+
Ruhig und sachlich verlief die Informationsveranstaltung zur neuen Asylbewerberunterkunft am Schulzentrum. Organisiert hatten den Abend die Realschule und das Gymnasium.

Über 100 Interessierte bei Info-Abend von Gymnasium und Realschule

Asyl am Schulzentrum: „Das Boot ist stark genug“

Geretsried - Über 100 Interessierte kamen zum Info-Abend über die neue Asylbewerberunterkunft am Schulzentrum. Vertreter des Landratsamtes und des Helferkreises versuchten, Ängste zu zerstreuen.

Die Organisatoren – namentlich die stellvertretende Schulleiterin der Realschule, Christine Venus-Michel, und die drei Lehrerinnen Eva Greif, Anita Bittner und Gabriele Rau – hatten sich für den Donnerstagabend einiges einfallen lassen. So sorgten ein besinnliches Geigensolo des Q11-Gymnasiasten Christian Schäfer und ein Auftritt der Chorklasse 6c der Realschule gleich am Anfang für eine ruhige und sachliche Atmosphäre, die trotz einiger kritischer Fragen bis zum Ende anhielt.

René Beysel vom Landratsamt nannte am Donnerstagabend Zahlen zur neuen Asylbewerberunterkunft am Schulzentrum. Demnach bietet der Holzbau am Sportplatz hinter dem Gymnasium Platz für 251 Menschen. „Das Gebäude soll Anfang/Mitte Juli fertig sein und kurz darauf belegt werden“, kündigte Beysel an. Die Nutzung ist auf fünf Jahre befristet.

Nachdem die Abiturientin Lisa Napiletzki allgemeine Gedanken zur Flüchtlingskrise vorgetragen und unter anderem die deutschen Waffenexporte in Krisengebiete angeprangert hatte, bezog sich Thomas Bigl in einem pointenreichen Vortrag auf die Situation vor Ort. Der Sachgebietsleiter des Ressorts Sozialwesen im Landratsamt warnte zunächst davor, vorschnell von einer Entspannung der Flüchtlingssituation zu reden. Derzeit würden dem Landkreis zwar keine neuen Asylbewerber zugewiesen. „Aber das kann sich schnell wieder ändern. Und dann wollen wir vorbereitet sein“, unterstrich Bigl.

Landratsamt zahlt weder Smartphones noch teure Turnschuhe

Wie schon bei anderen Informationsveranstaltungen im Landkreis vesuchte Bigl, Vorurteile zu entkräften. Entgegen böser Gerüchte zahle das Landratsamt den Flüchtlingen weder Smartphones noch teure Turnschuhe. Auch die Zunahme an Straftaten könne nicht belegt werden. Walter Siegmund, Dienststellenleiter der Geretsrieder Polizei, nickte an dieser Stelle zustimmend. Im weiteren Verlauf des Abends musste er sich dazu nicht mehr äußern.

Bigl lobte die Unvoreingenommenheit vieler Kinder, die offen auf Flüchtlinge zugehen. Bei Teenagern erlebe er es dagegen manchmal, dass sie Vorurteile der Eltern übernehmen. „Trainieren Sie Ihren Kindern keine Ängste an“, appellierte Bigl. Den Menschen, die den Asylbewerbern helfen wollen, riet er zu einer sinnvollen Unterstützung: „Nehmen Sie ihnen nicht alles ab, sondern tragen Sie auch zur Selbstständigkeit der Flüchtlinge bei, indem Sie vieles erklären. Lassen Sie nicht langfristig hilfsbedürftige Empfänger zurück.“

Hausaufgabenhilfen und gemeinsame Sportveranstaltungen

Suzan Jarrar, Asylkoordinatorin der Stadt und Leiterin des Geretsrieder Helferkreises, hält sich an diese Maxime. Sie berichtete zusammen mit dem 18-jährigen Syrer Mohammad, der ein Jahr nach seiner Ankunft bereits gut Deutsch spricht, von vielen gelungenen Aktionen. Einer Schülerin gefiel das so gut, dass sie fragte, wie sie und andere junge Menschen konkret helfen können. Jarrar regte Hausaufgabenhilfen und gemeinsame Sportveranstaltungen mit jungen Flüchtlingen an. Von einer intensiven Betreuung einer ganzen Familie riet sie jedoch ab.

Schülermutter Marei Tomsu wollte wissen, warum der Durchgang zwischen der Asylbewerberunterkunft und der Schule derzeit nur eingeschränkt möglich ist. „An der Nordseite geht es nicht“, räumte René Beysel ein. „Das liegt aber auch am bevorstehenden Bau der neuen Zweifachturnhalle, der voraussichtlich erst in zwei Jahren abgeschlossen sein wird.“ Ansonsten sei die Unterkunft wie eine normale Wohnanlage konzipiert. „Da wird kein hoher Zaun drumherum errichtet“, versprach Beysel.

Bürgermeister Michael Müller ergänzte, dass diese Art der Unterbringung nur eine vorübergehende Lösung sein könne. „Schließlich wohnt auch keiner von uns in einem Container“, erklärte er. Hermann Deger, Schulleiter des Gymnasiums, lobte in seinem Schlusswort die Hilfsbereitschaft von Schülern, Lehrern und Anwohnern: „Es gibt hier viel Unterstützung für Asylbewerber. Das Boot ist stark genug, um noch breiter zu werden.“

Peter Herrmann

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Erst in den Beutel, dann in den Mülleimer
Im Rathaus gehen derzeit vermehrt Beschwerden über Hundehaufen im Stadtgebiet ein. Die Verwaltung appelliert daher an alle Hundebesitzer, die Hinterlassenschaften ihrer …
Erst in den Beutel, dann in den Mülleimer
Doppelmord in Königsdorf: Das ist die Faktenlage 
Das grausame Verbrechen in Königsdorf lässt den Ort sprachlos zurück. Auch die Faktenlage ist schwer zu fassen, Stück für Stück setzt sich das Puzzle zusammen. Hier der …
Doppelmord in Königsdorf: Das ist die Faktenlage 
Neue Fakten zu Königsdorf - 10.000 Euro Belohnung für Hinweise
Nach dem Doppelmord in Königsdorf liegen alle Hoffnungen auf der einzigen Zeugin - ihr Zustand ist jedoch „sehr ernst“. Zur Tat selbst werden immer mehr grausige Details …
Neue Fakten zu Königsdorf - 10.000 Euro Belohnung für Hinweise
„America first, Kinschdarf second“
Die kreativen Mottowagen und jede Menge Konfetti haben es möglich gemacht: Der Königsdorfer Fasching war trotz der Tragödie von Höfen eine gelungene Veranstaltung.
„America first, Kinschdarf second“

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion