Es blüht in den Gewächshäusern: Claudia von Jagemann freut sich, bald wieder persönlich Kunden in ihrer Gärtnerei in Thanning (Gemeinde Egling) begrüßen zu dürfen.
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Es blüht in den Gewächshäusern: Claudia von Jagemann freut sich, bald wieder persönlich Kunden in ihrer Gärtnerei in Thanning (Gemeinde Egling) begrüßen zu dürfen.

„Der komplette Frühling steht da“

Lichtblick für Gärtnereien: Am 1. März dürfen sie voraussichtlich wieder öffnen

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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In den Gärtnereien blühen die Frühlingsboten. Die Hoffnung ist groß, dass sie bald an den Kunden gebracht werden können. Wir haben uns im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen umgehört.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Sonnenschein und bis zu 20 Grad sind für die nächsten Tage angekündigt. Da kribbelt es den Hobbygärtnern in den Fingern. Ein bisschen müssen sie sich allerdings noch gedulden, bis sie loslegen können. Die Gärtnereien in Bayern sind noch im Lockdown und geschlossen. Am 1. März dürfen sie, so deutete es Ministerpräsident Markus Söder am Montag an, wieder öffnen. Allerhöchste Zeit, wie Josef Holzer aus Gelting findet. „Der komplette Frühling steht da“, sagt er mit Blick auf seine gut gefüllten Gewächshäuser.

„Es haben schon die Ersten angerufen und nach Salatpflanzerl gefragt“, berichtet der 62-Jährige. „Die Leute wollen draußen etwas machen.“ Egal, ob im großen Garten oder auf dem kleinen Balkon. „Auch wenn noch so wenig Platz ist, sie wollen Primeln, Stiefmütterchen und Narzissen setzen, weil sie Frühling haben wollen.“ Besonders diejenigen, die viel Zeit zu Hause im Homeoffice und mit Homeschooling verbringen.

In anderen Bundesländern gelten Gärtnereien als systemrelevant

Es gibt laut Holzer sechs Bundesländer, in denen Gärtnereien bereits geöffnet haben. „In dreien waren sie gar nicht geschlossen.“ Dort sei der Gartenbau im Gegensatz zu Bayern als systemrelevant eingestuft worden. Der Geltinger glaubt nicht, dass er schon am 1. März wieder aufsperren darf. Seine Prognose: „Ich schätze, dass es erst am 8. März soweit ist.“ Was die Vorbereitungen für die Saison anbelangt, hat er sich auf sein Bauchgefühl verlassen. „Ich habe wieder das Quantum, das wir immer machen.“

Auch in der Thanninger Gärtnerei der Familie von Jagemann ist der Frühling bereits eingekehrt. Bellis, Primeln, Viola und Stiefmütterchen sorgen für ein Farbenmeer in den Gewächshäusern. „Alles ist schon in der Blüte und verkaufsfertig“, sagt Claudia von Jagemann. „Wir freuen sehr, wenn wir zeitnah aufmachen dürfen. Es wäre genau der richtige Zeitpunkt.“

Das Einhalten von Abstands- und Hygieneregeln sei nichts Neues für die Kunden, wenn sie ab Montag wieder kommen dürfen. Das habe im vergangenen Jahr gut geklappt, „weil wir relativ viel Platz haen“, blickt die 59-Jährige zurück. Die Leute haben sich laut Jagemann gut verteilt, es gab keine Wartezeiten. „Wir hatten schon Schilder vorbereitet, falls wir kurzzeitig schließen müssen. Aber die haben wir gar nicht gebraucht.“

Kunden richten bereits ihre Frühlingsbeete her

Während des Lockdowns bietet die Gärtnerei wie andere auch „Click & Collect“ an. Geliefert wird die Ware natürlich zum Kunden. „Wir haben schon wesentlich früher Primeln und Bellis verkauft, obwohl es nochmals so kalt geworden ist“, so die Beobachtung der Expertin. „Die Leute haben sich mit Salat und anderem eingedeckt und richten bereits ihre Frühbeete her.“

Kundenanfragen sind auch bei Michael Holzmann der Grund, warum er seinen Verkaufswagen mit Vertrauenskasse startklar macht und ab 5. März für seine Kunden wieder öffnen wird. „Noch sind wir in Winterpause, aber am 5. März ist Saisonstart“, sagt der 48-Jährige, der auf dem Hofgut Letten in Bad Heilbrunn Gemüse und Kräuter in Bio-Qualität vor allem für den Großhandel, aber auch für den Endverbraucher anbaut. Mit seinem Berufskollegen Tom Braun betreibt der 48-Jährige dort zudem eine Bio-Zierpflanzengärtnerei.

Das vergangene Jahr sei zweigeteilt gewesen. „Gemüse ist richtig gut gelaufen“, sagt Holzmann, der auch die Ökokiste beliefert. Eigentlich hätte der Gärtnermeister mit seiner Ware im Jahr 2020 zwei große Märkte bestückt. Die seien aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt worden. Er musste ein paar 1000 Tomaten- und Paprika-Pflanzen wegwerfen, die man speziell für diese Märkte produziert habe. „Heuer war von vornherein klar, dass die Märkte nicht stattfinden. Da haben wir die Produktion an manchen Stellen ein Stück zurückgefahren.“ Jetzt sind Salat, Lauchpflanzen, die ersten Tomaten und Paprika gesät. Auch Topfkräuter werden vorbereitet und die ersten Geranien getopft. „Es gibt viel Arbeit momentan.“ Gärtnerisch alles zu organisieren, sei schon ein bisschen eine Herausforderung.

„Wir produzieren jetzt alles auf die erste Märzwoche“

Einen Blumenladen und eine Gärtnerei betreiben Wolfgang Epp und seine Ehefrau Sonja Sauerbrey-Epp in Reichersbeuern. „Wir haben Click & Collect angeboten, auch am Valentinstag“, berichtet die 50-Jährige. „Das war in Ordnung, aber den Laden aufgemacht hab’ ich nicht.“ Das wäre ihr im Lockdown an diesem Tag ausnahmsweise erlaubt gewesen. Der Umsatz am Valentinstag sei tatsächlich nicht schlecht gewesen. „Das habe ich so nicht erwartet“, gesteht die Floristmeisterin.

Ansonsten laufe es mal besser, mal schlechter. „Das macht den Einkauf tatsächlich schwierig“, sagt die 50-Jährige. Da sei die Gärtnerei im Hintergrund ein Vorteil. So könne man von einem Blumenstrauß auch auf ein bepflanztes Körbchen ausweichen, „weil wir Primeln und andere Pflanzen selber produzieren“. Dafür zuständig ist ihr Ehemann Wolfgang. „Wir produzieren jetzt alles auf die erste Märzwoche“, sagt der 49-Jährige. Er hofft sehr, dass es dann wie von Söder in Aussicht gestellt, losgehen kann. „Die Leute haben alle Heißhunger darauf.“ Und wenn sie nicht zum Gärtner können, „nehmen sie bei Lidl, Aldi und Co. Frühlingsboten mit. Und die heimische Produktion geht auf den Kompost.“ Das habe man leider im vergangenen Jahr erlebt. „Und das zweimal hintereinander? Das ist doch keine Perspektive. Da hängt unser Herzblut dran.“

nej

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