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Corona-Regeln gelockert: Bar-Betreiber atmet auf - aber kritisiert Staatsregierung

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Von: Dominik Stallein

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Florian Lingner im Irish Pub
Zurück am Zapfhahn: Florian Lingner freut sich, dass sein Irish Pub „Dubliner“ in Geretsried wieder öffnen durfte. Trotzdem ärgert sich der 29-Jährige über die Staatsregierung. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Bars dürfen in Bayern wieder öffnen. Das freut den Betreiber des „Dubliner“ in Geretsried. Er übt aber Kritik an Söder und Co: „So kann man nicht planen.“

Geretsried – Freitag, 4. März, 18 Uhr: Für Florian Lingner beendete dieses Datum eine monatelange Misere. Der Betreiber des Irish Pubs „Dubliner“ darf seither seine Bar wieder öffnen. Im Interview mit unserem Volontär Dominik Stallein spricht der 29-Jährige über die ersten Abende, seine Wünsche für die Zukunft, und was ihn an der Corona-Politik wurmt.

Corona-Regeln gelockert: Bar-Betreiber atmet auf - aber kritisiert Bayerische Staatsregierung

Herr Lingner, wie war die Stimmung beim Wiedersehen?

Lingner: Es war eine wirklich gute Atmosphäre und ein richtig großer Zulauf: Schon bevor wir aufgesperrt hatten, waren alle Tische für Freitagabend ausreserviert. Am Samstag war es genauso. Ich glaube, die Leute waren wirklich froh, dass sie wieder in eine Bar gehen, zusammensitzen und einen schönen Abend verbringen können. Kulturstätten – Bars, Theater, Cafés – sind gerade in der aktuellen Zeit für uns alle wichtiger denn je. Der große Zulauf hat mich trotz aller Vorfreude aber etwas überrascht.

Wieso das?

Lingner: Weil wir fast keine Zeit hatten, Werbung zu machen. Am Mittwoch habe ich erfahren, dass wir am Freitag wieder aufmachen dürfen – zwei Tage vorher. Das sind etwa 48 Stunden, in denen ich einkaufen, Personal einteilen, die Lager auffüllen und nicht zuletzt auch Werbung machen muss. Ich hatte schon große Bedenken, dass das erste Wochenende äußerst schlecht läuft. Zum Glück lag ich falsch.

Darf ich das als Kritik an der Staatsregierung verstehen?

Lingner: Ja, durchaus. Die Kommunikation und die Art der Entscheidungsfindung sind schon lange eine Katastrophe. Zweimal war es zuletzt so, dass kurz vor dem anvisierten Eröffnungstermin die Regelungen doch noch einmal verlängert wurden. Jetzt wird uns so kurzfristig gesagt, dass wir sofort anfangen müssen, unsere leeren Lager aufzufüllen. So kann man nicht planen, das dauert seine Zeit. Es ist nach vier Monaten Pause nicht damit getan, aufzusperren und das erste Bier zu zapfen.

Bars in Bayern dürfen öffnen - trotzdem gibt es Kritik an Söder und Staatsregierung

Sie haben den Pub erst im August 2021 eröffnet, beeinflusst das Ihre Situation?

Lingner: Finanziell auf jeden Fall. In den wenigen Monaten kann man sich kaum ein Polster erwirtschaften. Von den Überbrückungshilfen hatten wir auch nichts, weil die sich auf die Einnahmen aus den Vorjahren beziehen. Auch Härtefallhilfen oder Kurzarbeitergeld sind seit Monaten nicht angekommen. Das hätte uns schnell helfen können. Dass die Bar das überstanden hat, war ein Glücksfall und es hätte auch ganz anders ausgehen können. Wir haben uns irgendwie über Wasser gehalten, müssen aber jetzt sehr sparsam wirtschaften.

Clubs und Bars waren lange geschlossen - Restaurants trotz Corona geöffnet

Haben Sie Verständnis dafür, dass Bars wie Ihre so lange schließen mussten?

Lingner: Da bin ich zwiegespalten. Ja, ich verstehe es, weil ich natürlich der Meinung bin, dass zum Beispiel Clubs, wo man eng an eng ohne Masken tanzt, in den vergangenen Wochen und Monaten zu gefährlich gewesen wären.

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Aber?

Lingner: Warum einige Bars strenger behandelt wurden als andere, kann ich einfach nicht nachvollziehen. Wir haben keine Bistro-Lizenz und mussten deshalb geschlossen bleiben. Andere Bars durften öffnen – und der einzige Unterschied zu uns ist, dass die ein paar warme Speisen anbieten. Ich formuliere es mal plakativ: Hätten wir eine Dunstabzugshaube in der Küche, wäre seit Monaten ohne Probleme offen. Dem Virus ist so ein Dunstabzug aber vermutlich ziemlich egal. Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich gönne es jedem Kollegen, der schon länger offen hatte. Für uns und alle reinen Schankwirtschaften ist es aber sehr unglücklich gelaufen. Jedes Wochenende, an dem kein Gast kommen durfte, macht das wirtschaftliche Überleben noch schwieriger. Und das, obwohl unsere Branche zu den größten Verlierern der Corona-Krise gehört.

Richten wir den Blick in die Zukunft: Was wünschen Sie sich?

Lingner: Wenn wir weiterhin so viel Betrieb, die Menschen so viel Lust und die Abende so eine gute Atmosphäre haben wie am vergangenen Wochenende, dann bin ich schon sehr glücklich. Wir möchten allen Menschen der Region eine Anlaufstelle im Nachtleben sein und uns in Geretsried etablieren. Wir hoffen, dass uns die Pandemie keinen weiteren Strich durch die Rechnung macht.

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