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Doppelt hält besser: Zum Starkbierfest 2015 hatte Ludwig Schmid sein Double mitgebracht – eine Anspielung auf den Bürgermeisterwahlkampf, in dem die CSU mit einem „Pappkameraden“ für Michael Müller warb.

Ein Interview mit Ludwig Schmid, der am Wochenende seine zwölfte Fastenpredigt hält

Auf ein Wort mit Bruder Barnabas

Geretsried - In Geretsried ist am Wochenende Starkbierfest. Unsere Zeitung sprach vorab mit Bruder Barnabas.

„Das sagt man nicht, gibt’s nicht“. Sagt Ludwig Schmid alias Bruder Barnabas vor seiner zwölften Fastenpredigt am Freitag, 4., und Samstag, 5. März, jeweils um 19 Uhr in den Geretsrieder Ratsstuben. Warum es in diesem Jahr besonders schwierig ist, die richtigen Worte und den richtigen Ton zu treffen, erläutert ein mitunter nachdenklicher Prediger im Gespräch mit Redakteur Frederik Lang.

Bruder Barnabas, halten Sie dieses Jahr überhaupt eine Fastenpredigt?

Ja klar, warum nicht?

Weil nichts los war.

(lacht). Da haben Sie Recht. Es war ein vergleichsweise ruhiges Jahr in Geretsried.

Dann predigen Sie doch einfach in Wolfratshausen. Da ist jede Menge geboten.

Wer noch Karten möchte, muss sich sputen. Der Samstag ist bereits ausverkauft. Wer Bruder Barnabas samt Rahmenprogramm am Freitag genießen möchte, kann sich unter Telefon 0 81 71/66 03 Tickets sichern.

Das stimmt. Bürgerladen, Streichungen im Haushalt, Knatsch im Stadtrat – Wolfratshausen hat sich sehr stark und sehr aktiv ins Gespräch gebracht, und das ist auch gut so. Schließlich gehört das gegenseitige Frotzeln dazu. Aber ich bin in den Ratsstuben schon gut aufgehoben. Sie dürften kaum jemanden finden, der sich so sehr mit Geretsried identifiziert wie Bruder Barnabas.

Und umgekehrt: Geretsried identifiziert sich stark mit Ihnen. Steigt mit den Jahren der Druck?

Druck würde ich es nicht nennen. Für mich bricht keine Welt zusammen, wenn die Predigt einmal nicht ganz so gut ankommt. Aber klar: Es ist mir allemal lieber, wenn die Menschen begeistert sind. Natürlich hat sich in den vergangenen zwölf Jahren einiges verändert. Bei den ersten Malen stand noch der Spaß im Vordergrund, und keiner wusste, was aus Bruder Barnabas einmal wird. Mittlerweile kann man schon sagen, dass die Fastenpredigt zwar keinen Einfluss auf die Geschehnisse in der Stadt nimmt. Eine Art gedankliches Korrektiv ist sie aber schon. Sie beleuchtet verschiedene Aspekte aus einem anderen Blickwinkel und hält politisch Verantwortlichen den Spiegel vor. Damit steigt natürlich auch der Anspruch, sowohl beim Publikum als auch bei mir.

Dann mal los. Welche Themen stehen auf Ihrer Liste?

Es ist wie immer: In meinem Kopf existieren ein paar Ideen, endgültig zusammengefügt wird die Predigt aber erst im letzten Moment. Geretsried ist aber groß und bunt. Da findet man immer etwas.

Ein bisschen mehr müssen Sie uns aber schon verraten.

Ich mache mir zum Beispiel sehr intensiv Gedanken darüber, wie ich mit dem alles beherrschenden Thema Flüchtlinge umgehe. Ich hatte schon in meiner Predigt für das vergangene Jahr eine Passage drin, die habe ich kurz vorher wieder rausgenommen. Ich glaube nicht, dass ich das dieses Jahr wieder tun werde.

Also keine Tabus?

Das Thema an sich ist nicht tabu, aber natürlich sehr sensibel, weil es in so viele Bereiche des täglichen Lebens hineinwirkt. Da ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt. Für mich gibt es zwei Grundsätze: Kabarett darf viel, aber nicht alles. Und: Ich werde kein Thema um des Themas willen aufgreifen. Ich muss schon etwas dazu zu sagen haben.

Ist Bruder Barnabas eigentlich Sportler?

Bruder Barnabas hat selbst Eishockey gespielt, in der Kinder- und Jugendmannschaft des TuS. Erst als rechter Stürmer, dann als linker Verteidiger. Ich bin immer noch Mitglied der Eishockey-Abteilung. Einige Weggefährten von damals sind noch aktiv, zum Beispiel der Michael Helfrich. Klar habe ich die Bayernliga-Saison mit dem Klassenerhalt verfolgt, war ab und zu im Stadion. Gut möglich, dass die River Rats auch eine Rolle spielen. Aber Eissport ist ja mehr als nur Eishockey...

Hand aufs Herz: Gibt es für Sie überhaupt noch Überraschungen?

Es ist erstaunlich, dass die Pointe, auf die man selbst sich am meisten freut, noch nie gut ankam. Und umgekehrt liegen die Menschen vor Lachen am Boden, wo ich es überhaupt nicht erwartet hätte. Mal schauen, wie es dieses Jahr wird.

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