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Nach nicht einmal einem Jahr: Pub muss wieder schließen - „Weggehen wird ein Luxusgut“

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Von: Dominik Stallein

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Das letzte Bier ist gezapft: Florian Lingner wird sein Irish Pub „Dubliner“ nicht wieder öffnen.
Das letzte Bier ist gezapft: Florian Lingner wird sein Irish Pub „Dubliner“ nicht wieder öffnen. © Archiv

Florian Lingner hat sein Irish Pub „Dubliner“ in Geretsried nach weniger als einem Jahr geschlossen. Corona und die Inflation machten ihm zu schaffen.

Geretsried – Das Irish Pub „Dubliner“ am Hirschenweg wird hat nach der Sommerpause nicht wieder aufgemacht. Betreiber Florian Lingner zog nach weniger als einem Jahr einen Schlussstrich. Zu massiv waren die Einschränkungen durch Corona. Im Interview mit unserem Volontär Dominik Stallein erklärt Lingner, warum er befürchtet, dass nach dem „Dubliner“ noch weitere Lokale schließen werden.

Wegen Corona und Inflation: Pub schließt - „Lief leider anders, als wir uns das gewünscht haben“

Herr Lingner, nach dem Betriebsurlaub haben Sie Ihren Irish Pub nicht wieder aufgesperrt. Warum?

Wir haben Ende Mai zugemacht, als eigentlich schon feststand, dass ein Weiterbestehen des Pubs in der bisherigen Form nicht mehr denkbar ist. Ich hatte die Hoffnung, dass sich zeitnah ein Gastronom findet, der das Lokal unter gleichem Namen weiterführen kann. Deshalb habe ich nicht von einer endgültigen Schließung sprechen wollen. Diese Nachricht würde es einem neuen Wirt zu schwer machen, wieder zu eröffnen. Wir haben auch tatsächlich mehrere Gespräche mit Interessenten geführt. Etwas Konkretes hat sich aber nicht ergeben. Das Pub ist jetzt zu. Wir haben Insolvenz angemeldet. Es lief leider ganz anders, als wir uns das gewünscht haben.

Was hat dazu geführt?

Natürlich spielt die Corona-Pandemie eine große Rolle. Gerade Herbst und Winter sind für Bars und Nachtgastronomie eine ganz wichtige Zeit. Da gab es aber so viele Auflagen, dass wir ohne vollwertige Küche sogar komplett schließen mussten. Und selbst mit einer Sperrstunde ab 22 Uhr wäre ein Besuch für unsere Gäste wahrscheinlich weitaus unattraktiver geworden. Unsere Umsätze wären also auch so enorm geschwunden. Dadurch und durch die ausbleibenden staatlichen Hilfen war es schlichtweg unmöglich, uns ein so dickes Finanzpolster anzufressen, dass wir auch durch die umsatzschwächeren Monate im Sommer kommen. Als wir dann im Frühjahr wieder ohne Einschränkungen loslegen wollten, hätten wir nochmals viel Geld investieren müssen. Für Werbung zum Beispiel, aber auch für neue Angebote, die besser zum Sommer passen. Das war nicht möglich, wir waren finanziell schon zu weit in einer Sackgasse.

Neuer Pub muss wieder schließen: „Befürchte, dass wir nicht die Letzten sein werden, die zusperren“

War es ein Problem, dass Sie so frisch im Geschäft waren?

Definitiv, weil wir dadurch keine Überbrückungspakete in Anspruch nehmen konnten wie andere Bars, die es schon länger gibt. Wir mussten uns selbst finanzieren. Und das war enorm schwierig. Man sagt in der Gastro, dass ein neuer Laden ein Jahr braucht, um sich zu etablieren. So lange haben wir es leider nicht geschafft.

Nach den Monaten der Einschränkungen müssten doch die jungen Leute wieder richtig Lust auf Bars und Clubs haben?

Das war auch meine Annahme oder vielmehr eine Hoffnung. Es hat sich leider nicht bewahrheitet. Natürlich hatten wir an einigen Abenden ein volles Haus. Aber eine Woche später habe ich die ersten Mitarbeiter um 21 Uhr nach Hause schicken müssen, weil nichts los war. Der Andrang war einfach nicht dauerhaft und konstant genug, um es ohne ein Polster zu schaffen. Das tut mir sehr weh. Ins „Dubliner“ haben wir alle sehr viel Herzblut reingesteckt. Ich befürchte, dass wir nicht die Letzten sein werden, die zusperren.

Aus welchen Gründen befürchten Sie das?

Egal, welche Nachrichten man liest oder im Fernsehen sieht: Überall heißt es, dass alles teurer wird. Das haben wir in der kurzen Zeit auch gemerkt. In weniger als einem Jahr wurden die Einkaufspreise bei unseren Lieferanten dreimal nach oben korrigiert. Das ist kaum zu schaffen. Dazu kommt, dass die Inflation dafür sorgt, dass bei vielen Menschen die Ausgaben steigen. Ich befürchte, dass das Weggehen am Abend ein Luxusgut wird, das man sich nicht mehr so oft leisten möchte. Das kann vielen Gastronomen sehr weh tun. Ich hoffe, dass sich trotz allem einige Locations in unserer Region über Wasser halten können, um wenigstens ein bisschen kulturelles Angebot für junge Menschen zu erhalten.

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