Der Stadionchef kennt sich aus: Rico Lehwald (li.) zeigte Sportredakteur Thomas Wenzel (Mi.) und Christoph Otawa vom Bauamt bei der Ortsbegehung jeden Winkel der nunmehr fast fertiggestellten Sportstätte.
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Der Stadionchef kennt sich aus: Rico Lehwald (li.) zeigte Sportredakteur Thomas Wenzel (Mi.) und Christoph Otawa vom Bauamt bei der Ortsbegehung jeden Winkel der nunmehr fast fertiggestellten Sportstätte.

Sport

Das neue Eisstadion: Hightech in Blau-Gelb

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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Rund 14 Monate hat die Überdachung und Sanierung des Heinz-Schneider-Eisstadions gedauert. Jetzt sind die Baumaßnahmen weitgehend abgeschlossen, die Verantwortlichen möchten die Halle möglichst bald und wenn möglich auch für viele Bürger und Veranstaltungen öffnen.

Geretsried – Eine Stunde hatte Rico Lehwald für die Besichtigung des Heinz-Schneider-Eisstadions angesetzt. Am Ende dauerte die Führung durch die nunmehr weitgehend sanierte Sportstätte genau doppelt so lange. Derart begeistert ist der Vorsitzende des Betreibervereins, der während der rund 14 Monate dauernden Bauphase jeden Tag als Ansprechpartner für Firmen, Rathaus und den ESC Geretsried vor Ort war. Und Lehwald versäumt auch nicht, mehrfach die gute Kooperation mit der Stadt zu betonen – was natürlich auf das Wohlwollen von Christoph Otawa vom Bauamt stößt, der an der Ortsbegehung teilnimmt. Immerhin hat sich die Kommune für eine Fortsetzung des traditionsreichen Eissports in Geretsried entschieden und sich die Überdachung, Renovierung und Einhausung der in die Jahre gekommenen Open-Air-Arena satte 10,6 Millionen Euro kosten lassen – dazu kommen noch die Rechnungen für die Sanierung der bestehenden Umkleiden und sanitären Anlagen.

Stadion-Eingang ist jetzt im Obergeschoss

Dass aus der vom ESC gepachteten und stets liebevoll gewarteten, jedoch allmählich maroden Immobilie ein Schmuckkästchen geworden ist, davon konnten sich die Zuschauer während der beiden pandemiebedingt vorzeitig abgebrochenen Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 ein Bild machen. Umgewöhnen müssen sich die langjährigen Eishockeyfans beim Eintritt ins Stadion, denn der Zugang befindet sich jetzt an der Süd-West-Seite und dies auch noch mittels einer Treppe im Obergeschoss. „Damit kommen die Zuschauer sofort auf die Tribüne“, erklärt Lehwald. Für Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte und Dauerkartenbesitzer gibt es aber einen ebenerdigen Weg zur Kasse beziehungsweise Eingangstüre. Entlang der südöstlichen Seite der Halle befinden sich mehrere Notausgänge und ein breiter Fluchtweg. „Zum Parkplatz hin wird noch eine Fotovoltaik-Anlage installiert. Und einen Schriftzug für das Stadion bringen wir auch noch an“, erklärt Christoph Otawa.

Modern eingerichtet wurde das Stüberl, in der Küche stehen neueste Geräte zur Verfügung.

Edelstahl-Optik in der neuen Küche

In der Halle selbst erreicht man dem Uhrzeigersinn folgend zuerst das Stüberl. Die Aufteilung des Raums ähnelt der altehrwürdigen Stadionwirtschaft, „denn aufgrund der Statik des Baus waren wir auf die bestehenden Grundrisse festgelegt“, so Lehwald. Moderne Tische und Stühle sowie große Panoramafenster zur Eisfläche hin machen jedoch die vormalige Naturholzoptik der 1980er Jahre vergessen. „Wir wollen unseren Gästen ein ansprechendes Ambiente bieten“, betont der Stadionchef. Das trifft auch auf den Küchenbereich zu, der mit dem Begriff „hightech“ am besten beschrieben werden kann. Für Mobiliar, Technik und Geräte im Edelstahl-Look hat der ESC fast einen sechsstelligen Betrag ausgegeben. „Das war von vorneherein klar, denn in der Gastronomie gibt es nun mal strenge Auflagen“, erklärt der 49-Jährige. Professionell gelöst wurde unter anderem der Kiosk-Bereich, in dem sich die hungrigen und durstigen Eissportfans nunmehr ebenerdig ihre Speisen und Getränke abholen können – zumal dort extra der Weg verbreitert wurde, um Gedränge zu vermeiden.

1100 Steh- und 244 Sitzplätze

Ein völlig neues Bild bietet die sogenannte Gegengerade hinter den Zeitnehmer- und Strafbänken. Hier werden auf den blauen und gelben Plastiksitzen künftig Dauerkartenbesitzer und VIPs Platz nehmen; auch die Presse bekommt Sitz, Tisch und Elektroanschlüsse zur Verfügung gestellt. „Der Beton der Tribüne muss noch gestrichen werden, damit das ordentlich aussieht“, ergänzt Lehwald. Ganz glücklich ist er noch nicht, weil bei einigen Sitzplätzen aufgrund der Alu-Halterungen der Glasscheiben die Sicht aufs Eis beeinträchtigt ist: „Das müssen wir lösen.“ Abgeschlossen wird die Halle in nordöstlicher Himmelsrichtung zur Wohnbebauung hin jetzt mit einer schalldichten Wand. Dahinter befindet sich ein breiter Fluchtweg, der auch von Handwerkern mit Transportern für Wartungen am Dach benutzt werden kann.

