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Corona-Teststationen haben kaum mehr Zulauf: Der Kampf gegen das Virus geht trotzdem weiter

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Von: Dominik Stallein

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Die Teststation
Immer da im Kampf gegen Corona: Die excura-Teststation bei Gustavo Gusto © Sabine Hermsdorf-Hiss

Im Interview ziehen die Verantwortlichen der Corona-Teststation von excura bei Gustavo Gusto in Geretsried Bilanz. Sie sprechen auch über die Zukunft der Teststation.

Geretsried – Erst waren Abstriche im Akkord angesagt, jetzt ist Ruhe eingekehrt in der Corona-Teststation. Die Firma excura hat seit über einem Jahr auf dem Gustavo-Gusto-Gelände geöffnet und seither alle Höhen und Tiefen der Pandemie miterlebt. Im Interview mit unserem Volontär Dominik Stallein sprechen die Geschäftsführerin Alexandra Dieterich und Stationsleiterin Anita Kirner über sprunghafte Politik, den immerwährenden Kampf gegen das Virus und die Zukunft der Teststation.

Anita Kirner
Anita Kirner, Stationsleiterin der Corona-Teststation in Geretsried © Privat

Corona-Teststationen haben kaum mehr Zulauf: Der Kampf gegen das Virus geht trotzdem weiter

Frau Dieterich, Frau Kirner, seit etwas mehr als einem Jahr erleben Sie in der Teststation alle Wellen der Corona-Pandemie. Genießen Sie im Moment die Ruhe?

Dieterich: Für uns waren die vergangenen Monate eine sehr, sehr intensive Phase. Ich kann schon genießen, dass es jetzt viel ruhiger zugeht.

Kirner: Oh ja, im Moment ist es für uns deutlich entspannter. Dieterich: Das merken wir nicht nur an den Besucherzahlen, sondern auch an der Stimmung der Testpersonen. Sie kommen viel gelassener, weil sie freiwillig bei uns sind und nicht gezwungenermaßen, wenn sie etwas unternehmen möchten.

Man braucht – mit wenigen Ausnahmen – für kaum eine Freizeitaktivität mehr einen Schnelltest. Wie viele Menschen kommen denn überhaupt noch zu Ihnen?

Dieterich: Es sind natürlich deutlich weniger als in den Höchstphasen. Aber es kommen immer noch Kunden. Manche, um sicherzugehen, andere, weil man ja doch noch – zum Beispiel beim Besuch in einem Pflegeheim – einen negativen Test vorweisen muss.

Kirner: Wir haben im Moment etwa ein Viertel des Andrangs, den wir in den Spitzenzeiten hatten, als zum Beispiel Ungeimpfte am Arbeitsplatz einen Testnachweis brauchten. Wir haben in den vergangenen Monaten alle gelernt, dass eine Pandemie in Wellen verläuft. Jetzt gerade ist es eben deutlich ruhiger.

Vor einigen Monaten haben achtköpfige Teams im Akkord Abstriche genommen. Wie ist die Lage aktuell?

Dieterich: Wir arbeiten in kleineren Gruppen, sind nur noch mit zwei oder drei Kollegen gleichzeitig im Einsatz und haben die Öffnungszeiten etwas reduziert. Wir sind zwar immer noch an sechs Tagen in der Woche vor Ort, das ist uns auch wichtig. An Werktagen ist aber jeweils nur noch zwei statt vier Stunden geöffnet, weil das die Nachfrage bedient.

Alexandra Dieterich
Alexandra Dieterich, Geschäftsführerin der Corona-Teststation bei Gustavo Gusto © Privat

Wie werden sich die Besucherzahlen entwickeln?

Kirner: Wir können davon ausgehen, dass sich die Zahl der Testpersonen vielleicht weiter reduziert, wenn sich die allgemeine Lage noch mehr entspannt.

Aktuelle Nachrichten aus Geretsried lesen Sie hier.

Ende Juni endet die derzeitige Test-Regelung...

Dieterich: ...bis dahin sind wir auf jeden Fall weiterhin für die Menschen da und testen.

Was passiert danach?

Dieterich: Das kann ich jetzt noch nicht beantworten, dafür ist es zu früh. Niemand kann im Moment sicher sagen, ob die Teststrategie so bleibt, oder wie sich die Pandemie entwickelt und vor allem wie groß der Bedarf nach Angeboten wie unserem in acht Wochen ist.

Also hängen Sie in der Luft?

Dieterich: Nein, weil wir seit einem Jahr sehen, wie kurzfristig und unkompliziert wir auf neue Ausgangssituationen reagieren können. Damit sind wir bisher immer gut gefahren, weil das Infektionsgeschehen sehr dynamisch ist...

...und die Politik sprunghaft?

Kirner: Das haben Sie gesagt.

War das die größte Herausforderung: Das ständige Reagieren auf immer neue Maßnahmen?

Kirner: Natürlich mussten wir immer wieder unser Angebot anpassen, aber das ist bei einer Pandemie einfach normal. Das wussten wir von Anfang an.

Dieterich: Wichtig ist: Wir konnten immer reagieren und haben seit der Eröffnung die Stellung gehalten, auch in den Phasen, in denen weniger los war, oder als die Tests kostenpflichtig wurden.

Heißt im Klartext: Sie sind weiter in ständiger Alarmbereitschaft?

Kirner: Ich würde es so vielleicht nicht nennen, aber ja, wir sind bereit, den Betrieb wieder hochzufahren, wenn es nötig wird. Wenn die Infektionszahlen im Herbst wieder steigen, könnte auch auf die Teststationen wieder mehr Arbeit zukommen. Niemand weiß außerdem, ob Mutationen auftreten, die den Impfschutz umgehen, oder ob die Politik wieder vermehrt auf Tests setzt.

Sie haben eine Zeit lang Vereine und Veranstaltungen mit einer mobilen Teststation besucht – jetzt sind nach langer Zeit wieder Veranstaltungen ohne Auflagen möglich. Sind sie künftig wieder mit Testkits in der Region unterwegs?

Dieterich: Die meisten Veranstalter sind sehr, sehr froh darüber, dass sie endlich keine Auflagen mehr erfüllen müssen. Im Moment glaube ich nicht, dass wir jetzt ganz schnell durch den Landkreis fahren und Gäste testen. Kirner: Aber natürlich ist es eine Option, die wir uns grundsätzlich vorstellen könnten. Das passt wieder zum Stichwort „dynamisches Geschehen“.

Seit einem Jahr nehmen Sie Corona-Tests: Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?

Kirner: Wir sind glücklich, dass wir schon seit einem Jahr helfen können. Aber auch, wenn es für uns teilweise wahnsinnig kräftezehrend war: Wir vergessen nicht, dass es andere Berufsfelder gibt, die noch heftiger geschuftet haben.

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