+
Eine Verkäuferin soll Bareinnahmen im Wert von 7750 Euro unterschlagen haben. Doch unvermutet tauchte ein entlastender Umstand auf. 

Es geht um Einnahmen von 7750 Euro

Darum wurde eine Supermarkt-Verkäuferin freigesprochen

  • schließen

Das Amtsgericht hat die Verkäuferin eines Supermarkts ist vom Vorwurf der Unterschlagung freigesprochen. Der entscheidende Hinweis zu ihren Gunsten kam buchstäblich in letzter Minute. 

Geretsried/Wolfratshausen Nach dem Abrechnungsprotokoll hat eine Supermarkt-Verkäuferin die Bar-Einnahmen vom Samstagnachmittag in einen sogenannten Safebag gepackt und danach in den doppelt gesicherten Tresor gesteckt. Insgesamt 7750 Euro. Doch als der „Geldentsorger“, wie die Geldtransporteure im Fachjargon genannt werden, am folgenden Dienstag, also drei Tage später, die Einnahmen aus dem Tresor holte, fehlte ein Geldsack. Für die Staatsanwaltschaft stand fest: Die Verkäuferin nahm das Geld an sich. Deshalb musste sich die 29-jährige Geretsriederin wegen Unterschlagung vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten.

Die Angeklagte äußerte sich auf Anraten ihres Verteidigers zunächst nicht zu den Vorwürfen. Ihre Kolleginnen, die an jenem Samstagabend Mitte September vorigen Jahres mit ihr in einem Wolfratshauser Supermarkt Dienst hatten, berichteten, dass nach Ladenschluss die Abrechnungen wie gewöhnlich vorgenommen worden waren. Dass die Beschuldigte die Tasche mit dem Geld, tatsächlich in den Tresor gesteckt hatte, konnte niemand bestätigen. Es hatte ihr niemand dabei zugeschaut. „Das konnte sich niemand erklären“, sagte eine Zeugin, die ebenfalls seinerzeit mit ihrer Unterschrift die Abrechnungen quittiert hatte. Deshalb habe man zunächst vermutet, dass der Safebag versehentlich irgendwo anders im Laden abgelegt worden war.

„Mir ging’s danach nicht gut. Ich hatte ja die Verantwortung“, sagte der zuständige Schichtleiter (25). Weil er mit anderen Arbeiten überfordert gewesen sei, habe er seine Mitarbeiterin gebeten, seine Kasse mitabzurechnen. „Ich habe den Tagesagschluss zwar unterschrieben, aber den Geldbeutel habe ich nicht mehr gesehen.“

Den Geldsack kann jeder aus dem Safe geholt haben 

Dann verblüffte der Zeuge das Gericht mit einer Beobachtung, die dem Fall eine unerwartete Wendung gab. „Theoretisch kann den Beutel jeder wieder rausholen, wenn er aufrecht im Tresor steht“, berichtete der Einzelhandelskaufmann. Draufgebracht hatte ihn ein Mitarbeiter just am Abend vor der Verhandlung. „Er hat es mir zweimal vorgemacht“, erklärte der Schichtleiter. Sein Kollege, der vom Richter sofort als weiterer Zeuge ins Gericht beordert wurde, bestätigte den Test vom Vortag.

„Es muss einen Freispruch geben. Es ist gar nichts anderes möglich“, plädierte der Verteidiger. Seine Mandantin arbeitet weiterhin in verantwortlicher Position in dem Markt und hat sich strafrechtlich bisher nichts zuschulden kommen lassen. Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft war „ein realistisches Szenario, wie der Safebag wieder rausgekommen sein soll, nicht plausibel geklärt“. Er beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 250 Tagessätzen zu je 25 Euro (gesamt 6250 Euro). Richter Helmut Berger folgte dem Antrag der Verteidigung. „Allein nach Aktenstudium wäre ein Urteil vermutlich unausweichlich gewesen. Aber nach der heute erfolgten Beweisaufnahme ist nicht auszuschließen, dass der Geldsack von einem unbekannten Dritten aus dem Safe geholt worden sein könnte“, begründete Berger seinen Freispruch – im Zweifel für den Angeklagten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Weil Polizei keine Fahndung einleitet: Anrufer beleidigt Polizisten
Geretsried - Ein Schlosser hat immer wieder das Gefühl bedroht zu werden - so auch kürzlich. Als ein Polizist sich weigerte, eine Fahndung einzuleiten, wurde er …
Weil Polizei keine Fahndung einleitet: Anrufer beleidigt Polizisten
Mit dieser Besonderheit will die Königsdorfer Feuerwehr zum Tölzer Festzug
Bei der Königsdorfer Feuerwehr laufen Vorbereitungen der besonderen Art. Wenn die Tölzer Kameraden das 150-jährige Jubiläum mit einem Festzug feiern, soll ein …
Mit dieser Besonderheit will die Königsdorfer Feuerwehr zum Tölzer Festzug
Radlader stürzt in Grube - 70-Jähriger verletzt
In Geretsried ist am Samstag ein Radlader in eine Grube gestürzt. Der Mann, der darin saß, kam verletzt in eine Klinik.
Radlader stürzt in Grube - 70-Jähriger verletzt
Garten-Soiree: Bürgermeister gibt sich kämpferisch
Ein Hauch von Frankreich wehte am Donnerstagabend durch die Ratsstuben. Bürgermeister Michael Müller hatte zur Garten-Soiree mit Chanson-Musik und französischem Buffet …
Garten-Soiree: Bürgermeister gibt sich kämpferisch

Kommentare