ESC möchte noch Geschäftsstelle bauen

Bereits in Betrieb war während der abgebrochenen Saison der Bereich oberhalb der Zamboni-Garage. Neben der Anzeigetafel befindet sich hier ein VIP-Raum mit Theke und Küchenzeile, dahinter sanitäre Anlagen und das Büro des Stadionchefs. Die Fläche daneben ist noch frei. „Hier möchte der ESC seine Geschäftsstelle und einen Fitnessraum hinstellen“, verrät Lehwald. Nahezu verwirrend ist das Labyrinth aus Kabinen und Technikräumen im sogenannten Untergeschoss. Der Stadionchef führt stolz die Kühl-, Lüftungs-, Heizungs- und Elektroanlagen vor. „Für die Halle gibt es zwei Lüftungskreise – einen über der Eisfläche, damit es dort kalt bleibt, und einen über den Tribünen, damit wir dort angenehme Temperaturen haben.“ Zudem werde damit das Gebäude entfeuchtet, „was ja fast der wichtigste Aspekt ist“. Bei der gigantischen Lautsprecher-Anlage für Musik und Durchsagen ist der 49-Jährige zuversichtlich, „dass die Klangqualität noch besser wird, wenn mehr Publikum anwesend ist“.

Auf große Kabinen können sich nicht nur der ESC-Nachwuchs, sondern auch Gästeteams freuen.

Große Kabine für die Gästeteams

Die Kälteanlage stammt aus dem Jahr 1995. Sie wurde im Jahr 2003 erneuert, als die Kühlung von Ammoniak auf Sole umgestellt wurde. „Mit Ammoniak bekommt man zwar kältere Temperaturen, aber Sole ist einfach die sicherere Variante“, erklärt Lehwald.

Bereits im Betrieb waren in der abgelaufenen Saison die Schiedsrichter-Kabine, das Eismeister-Büro und dessen Werkstatt; noch fertiggestellt werden der Physio- und Sanitätsraum, das Besprechungszimmer für die ESC-Trainer und ein Hauswirtschaftsraum mit Teekocher und Waschmaschinen.

Besonders stolz ist der Stadionchef auf die große Umkleide mit Duschen, die künftig den Gästemannschaften zur Verfügung steht. „Außerdem haben wir jetzt für jedes unserer Nachwuchsteams eine eigene Kabine. Die wurden vom Verein selbst mit Unterstützung der Stadt ausgebaut.“ Wenn die Räume endgültig fertiggestellt sind, sollen sie auch eine einheitliche Optik haben was die Holzbänke und die Wandfarben betrifft.

Wärme kommt vom Blockheizkraftwerk

Der bisherige Stadioneingang wird künftig nur noch von den Eissportlern sowie beim öffentlichen Lauf und Schulsport benutzt. An der Außentreppe befindet sich auch ein weiterer Kassenraum mit zirka 160 Leih-Schlittschuhen, ein Drehkreuz mit Ticketscanner sowie Getränke- und Snack-Automaten. Nebenan liegt der Heizungsraum, der an das neue Heizblockkraftwerk der Stadt am Schulzentrum angedockt ist. Wenig verändert hat sich im „Allerheiligsten“, der Kabine der Ersten Mannschaft. Jeder Akteur hat einen eigenen Spind für seine Ausrüstung zur Verfügung, hier ist ebenfalls noch ein einheitliches Design vorgesehen. Im zweiten Raum steht eine Küchenzeile, dazu gesellt sich ein Schreibtisch für den Trainer sowie die elektrischen Anschlüsse für Musik und Videoanalyse.

Pläne für ganzjährige Nutzung des Stadions

Auch wenn noch einige Arbeiten ausstehen – zum Beispiel fehlen den Innenwänden bislang Putz und Anstrich –, ist das renovierte Stadion eigentlich betriebsbereit. „Wir warten jetzt nur auf das grüne Licht der Politik“, sagt Rico Lehwald, der den Eissportlern die gesperrte Zeit vom vergangenen Winter gerne zurückgeben möchte. „Corona hat uns da ausgebremst, andererseits war es für die Baumaßnahmen auch praktisch.“ Dabei betont der 49-Jährige, dass die Halle mit ihren 1100 Steh- und 244 Sitzplätzen keineswegs nur für den ESC vorgesehen sei: „Das ist ein öffentliches Gebäude, das steht auch so in unserem Pachtvertrag mit der Stadt.“ Er möchte das Stadion deshalb am liebsten ganzjährig mit Leben füllen. Im Winter sollen neben den Eissportlern auch wieder die Schulen, die Schlittschuhläufer und die Jugendlichen bei der Eisdisco in den Genuss des Schmuckkästchens kommen. Lehwald: „Und im Sommer kann ich mir durchaus Public-Viewing und andere Kulturveranstaltungen vorstellen.“

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