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Buddha-Statue und allerlei Nippes: Ein Blick in das Restaurant „Ostasien“ in Stein – die scheidenden Besitzer wollten sich leider nicht fotografieren lassen.

Vom Bootsflüchtling zum Restaurantbesitzer

"Ostasien": Inhaber gehen nach 25 Jahren in den Ruhestand

Geretsried - Seit 25 Jahren gibt es das "Ostasien" in Stein. Nun wechselt der Besitzer.

Die Inhaber des Restaurants „Ostasien“ in Stein gehen in Rente. 25 Jahre lang betrieben Thi-Van Le (68) und ihr Mann Ba-Kiet Tran (70) das chinesisch-vietnamesische Lokal. Es soll jedoch nur während einer kurzen Renovierungsphase geschlossen bleiben. Ein Nachfolger – ein 38-jähriger Vietnamese aus München und Freund des Ehepaars – wird laut Thi-Van Le das „Ostasien“ weiterführen.

Stammgäste aus Geretsried, aber auch aus der Umgebung schätzten die abwechslungsreiche Speisekarte, die frisch zubereiteten Spezialitäten sowie den freundlichen Service des Familienunternehmens. In typisch asiatischer Atmosphäre mit Buddha-Statuen, einem riesigen, goldverzierten Gemälde an der Wand und allerlei Nippes ließ man sich Gerichte wie die berühmte vietnamesische Pho-Suppe, die aufwändige Peking-Ente nach Vorbestellung oder vegetarisches Chop Suey schmecken.

Vom Bootsflüchtling zum Restaurantbesitzer

Dabei hatte das Pächter-Ehepaar aus Saigon vor 30 Jahren eher zufällig seine Liebe zur Gastronomie entdeckt. Als Flüchtlinge nach dem Vietnamkrieg kamen die beiden 1980 als so genannte Boatpeople mit der Kap Anamur nach Deutschland. Sie lebten zunächst in Düsseldorf, wo der ausgebildete Lehrer Ba-Kiet Tran nach einer Umschulung als Dreher arbeitete. Im Mai 1981 kam Sohn Ba-Duy Tran zur Welt.

Drei Jahre später machte die Familie einmal Urlaub in München. Dort trafen die Eltern zufällig einen alten Bekannten aus der Heimat wieder. Er besaß zwei vietnamesische Restaurants und überredete Ba-Kiet Tran, bei ihm auszuhelfen. „Mein Mann spülte erst Geschirr, dann bereitete er die Vorspeisen zu und schließlich kochte er alles“, erzählt seine Frau stolz. Sie blieb vorläufig mit ihrem Sohn in Düsseldorf, da er dort zur Grundschule ging. Außerdem genossen die Einwanderer in Nordrhein-Westfalen die Unterstützung einer Betreuerfamilie. „Er war Ingenieur, sie war für eine Flüchtlings-Hilfsorganisation tätig. Wir verdanken den beiden sehr viel und haben heute noch Kontakt“, sagt Thi-Van Le.

Ein echter Familienbetrieb

Eines Tages habe der Münchner Bekannte ihrem Mann das Lokal in Stein vermittelt, das zuvor ein Italiener gepachtet hatte. Der vietnamesische Landsmann übernahm eine Bürgschaft für seinen Freund und organisierte alles. Im März 1991 zogen auch Mutter und Sohn nach Geretsried. Am 27. März 1991 um 17.30 Uhr öffnete das „Ostasien“ am Steiner Ring 8. Thi-Van Le hat die vergilbte Zeitungsanzeige bis heute aufgehoben. Direkt über dem Gasthaus wohnte die Familie und wohnen die Eltern noch heute. Sohn Ba-Duy Tran wuchs in Stein auf, studierte nach der Real- und der Fachoberschule Maschinenbau, half aber abends immer im Restaurant. Auch zwei Nichten und ein Neffe unterstützten den Familienbetrieb. „Anders hätten wir es nicht geschafft“, sagt die Inhaberin. Sie und ihr Mann wiederum wollen dem neuen Pächter namens Phi-Ho anfangs zur Hand gehen, wenn nötig.

Nachfolge ist gesichert

Die Neueröffnung des Restaurants nach der Renovierung soll an einem Glückstag nach dem asiatischen Mondkalender erfolgen. „Die Speisekarte wird zu zwei Dritteln bestehen bleiben, zu einem Drittel wird es neue Gerichte geben“, verrät Thi-Van Le, die sich freut, dass es mit dem von ihr und ihrem Mann aufgebauten Lokal fast nahtlos weitergeht. „Sicher werden wir die Arbeit und unsere Gäste vermissen. Aber wir sind jetzt in einem Alter, in dem wir noch ein bisschen unseren Ruhestand genießen möchten.“

Tanja Lühr

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