dem ehemaligen Lorenz-Areal sollen bis zu 600 Wohnungen entstehen – für alle Bevölkerungsschichten und zu bezahlbaren Preisen, wie es heißt. 

Seit 2006, als die Spielzeugfabrik Lorenz geschlossen wurde, gab es mehrere Anläufe, die rund 4,2 Hektar große Industriebrache zwischen der Elbe- und der Banater Straße zum Leben zu erwecken. Zuletzt plante der Grundstückseigentümer, die Krämmel Gewerbeimmobilien KG, ein Fachmarktzentrum. Flankiert von einem Vollsortimenter, einem Discounter, einem Drogerie- und einem Elektromarkt sollte der in Geretsried lang ersehnte Bau- und Gartenmarkt entstehen. Das Problem: Trotz aller Bemühungen gelang es Reinhold Krämmel nicht, einen Betreiber dafür zu finden. „Wir haben vier Jahre lang wirklich alles versucht“, sagt der 67-jährige Unternehmer.

Einzelhandel wäre für das Stadtzentrum "kontraproduktiv"

In der Zwischenzeit vollzog sich im Rathaus ein Politikwechsel. Statt auf eine Zentrumserweiterung auf der Böhmwiese zu setzen, will der neue Bürgermeister Michael Müller die so genannte T-Zone Karl-Lederer-Platz und Egerlandstraße zu einem echten Zentrum ausbauen. Dafür wäre nach einem aktuellen Gutachten jedoch jegliche Einzelhandelsnutzung an der Peripherie, also auch auf dem Lorenz-Areal, kontraproduktiv. Stadt und Krämmel sind sich deshalb einig, die Pläne für ein Fachmarktzentrum in dieser Form nicht weiterzuverfolgen. „Eine Stärkung des Zentrums liegt auch in unserem Interesse“, sagt Krämmel. Seiner Familie gehören wie berichtet drei Viertel der Häuserzeile auf der Südseite des Karl-Lederer-Platzes, die nächstes Jahr abgebrochen werden soll.

Der Bauunternehmer Reinhold Krämmel (67).

Was aber passiert nun mit dem Lorenz-Areal? Nicht erst seit der Flüchtlingskrise braucht Geretsried dringend bezahlbaren Wohnraum. Der Bürgermeister hat deshalb angekündigt, ein großflächiges Wohnungsbauprogramm für alle Bevölkerungsschichten aufzulegen. Weil der Stadt dafür die Flächen fehlen, wurden in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt.

Das Ergebnis liegt am Dienstag im Stadtrat auf dem Tisch: In Abstimmung mit der Baugenossenschaft Geretsried „als möglichem Projektpartner“ hat Krämmel ein städtebauliches Konzept für bezahlbaren Wohnraum auf dem Lorenz-Areal entwickelt. Nach dem Modell der Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) könnten in mehreren Bauabschnitten 550 bis 600 Wohnungen entstehen. Um „eine ausgewogene Sozialstruktur“ in dem Quartier zu erreichen, sind je zu einem Drittel geförderte und frei finanzierte Mietwohnungen sowie zu 40 Prozent Eigentumswohnungen angedacht.

„Wir machen hier kein riesiges Bauträgermodell, bei dem sich der Krämmel eine goldene Nase verdient“, beugt der Unternehmer möglichen Neiddebatten vor. Durch die Umwidmung in Wohngebiet steigt das Lorenz-Areal zwar im Wert. „Wir wollen diesen Plangewinn aber nicht abschöpfen“, erklärt Krämmel. „Wir wollen den niedrigen Grundstückspreis nutzen, um sozialen Wohnungsbau zu ermöglichen.“ Durch eine „verfehlte Wohnungsbaupolitik in den letzten zwei Jahrzehnten“ sei dieser auf der Strecke geblieben.

Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum

 „Die Eigentumswohnungen sprießen wie Pilze aus dem Boden“, sagt Krämmel. Was fehle, sei bezahlbarer Wohnraum für „Kindergärtnerinnen, Krankenschwestern, Altenpfleger, Polizeimeister und Industriearbeiter – also all die Menschen, die für eine gesunde Sozialstruktur sorgen.“ Die Kommunen könnten diesen Rückstand nicht aufholen. Dazu brauche es die Beteiligung der privaten Bauwirtschaft.

Das Lorenz-Areal ist derzeit als Gewerbegebiet ausgewiesen und von Betrieben umgeben. Dass eine dortige Wohnbebauung auch Konfliktpotenzial birgt, dessen sind sich Bürgermeister und Bauunternehmer bewusst. „Das muss man sachlich ausdiskutieren“, sagen beide Seiten. Nach einer ersten Einschätzung eines Schallschutzgutachters wäre eine Wohnbebauung an dieser Stelle grundsätzlich möglich. Die angrenzenden Betriebe würden in ihrer Produktion nicht eingeschränkt. Krämmel ergänzt, dass er mit dem Projekt auch im Sinne der Wirtschaft handle: „Wir schaffen damit auch bezahlbaren Wohnraum für die dringend benötigten Fachkräfte.“

Um das Projekt zügig voranzubringen, hat Krämmel bei der Stadt die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans für das Lorenz-Areal beantragt. Nächsten Dienstag befindet darüber der Stadtrat. Die ersten Reaktionen aus den Fraktionen sind wohlwollend.

Sabine Schörner

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