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Weiter so: Bürgermeister Michael Müller (47) ist mit der ersten Hälfte seiner Amtszeit sehr zufrieden. 

Im Gespräch mit Michael Müller

Bürgermeister Michael Müller über  Zentrum, S-Bahn und private Sorgen

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Bürgermeister Michael Müller muss viel Kritik einstecken, hat aber auch viel bewegt in Geretsried. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht er Halbzeitbilanz.  

Geretsried – Um den Schreibtisch von Bürgermeister Michael Müller (47) wachsen prächtige Bäumchen und andere Topfpflanzen. Nicht fehlen durften auch seine privaten Füller, als er am 1. Mai 2014 sein Büro im Rathaus bezogen hat. Drei Jahre später hat sich Müller gut eingerichtet, in dieser Zeit ist aber noch viel mehr passiert. Darüber hat sich unsere Zeitung zur Hälfte der Amtszeit mit dem Bürgermeister unterhalten. Ein Gespräch über Sport, Musik und die Zentrumsentwicklung.

Halbzeit, Herr Müller. Lobt oder schimpft Ihr Fußballtrainer in der Kabine?

Michael Müller: Mein Trainer würde dazu anspornen, Geretsried weiter voranzubringen und den Weg weiterzugehen, den wir eingeschlagen haben.

Sind Sie selbst mit Ihrer bisherigen Leistung zufrieden?

Michael Müller: Ja, ich bin sehr zufrieden mit dem, was wir bisher erreicht haben.

Sie sitzen ja viel am Schreibtisch. Wie halten Sie sich denn fit? Im neuen Bewegungsparcours?

Michael Müller: Den habe ich bisher leider nur einmal absolviert. Aber ich drehe regelmäßig vor der Arbeit meine Joggingrunden.

Kleiderschrank ist staatsmännisch geworden

Am Anfang Ihrer Amtszeit sind Sie auch mal mit Turnschuhen in den Stadtrat marschiert. Inzwischen kleiden Sie sich immer angemessen.

Michael Müller: (lacht) Mein Kleiderschrank hat sich tatsächlich erweitert – aber die Turnschuhe sind noch Bestandteil meiner Garderobe.

Sie waren vorher in der staatlichen Lotterieverwaltung tätig. Die Arbeit im Rathaus dürfte ganz anders sein. Oder haben Sie Parallelen festgestellt?

Michael Müller: Ich konnte dort das Verwaltungshandeln praktizieren, da es auch ein Staatsbetrieb ist. Zudem ging es in den Wirtschaftsbereich. Das heißt, vieles von dem, was ich dort als Referatsleiter gemacht habe, konnte und kann ich aufs Rathaus übertragen. Der Aspekt der Öffentlichkeit ist hinzugekommen. Außerdem stehe ich als Bürgermeister in einer Abfolge von Terminen, die eine breite Themenvielfalt aufweisen. Ohne die Zuarbeit der Verwaltung ginge es nicht.

Das ist ein gutes Stichwort. In der Wahlnacht haben Sie sich mit einem Dirigenten verglichen, dessen Melodie sich im Orchester nur mit den Tönen der Musiker ergebe. Wie klingt das im Rathaus?

Michael Müller: Es ist eine wunderschöne Melodie. Der Dirigent braucht kompetente Leute, die ihr Instrument beherrschen und wissen, wann sie ihren Einsatz haben. Ich bin sehr angetan von der Kompetenz und dem Sachverstand der Mitarbeiter hier im Rathaus.

Den Stellenausschreibungen nach zu urteilen, herrscht aber auch ein reger Personalwechsel.

Michael Müller: Das ist in einer Stadtverwaltung, die zusammen mit den Stadtwerken 160 Mitarbeiter hat, keine Besonderheit. Der Kern der Mitarbeiter ist sehr beständig.

Wie klingt die Musik im Stadtrat?

Michael Müller: Sehr gut. Wenn es um die Stadt geht, weiß der Geretsrieder Stadtrat, welchen Marsch er bläst. Das schließt nicht aus, dass es mal ein Solo gibt. Am Ende gibt es aber immer das große Finale, bei dem der Dirigent den Takt vorgibt und alle wissen, wann sie ihren Einsatz haben.

Geretsried rüstet sich für die Zukunft

Am Karl-Lederer-Platz wird inzwischen gearbeitet. Ein gutes Gefühl?

Michael Müller: Ja. Es ist notwendig, die Infrastruktur und das Angebot nach 60 Jahren an die modernen Zeiten anzupassen. Geretsried stellt die Weichen für die Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Unsere Stadt hat ein unglaubliches Entwicklungspotenzial.

Wenn Sie träumen dürfen: Wie sieht Geretsried in 20 Jahren aus?

