Dr. Michael Holzmann
+
Dr. Michael Holzmann ist Historiker und lebt in Geretsried.

Historiker Dr. Michael Holzmann begibt sich auf Spurensuche

Das Geheimnis um die Endung „ing“: Orts- und Flurnamen im Landkreis

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
    schließen

Woher kommen die Orts- und Flurnamen in unserer Region? Dieser Frage geht der in Geretsried lebende Historiker Dr. Michael Holzmann nach. Seine Erkenntnisse hat er für einen Vortrag zusammengestellt, den er an der Volkshochschule halten will.

Geretsried – Holzmann stammt aus München. Er studierte Geschichte, Politik und Germanistik, und bis 2019 war er Beamter im Bundesdienst. Lange Zeit lebte er in Dietramszell. Dort brachte er sich in die Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 900-jährigen Jubiläum des Ortes 1998 ein. Der Großgemeinde fühlt sich der 67-Jährige immer noch sehr verbunden. Beispielsweise erarbeitete er das Konzept für einen Geschichtspfad, der über die Historie der Gemeinde informieren und im Rahmen der Dorferneuerung entstehen soll.

Während seiner Forschung zu den Orts- und Flurnamen machte er interessante Entdeckungen. Zwischen den Orten Dietramszell und Hechenberg gibt es den Weiler Spöttberg (im Mittelhochdeutschen: Spechberg). Holzmanns Erklärung für den Namen: „Speculare heißt auf Lateinisch schauen.“ Der Ort auf dem Hügel eigne sich gut, um in die Ferne zu schauen. Er kann sich vorstellen, dass zu den Zeiten der Römer dort ein Wachturm gestanden habe (Specula heißt auf Latein auch Wach- und Signalturm). „Das würde von der Topografie her absolut passen.“

Überall im deutschsprachigen Raum gibt es Ortsnamen, die auf „-ing“ enden. Das ist laut Holzmann ein Hinweis auf eine Besiedelung durch die Germanen nach der Völkerwanderung. Heute gibt es in Bayern etwa 45 000 Orte mit „ing“ oder „ingen“ im Namen. Im Landkreis sind das zum Beispiel Egling, Deining, Thanning, Ascholding und Gelting. Die Orte wurden nach den jeweiligen Sippenführern benannt. Zeugnisse einer eindeutig bajuwarischen Siedlung wurden zum Beispiel in einem der ältesten Gräberfelder bei Gelting gefunden. „Aus früheren Zeiten sind bislang keine Hinweise auf Siedlungsaktivitäten bekannt.“

Häufig tauchen in den Namen auch Hinweise auf Rodungen auf – wie in Geretsried. Die Stadt ist noch sehr jung. Aber die erste urkundliche Erwähnung ist auf das Jahr 1083 datiert. Der Name hat einen keltischen Ursprung. „Reithig“ steht für räumen, ebnen, und „riuti“ für urbar machen. Im Mittelhochdeutschen wurde daraus „ried“. Ebenso gibt es Ortsnamen mit Bezug zu einem Gewässer oder Baum – wie Ellbach, das auf das germanische Wort für Erle zurückgeht.

Einen besonderen Namen trägt übrigens ein Weiler, der zwischen Baiernrain und Otterfing liegt: Steingau. Nach Holzmanns Recherchen ist es der einzige Ort im Landkreis, der auf die Silbe „-gau“ endet. Sie könnte vom lateinischen Wort „pangere“ für befestigen, zusammenfügen herrühren. Die Grundbedeutung sei Revier, Bezirk, Kleinraum. Und Stein bezieht sich wohl auf die Kirche, die aus Stein gebaut war.  

Der Vortrag von Dr. Michael Holzmann an der Geretsrieder Volkshochschule war für den 17. Mai vorgesehen. Aufgrund der Corona-Pandemie ist derzeit nicht abzusehen, ob und in welcher Form er stattfinden kann. Interessierte können sich unter Telefon 08171/529144 melden.

nej

Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare