Ein lachender Musiker
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In seinem Element: Der Geretsrieder Hans Ketelhut alias Bayernhans im Einsatz. Auf große Auftritte im Wiesnzelt muss er im Coronajahr 2020 verzichten.

Was macht Hans Ketelhut ohne Wiesn?

Darum hat der „Bayernhans“ aus Geretsried „Entzugserscheinungen“

Seit 16 Jahren ist Hans Ketelhut, der „Bayernhans“ aus Geretsried aus dem Stiftl-Festzelt nicht wegzudenken. Doch heuer gibt‘s keine Wiesn - musikalisch ist der 70-Jährige dennoch umtriebig.

Geretsried – Für Alleinunterhalter Hans Ketelhut, den Bayernhans, ist die Wiesn so etwas wie eine zweite Heimat. Seit 16 Jahren verbreitet er während des Oktoberfests täglich im Stiftl-Festzelt mit Gstanzln, Musik und Witzen Frohsinn unter den feiernden Besuchern. Diesen Frühherbst verbringt er die Nachmittage erstmals seit Langem in Geretsried. „Man kriegt Entzugserscheinungen ohne die Wiesn“, sagt er. „Das Flair, das dieses Fest hat“, vermisst der Kulturreferent des Stadtrats am meisten.

Statt auf der Wiesn spielt Ketelhut in Seniorenheimen

Musikalisch ist der Bayernhans trotzdem umtriebig. Er spielte in Seniorenheimen unter freiem Himmel, „um den Menschen etwas zu geben“. Zum eigentlichen Anstichtag trat der 70-Jährige in drei Wirtschaften am Dom in München auf. Und in den kommenden Tagen und Wochen ist er im Rahmen des Wiesn-Ersatz-Programms einiger Wirte im Münchner Umland unterwegs. In Straßlach und am Tegernsee war er schon. „Das ist etwas ganz anderes – aber es war eine gute Stimmung“, sagt er. „Hat scho basst.“

Stimmungsmacher hat er aus seinem Repertiore gestrichen

Oktoberfestfans kommen bei Hendl und Maß mit zünftiger Musik zwar zumindest ein bisschen in Wiesn-Stimmung, „ein wirklicher Ersatz ist das aber nicht“, findet Ketelhut. Mit Unterhaltungsmusik sorgte er für gute Laune, Stimmungsmacher zum Schunkeln und Tanzen hat er für die Auftritte aber aus seinem Repertoire gestrichen. „Es sollte ja ein gemütliches Zamhock’n sein und kein ,Mallorca Hurra‘.“

Dass strengere Corona-Regeln in München einigen Veranstaltern ausgerechnet während der Wiesn-Zeit einen Strich durch die Rechnung machen, kann der Alleinunterhalter nicht nachvollziehen. „Die Wirte haben ein hervorragendes Sicherheitskonzept.“ Die Hotspots seien nicht in den Gasthäusern, sondern da, wo niemand hinschaut und aufpasst.

Man kann ja nicht alles zusperren und dann so lassen.“ 

Hans Ketelhut, Alleinunterhalter aus Geretsried

Dass sich nicht mehr als fünf Personen oder zwei Haushalte treffen dürfen und die anderen Beschränkungen hätten weitreichende Konsequenzen. Die Gastronomen, das Küchenpersonal, Künstler, Security-Mitarbeiter, „die ganzen Kleinen“, müssen in Ketelhuts Augen unter der „überzogenen“ Maßnahme leiden – und das, obwohl die Betroffenen ohnehin schon gebeutelt seien. Bereits vor einigen Monaten forderte Ketelhut wie berichtet in einer Online-Petition ein Grundeinkommen für Kreative, Künstler und Musiker. „Für uns ist das wirtschaftlich eine richtig schwere Zeit“, sagte er damals. Das hat sich nicht geändert. Der Alleinunterhalter hofft, dass die Kulturszene bald wachgeküsst wird. Vielleicht in kleinen Schritten. Ketelhut: „Man kann ja nicht alles zusperren und dann so lassen.“ Stattdessen könne man den Menschen mit Musik und Prosit „auch mal a bisserl Mut machen“. So, wie er es seit Jahren auf am liebsten auf der Wiesn macht. dst

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