Michael Müller: Ich würde gar nicht so weit in die Zukunft blicken. Wie sieht Geretsried in fünf, maximal zehn Jahren aus? Geretsried hat sich deutlich weiterentwickelt. Wir sind eine moderne Stadt, die sich wie immer weltoffen gibt und ein vielfältiges Angebot bereithält, die sich aber – obwohl wir eine sehr junge Geschichte haben – ihrer Traditionen bewusst ist und im Herzen der Menschen bewahrt.

Viele stehen bei der Zentrumsentwicklung hinter Ihnen. Sie müssen aber auch Kritik einstecken. Innerhalb der CSU ist Fraktionssprecher Volker Reeh anderer Meinung. Zweifeln Sie, wenn die Partei nicht geschlossene hinter Ihnen steht?

Michael Müller: Eine Volkspartei zeichnet sich dadurch aus, dass sie unterschiedliche Meinungen in sich aufnimmt. Wir haben in der Planungsphase viel diskutiert – unter anderem über Einfahrt, Höhenentwicklung und die Tiefgarage. Dadurch haben Änderungen und Entwicklungen stattgefunden. So wurde auch das Grundwassermanagement initiiert. Das ist bei keinem Großprojekt in Geretsried so intensiv gewesen.

Müller steckt Kritik besser weg als die Sorge um den Frost

Aus der Bürgerschaft kam teils weniger konstruktive Kritik. Ein anonymer Briefschreiber hat Sie persönlich angegriffen.

Michael Müller: Es waren sogar sechs Briefe. Das war eine richtige Kampagne. Wir nutzen jedes Sachargument. Auf Diffamierungen reagieren wir nicht. Das ist ein Umgangsstil, den man aufs Schärfste zurückweisen muss.

Beschäftigt Sie das, wenn Sie abends nach Hause gehen?

Michael Müller: Man muss eine ganze Menge aushalten. Es muss aber auch mal den Moment des Abschaltens geben. Ich widme mich da meinen Blumen und der Sorge um den Frost. Das bereitet mir sehr wohl schlaflose Nächte.

Abschalten ist ein gutes Stichwort. Sie posten sogar im Urlaub auf Facebook. Hat ein Bürgermeister niemals frei?

Michael Müller: Die Zeit als Bürgermeister hört nicht auf, wenn ich hier ausstemple. Wenn ich auf dem Balkon stehe, winken mir Bürger, ich werde teilweise sogar im Urlaub erkannt. Ein Bürgermeister ist eigentlich immer Bürgermeister. Facebook bietet mir die Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu stehen, ich habe sogar alte Klassenkameraden wiedergefunden. Solange man das Positive sozialer Netzwerke nutzt, spricht meiner Meinung nach nichts gegen das Posten eines Fotos.

Dünnhäutig oder nicht?

Bruder Barnabas hat Sie in seiner diesjährigen Fastenpredigt als dünnhäutig bezeichnet. Ist da was dran?

Michael Müller: Bruder Barnabas weiß, den richtigen Ton zu treffen, überzeichnet aber natürlich in der bierseligen Atmosphäre. Das gehört zum Wesen einer Fastenpredigt. Allerdings muss ich als Vorsitzender des Stadtrats deutlich machen, dass es nicht geht, wenn jemand dem Gremium Bestechlichkeit oder Vorteilsnahme vorwirft, um ein Vorhaben zu verhindern. Wenn man das als Dünnhäutigkeit bezeichnen möchte, okay. Aber ich sage, das ist auch meine Aufgabe als Bürgermeister.

Die Zentrumsentwicklung läuft. Sie haben aber auch den Rest der Stadt im Blick, oder?

Michael Müller: Natürlich. Die Herausforderungen in der Stadt sind groß. Ganz wichtig ist jetzt der Flächennutzungsplan und die Fragestellungen, die sich im Zusammenhang mit der S-Bahn-Anbindung und Verlegung der Bundesstraße 11 ergeben. Davon bekommt die Öffentlichkeit gerade wenig mit, aber wir arbeiten ganz konkret an den Plänen. Außerdem haben wir die Sanierung der Adalbert-Stifter-Mittelschule und der Sportstätten. Gerade laufen die Ausschreibungen für das interkommunale Hallenbad. Und das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum ist eines der drängendsten Probleme.

Welcher ist der wichtigste Erfolg der ersten Amtszeithälfte für Sie?

Michael Müller: Dass wir Geretsried ein gutes Stück vorangebracht haben und den Haushalt konsolidiert haben. Wir haben Finanzstrukturen so geordnet, dass wir für die Investitionen der Zukunft gut gerüstet sind.

Was erwartet die Geretsrieder in den nächsten drei Jahren?

Michael Müller: Wir haben Weichen gestellt, Schienenstränge gelegt und Richtungen vorgegeben. Jetzt geht es an die Umsetzung.

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