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Prächtiges Blütenmeer: Auf der Fohlenweide entlang der Bundesstraße blühen Mohnblumen im Rapsfeld. 

Acker im Wandel der Zeit

Darum ist die Fohlenweide so schön

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Es ist wohl derzeit eins der beliebtesten Fotomotive in Geretsried: Die sogenannte Fohlenweide westlich der Bundesstraße 11. Von der Böhmwiese bis zum Kreisverkehr blüht Mohn in leuchtendem Rot. Das erfreut die Autofahrer, den Landwirt allerdings weniger.

Geretsried – Mal leuchtend gelb, mal saftig grün: Die sogenannte Fohlenweide an der Bundesstraße 11 in Geretsried zieht zu jeder Jahreszeit die Blicke auf sich. Dahinter steckt die wechselnde Fruchtfolge, mit der sie bewirtschaftet wird. Derzeit wächst Raps auf der 25 Hektar großen Ackerfläche. Dazwischen haben sich prächtige Mohnblumen in die Höhe gekämpft.

Franz Fuchs, dem das Gut Schwaigwall gehört, sieht die Blüten auf seinem Feld allerdings mit gemischten Gefühlen. „Mohnblumen sind keine Nutzpflanzen“, sagt er. Sie kommen aber nicht von ungefähr. Fuchs versucht die Fohlenweide möglichst extensiv, das heißt mit möglichst geringem Einsatz von Pestiziden, zu bewirtschaften. Dadurch entsteht die Blütenpracht, die eigentlich Unkraut ist. „Der Mohn ist aber tolerierbar, er wird den Rapsertrag nicht gravierend schmälern“, sagt der 43-Jährige. Fuchs hat den Raps im Herbst gesät. Im Frühjahr blühte er gelb. Inzwischen sind die Blüten abgefallen, und die Mohnblumen gewachsen. Gedroschen wird der Raps im August, danach erstrahlt das Feld nochmal grün, bis es umgeackert wird.

Auf Raps folgt Weizen

Fuchs wird im kommenden Herbst Weizen sähen. Bis es an dieser Stelle wieder ein Rapsfeld gibt, dauert es drei, vier Jahre. „Raps ist sehr anfällig für Krankheiten und Insekten“, sagt der Landwirt. Aber: Raps hinterlässt einen sehr guten Boden. „Den kann der Weizen sehr gut gebrauchen.“ Daher die wechselnde Fruchtfolge. Nach dem Weizen kommt Wintergerste, danach Hafer.

Der 43-Jährige verkauft das Getreide an Mühlen in der Region. Aus dem Raps wird über den Maschinenring Wolfratshausen in der Mühle Hohenbrunn Öl gepresst. Außerdem fällt dabei der Rapskuchen an. „Ein gutes Eiweißfutter und regionaler Ersatz für Soja“, erklärt Fuchs. Neben dem Ackerbau bewirtschaftet der Landwirt auf dem Gut Schwaigwall auch Grünfläche mit über 100 Rindern.

Weide wurde einst zur Pferdezucht gebraucht

Das Gut Schwaigwall ist bereits in der dritten Generation in Familienbesitz. Ursprünglich gehörte es zum Kloster Benediktbeuern. Im Zuge der Säkularisation ging das Gut an den Staat. Für die Napoleonischen Kriege wurde an dieser Stelle ein Zuchtbetrieb für Armeepferde eingerichtet. Das noch heute existierende Gebäude am Gut Schwaigwall entstand, und Waldflächen wurden gerodet. „Durch den leicht kiesigen Boden ist er naturtrocken und für Pferde ideal“, erklärt Fuchs. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Fohlenweide.

Als der Zuchtbetrieb nicht mehr gebraucht wurde, kaufte Fuchs’ Großvater das Gut Schwaigwall. Damals gehörte auch noch die Böhmwiese dazu. Im Dritten Reich wurde die Familie aber enteignet. Heute ist die Böhmwiese städtischer Grund. Die wechselhafte Geschichte der Fohlenweide scheint noch nicht vorbei zu sein. Hier sollen einmal Bundesstraße und S-Bahn verlaufen, wenn es nach der Stadt geht. „Wir wollen sie aber unbedingt behalten“, sagt Fuchs. „Es gibt nur noch wenige Flächen in Bayern, über die das Auge so weit schweifen kann. Es wäre schade, wenn das verloren ginge.“

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