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„Neischaun und ned neihaun“: Thomas Darchinger mit Ludwig Himpsl am Alphorn.

Hinterhalt

Borstenvieh und Schweinespeck

Schauspieler Thomas Darchinger gastiert mit seiner Sprechoper „A gmade Wiesn im Geltinger“ Hinterhalt

Gelting – Der Schauspieler Thomas Darchinger, der Bösewicht deutscher Fernsehfilme, nennt sein Bühnenstück „A gmade Wiesn“ ein Bavarical, sprich, eine bayerische Sprechoper mit Musik. Was am Donnerstag das Publikum im Hinterhalt erleben durfte, war zuerst schwer einzuordnen. Es war kein Konzert, kein Kabarett, kein Klamauk. Darchinger erzählte von sich und zitierte die anderen, diese bayerischen Dichter, Querdenker und Unikate wie Gerhard Polt, Ottfried Fischer, Georg Queri, und sang zwischendurch Lieder von Sex, Drugs und Rock’n’Roll.

Bizarrer Start

Es ging schon bizarr los. Da blies eine im gleißenden Gegenlicht eines Scheinwerfers nicht erkennbare schwarze Silhouette in ein Alphorn, dann setzte leise Geigenklang dazu ein, und ein Flügelhorn mischte sich unter das Klanggebilde. Erst dann erschien Darchinger im Halbdunkel, Grimme-Preisträger von 1992 als Darsteller aus der Filmreihe „Die Löwengrube“ und wohnhaft in Münsing. Noch nicht lange tourt er mit seinem Bavarical „A gmade Wiesn“ durchs Land, was in Bayern so viel bedeutet, dass etwas ohne großes Zutun wie geschmiert läuft. Musikalisch begleiten ihn die Himpsl-Söhne Xaver (Flügelhorn, Bass) und Ludwig (Alphorn, Waldhorn, Schlagzeug), auch bekannt von der Unterbiberger Hofmusik, sowie der Gitarrenvirtuose Luis Maria Hölzl, allesamt studierte Musiker.

Schwer ist leicht was

„Neischaun und ned neihaun, auch wenn die Welt verrückt spielt“, so Darchingers Credo für den Abend. Das war ein mitunter ordentliches Draufdreschen auf das Alltagsleben Münchner Kleinbürger, dem „G’schwerl mit ihren chanel-nagellackierten Porsches, die die Biergärten am See überschwemmen“. Die mag Darchinger gar nicht. Seine Rückzugsoase ist das „innerste München“. Der Viktualienmarkt ist für ihn ein „Ort, der noch ein Rückgrat hat.“ Denn „schwer ist leicht was im Leben“ singt er munter drauflos, ehe er wieder rein verbal „das Problem in Bayern“ erkennt, nämlich, wie Gerhard Polt einmal sagte: „Das sind doch die Menschen selbst.“ Poltsche Zitate tauchen auf und Lieder, wie das von der „Annamirl“ von Georg Queri, musikalisch arrangiert von Christoph Well, an diesem Abend gecovert von den Himpsl-Brüdern und vom Hölzl.

Darchinger geht all diejenigen scharf an, die nicht in sein Heimatbild passen, solche Kreisräte, die für Windräder stimmen, solche „tschüsselnden Nachbarn, die die Weißwurst grillen“. Ein ständig wechselnder Schlagabtausch zwischen Wut und Versöhnung, auf das der Sprechopernsänger mit einem „Holadijo“-Ständchen nur ein Rezept kennt: „Der Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck.“

Andrea Weber

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