Eine Fahrt durchs Grüne: Von Wolfratshausen soll die S-Bahn nach dem Halt in Gelting zur Böhmwiese (Visualisierung) fahren. Endstation ist zwischen Jeschken-/und Richard-Wagner-Straße in Geretsried.

Laufendes Planfeststellungsverfahren

Darum begrüßen die Naturschützer die S7-Verlängerung

  • Volker Ufertinger
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Bei der S7-Verlängerung nach Geretsried wird die Natur in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch begrüßen Naturschutzverbände das Projekt - aus einem gewissen Grund. 

Friedl Krönauer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es kommt Bewegung in die S7-Verlängerung: Die neuen Planungen mit dem unterirdischen Bahnhof in Wolfratshausen liegen bis 9. März in den Rathäusern Wolfratshausen, Geretsried und Königsdorf öffentlich aus, danach können innerhalb von vier Wochen Einwendungen erhoben werden. Beim ersten Planfeststellungsverfahren, das 2015 gestoppt wurde, waren es vor allem die Naturschutzverbände, die Bedenken geltend machen. Davon rücken sie ein Stück weit ab. Die Reduzierung des Verkehrs sei vorrangig.

An der Sache an sich hat sich nichts geändert, insofern bleiben die Einwände des Bund Naturschutz grundsätzlich dieselben. Sie beziehen sich auf die Buckelwiesen, also in der Eiszeit entstandene Bodenwellen, die einen großen Seltenheitswert haben. Die im Geretsrieder Ortsteil Stein sind die nördlichsten ihrer Art – und die S7 soll mittendurch fahren. „Ganz verstehe ich das nicht“, erklärt Friedl Krönauer vom Bund Naturschutz. „Die Buckelwiesen in Mittenwald werden gefördert, und hier spielt das alles keine Rolle.“ Ihn treibt die Sorge um, dass „sukzessive immer mehr verloren geht“ an Dingen, die eigentlich bewahrenswert seien.

Aber: Dass der Bund Naturschutz mit seinen Einwänden etwas bewirkt, glaubt Krönauer nicht. „Ich bezweifle, ob es Sinn macht, so realistisch muss man einem Projekt dieser Größenordnung schon sein.“ Überhaupt habe er selten erfahren, dass er mit seinen Argumenten durchgedrungen sei. „Ich erlebe es so, dass die Aufgeschlossenheit gegenüber unseren Argumenten nicht sonderlich ausgeprägt ist.“ Wirklich bewegen tue sich nur etwas, wenn eine Bürgerinitiative gründet werde und die Basis Druck mache. So wie in Benediktbeuern, wo es gelang, den Lainbachwald zu erhalten und die Pläne der Gemeinde für ein Gewerbegebiet zu durchkreuzen. Und noch etwas kommt für Krönauer hinzu: Gegen Öffentlichen Nahverkehr könne man als Naturschützer schwer etwas sagen. Jedes Auto, das von Straße verschwindet, sei ein Gewinn. „Da wollen wir nicht als Verhinderer dastehen.“

Erich Rühmer, Chef des Isartalvereins

In einem ähnlichen Dilemma befindet sich der Landesbund für Vogelschutz. Dr. Sabine Tappertzhofen erzählt, dass sich der Vorstand kürzlich mit möglichen Einwänden zur S7-Verlängerung befasst hat. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir das nicht noch einmal aufwärmen wollen“, sagt sie. Sprich: Die Kreisgruppe hält sich zurück, auch, weil es gegenüber 2015 keinen neuen Sachstand gebe. Freilich sei man nicht glücklich, dass in Gelting große Wiesen gestreift werden, was für Wiesenbrüter eine Störung darstelle. Die Vogelwelt in diesem Bereich sei ohnehin auf dem Rückzug, die Feldlärche höre man gar nicht mehr. Doch in diesem speziellen Fall müssen man eben würdigen, dass hier öffentlicher Nahverkehr realisiert wird, was per se gut für die Natur sei. „Anders würde es ausschauen, wenn die Gleise durch Naturschutzgebiet laufen würden“, sagt Tappertzhofen. „Da würden wir kämpfen bis zum letzten Moment.“

Lesen Sie auch: Die neuesten Infos der Bahn über die S7-Verlängerung

Auch der Isartalverein als anerkannte Umweltvereinigung heißt das Großprojekt gut. „Wir stimmen voll zu, das Verkehrsaufkommen zwischen Wolfratshausen und Geretsried muss verringert werden, damit ist der Natur am meisten geholfen“, so Vorsitzender Erich Rühmer, Ex-Bürgermeister von Schäftlarn. Dafür nimmt der Verein in Kauf, dass die Trasse teilweise durch sensibles Gebiet verläuft. Diesen Standpunkt hat Rühmer bereits beim ersten Planfeststellungsverfahren deutlich gemacht. Über Grundstücke des Vereins fährt die S7 nicht. „Uns gehört zwar manches in Richtung Hechenberg und Königsdorf, aber nicht in dem Bereich.“

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