Vom Salon aufs Post-Fahrrad: Doris Altewulf.
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Vom Salon aufs Post-Fahrrad: Doris Altewulf.

Einschreiben statt Lockenwickler

Mitten im Lockdown: Friseurin gibt Beruf auf - und wagt Neuanfang

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Corona hat einige Betriebe mehr oder weniger lahm gelegt. Auch Friseursalons mussten monatelang schließen. Eine Friseurmeisterin wagte deshalb einen großen Schritt: Sie arbeitet jetzt als Postzustellerin.

Geretsried – Einschreiben statt Lockenwickler, Päckchen statt Tönung: Die 57-jährige Doris Altewulf hat ihren Beruf als Friseurmeisterin aufgegeben. Jetzt ist sie als Briefzustellerin für die Deutschen Post in Geretsried unterwegs. Mit schuld daran war die Corona-Pandemie und der damit verbundene Lockdown.

Geretsried: Friseurin musste bereits 2007 ihren Traum - einen eigenen Salon - aufgeben

Altewulf stammt aus Nordrhein-Westfalen. „Mit 16 begann ich die Lehre zur Friseurin, mit 20 habe ich dann den Meister angefangen“, erzählt sie. Eine Ausbildung zur Kosmetikerin schloss sich an, vor zwei Jahren kam noch die Ernährungsberatung dazu. In ihrer alten Heimat eröffnete Altewulf einen Friseursalon, den sie jedoch aus persönlichen Gründen 2007 aufgegeben hat. Was nun? Den Beruf ganz an den Nagel hängen? Sie bewarb sich beim Briefzentrum Dortmund auf einen 12,5-Stunden-Teilzeitjob, blieb jedoch als mobile Friseurin ihrem eigentlichen Beruf treu.

Durch ihren Ex-Mann hatte Altewulf schon früh ihre Leidenschaft zu den Bergen entdeckt. „Wir waren immer wieder gemeinsam in Kanada“, berichtet sie. Nach der Trennung machte Altewulf in Mittenwald Urlaub – und verliebte sich in die Gegend und die Alpenwelt. „Wie Klein-Kanada – nur ohne wilde Tiere“, findet die 57-Jährige. Also packte sie 2015 ihre Koffer und zog nach Bayern. Nach ein paar Zwischenstationen stand sie erneut mit Kamm und Schere da, um ihre Kunden zu verschönern. Doch dann kam der Lockdown und somit auch keine Kundschaft mehr.

Corona-Lockdown in Geretsried: Chef meldet Kurzarbeit an - Friseurin denkt über Berufsalternative nach

Der Chef meldete Kurzarbeit an, und Altewulf begann, über Berufsalternativen nachzudenken. „Zwei Tage vor Weihnachten vergangenen Jahres kam ich dann nach Geretsried in die Niederlassung an der Blumenstraße“, berichtet sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Und gerade vor und um Weihnachten gab es eine Menge zu tun. „Als ich nach Dienstschluss vom Fahrrad abgestiegen bin, habe ich besonders in der ersten Zeit jeden Muskel gespürt.“ Die 57-Jährige muss lachen. „Aber besser ist es, sich zu bewegen als nur herumzustehen.“

Eines hat mich Corona gelehrt. Man kann nicht mehr einfach so in die Zukunft planen“

Doris Altewulf

Ob sie noch einmal als Friseurin arbeiten will, kann die 57-Jährige nicht sagen. „Eines hat mich Corona gelehrt. Man kann nicht mehr einfach so in die Zukunft planen“, sagt sie und schwingt sich wieder aufs Rad.  (sh)

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