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Kein Nachfolger in Sicht: Barbara Mehlich (re.), Vorsitzende des Hospizvereins muss ihren Rücktritt verschieben.

Mit leeren Händen und offenen Herzen

Christophorus-Hospizverein sucht neuen Vorstand

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Christophorus-Hospizverein betreute vergangenes Jahr deutlich mehr Schwerkranke. Derzeit läuft die Suche nach einem neuen Vorstand.

283 Mitglieder – darunter 222 Frauen – engagieren sich derzeit ehrenamtlich für den Christophorus-Hospizverein Bad Tölz-Wolfratshausen. Dass ihre Hilfe mehr denn je benötigt wird, bestätigte der Bericht von Karin Stadler in der Jahresversammlung in den Vereinsräumen am Neuen Platz in Geretsried.

Die Einsatzleiterin des Palliativ-Care-Teams verzeichnete 2015 insgesamt 65 Begleitungen von schwer- und todkranken Menschen. „2014 waren es nur 44.“ Hinzu kamen 35 Begleitungen in der Palliativ-Einrichtung der Kreisklinik Wolfratshausen. Darüber hinaus veranstaltete der Verein regelmäßig Seminare und Vorträge. „Dabei wollen wir die Einstellung zu Krankheit, Sterben, Tod und Trauer in unserer Gesellschaft bewusst machen und zudem über interessante Themen wie Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht informieren“, erklärte Stadler.

Derzeit gibt es 44 speziell ausgebildete Hospizbegleiter, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich rund vier Stunden pro Woche zur Verfügung stellen, um Schwerstkranke oder Sterbende zu betreuen. „Sie kommen mit leeren Händen und offenen Herzen“, berichtete die Einsatzleiterin. Damit meinte sie, dass die Helfer nicht durch übertriebenen Aktionismus auffallen, sondern in vielen Fällen einfach nur zuhören und mitfühlen. Die Ehrenamtlichen bekommen für ihre Einsätze die Fahrtkosten vom Verein erstattet und erhalten im Abstand von sechs Wochen eine Supervision, damit eventuelle seelische Belastungen wie auch fachliche Rückfragen geklärt werden können.

Zweiter Vorsitzender Bernhard Pletschacher berichtete zudem über das vor einem Jahr erfolgreich angelaufene Projekt „Opal“. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die in Bad Tölz ansässige „Oberland Hospiz- und Palliativversorgung“. Das interdisziplinäre Team ermöglicht schwerstkranken Menschen, ihre letzten Lebenswochen selbstbestimmt in vertrauter Umgebung zu Hause zu verbringen. Das bayerische Gesundheitsministerium subventionierte „Opal“, das die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach betreut, mit einer Starthilfe von 15 000 Euro. „Die zwei Landkreise arbeiten optimal zusammen: Bisher wurden 120 Patienten versorgt, und die Nachfrage steigt weiter“, erklärte Pletschacher. Auch aufgrund von „Opal“ verzeichnete Schatzmeisterin Mechthild Felsch im vergangenen Jahr mehr Fördergelder für den Verein.

Da die Betreuuung von todkranken Menschen zeitaufwändig und mitunter belastend ist, hatte die seit vier Jahren amtierende Vorsitzende Barbara Mehlich vor der Jahresversammlung ihren Rücktritt angekündigt. Das Problem: Es fand sich kein Nachfolger für diesen Posten. Der Jurist Alfred von Hofacker plädierte deshalb dafür, die „Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen“ und mehrere Beiräte in den Vorstand zu berufen. Ein Vorschlag, den die Mitglieder in der Jahresversammlung einstimmig befürworteten. Derweil geht die Suche nach einer neuen Führungskraft weiter. Mehlich erklärte sich bereit, in dieser Phase den seit 23 Jahren bestehenden Verein weiter als Vorsitzende zu leiten.

von Peter Herrmann

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