Empfang von Petra Pau vor dem Rathaus
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Ehrengast: Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Geretsried ein. Von links zu sehen sind Bürgermeister Michael Müller, seine Stellvertreter Sonja Frank und Gerhard Meinl, die Fraktionschefs Peter Curtius (Grüne, verdeckt) Hans Hopfner (SPD) und Ewald Kailberth (CSU) sowie Linken-MdB Andreas Wagner.

Lockerer Austausch mit Links

Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau zu Besuch im Rathaus

  • VonPeter Borchers
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Unprätentiös und locker gab sich Petra Pau auf ihrer Stippvisite in Geretsried. Und: Die Bundestags-Vizepräsidentin zeigte ehrliches Interesse an den kommunalen Themen.

Geretsried – Am stattlichen Empfangskomitee lässt sich erahnen, dass der Besuch hochrangig sein muss: CSU-Bürgermeister Michael Müller, die Amtskette um den Hals, mit seinen Stellvertretern Sonja Frank (FW) und Gerhard Meinl (CSU) warten am Montagnachmittag vor dem Rathaus. Dazu gesellen sich die Chefs der Stadtratsfraktionen von SPD, CSU und Grünen, Hans Hopfner, Ewald Kailberth und Peter Curtius. Tatsächlich: Aus der vorgefahrenen kastanienfarbenen Limousine steigt die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Petra Pau (Linke). Sie wird begleitet von ihrem Geretsrieder Abgeordnetenkollegen Andreas Wagner, Linken-Kreisrat Sebastian Englich und Erich Utz. Letzterer bewirbt sich im Herbst für die Linke um ein Mandat im neuen Parlament. Das Quartett hat kurz zuvor dem Waldramer Badehaus einen Besuch abgestattet.

Klar, im September sortiert sich der Bundestag neu, aber als reine Wahlkampfveranstaltung will Pau ihren Besuch in Geretsried nicht verstanden wissen. Unprätentiös begrüßt sie ihre Gastgeber, empfindet es als „sehr große Ehre“, sich an einem der aufgestellten Bistrotische ins Goldene Buch der Stadt eintragen zu dürfen und wünscht den Anwesenden „viel Kraft für Ihr gesamtes Tun“. Die Bodenständigkeit und das Interesse für die Basis nimmt man der leger gekleideten Frau mit der roten Mecki-Frisur ab. Sie habe 1990 in Berlin-Hellersdorf selbst als Kommunalpolitikerin angefangen, erzählt die gebürtige Ostberlinerin, Tochter eines Maurers. Sie wisse also, „wie es an der Basis läuft. Und ich höre mir gerne an, was man dort davon hält, was bei uns in Berlin beschlossen wird – mit oder ohne meine Zustimmung.“

Michael Müller nimmt diese Worte noch vor der Tür zum Anlass, seinem Gast mit Blick auf den Karl-Lederer-Platz die aktuellen Infrastrukturprojekte zu erklären. Gut 51 Jahre nach der Erhebung zur Stadt, so der Rathauschef, seien einige Einrichtungen in die Jahre gekommen. Er erzählt von der Neuen Mitte, dem bald öffnenden interkommunalen Hallenbad, den Schulsanierungen und sagt: „Gerne würde ich das alles gleich noch bei einem Gespräch in den Ratsstuben vertiefen.“

Und das tut Müller dann auch. An Schautafeln erklärt er Pau dort „die Besonderheiten Geretsrieds“, verweist auf das lang gezogene Stadtgebiet ohne (zumindest bis jetzt) richtigen Ortskern, erläutert das sich träge dahinschleppende Verfahren der S7-Verlängerung und deren Besonderheit: „Drei Haltepunkte mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen innerhalb einer Stadt, das kommt im Münchner Großraum nicht oft vor.“

Visite im Waldramer Badehaus: Vereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft (li.) zeigt Petra Pau und Andreas Wagner ein Ausstellungsstück.

Warum muss das alles immer so lange dauern? Das brennt mir wirklich auf den Nägeln. 

Bürgermeister Michael Müller an Petra Pau gewandt über die oft sich zäh hinziehenden Verfahren

Die soziale Schere, die selbst im wohlhabenden Oberbayern nicht wegzudiskutieren sei, und die Wohnraumproblematik schneidet der Bürgermeister ebenfalls an. „Ich bekomme jede Woche viele Anfragen von Leuten, die eine Wohnung suchen. Der Druck ist enorm.“ Die Stadt versuche dem Rechnung zu tragen mit einer Wohnbauentwicklung, die sich zu jeweils 30 Prozent aus Sozialwohnungen und bezahlbarem sowie zu 40 Prozent aus frei verfügbarem Wohnraum zusammensetzt. Quasi als Klammer um all die erwähnten Projekte setzt Müller ein Kernproblem: die oft endlosen und komplizierten Verfahren. „Warum muss das alles immer so lange dauern?“, fragt er Pau, „das brennt mir wirklich auf den Nägeln.“ Auch die Konnexität sei ein Thema in den Kommunen: „Der Bund gibt in Altenpflege, Kinderbetreuung und Digitalisierung viel vor, aber die Gemeinden müssen es auch umsetzen können“ – finanziell wie personell.

Pau hört sich alles genau an – und gibt Müller in vielen Punkten Recht. Die Politik in Berlin habe „ein Stück Vertrauen verloren“, sagt die Linken-Politkerin. „Das spüre ich auch, wenn ich mit den Menschen in meinem Wahlkreis Berlin Marzahn-Hellersdorf rede.“ Bei manchen Themen sei „der Gesprächsfaden abgerissen. Wir alle müssen versuchen, ihn wieder aufzunehmen.“

peb

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