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In 133 Kommunen gibt es bereits Sicherheitswachten. Geretsried gehört vorerst nicht dazu.

„Ein völlig stumpfes Schwert“

Deshalb gibt es vorerst keine Sicherheitswacht für Geretsried

Wolfratshausen bekommt eine Sicherheitswacht, doch für Geretsried ist das im Moment kein Thema. In einer nicht öffentlichen Sitzung wurde beschlossen, erst einmal abzuwarten, wie der Freiwilligendienst in der Nachbarstadt anläuft.

Geretsried – In 133 bayerischen Städten und Gemeinden patrouillieren ehrenamtliche Helfer bereits regelmäßig. Die Initiative geht auf die Polizei zurück; sie bildet die Freiwilligen, die nur eine Aufwandsentschädigung erhalten, auch aus. Diese Bürger sollen in erster Linie die Beamten informieren, wenn sie etwas Verdächtiges oder Unerlaubtes beobachten. Gegebenenfalls sollen sie deeskalierend einschreiten. Sie haben eingeschränkte Befugnisse.

Die Diskussion und der Beschluss pro Sicherheitswacht fanden in Wolfratshausen in öffentlicher Sitzung statt. In Geretsried beriet man vor der Sommerpause im Hauptverwaltungs- und Finanzausschuss hinter verschlossenen Türen. Deshalb möchte die Stadtverwaltung keine Auskunft zu dem Tagesordnungspunkt geben. Die Fraktionssprecher Robert Lug (Freie Wähler) und Hans Hopfner (SPD) sprachen trotzdem mit unserer Zeitung.

Ausschussmitglieder diskutierten Für und Wider

Laut Hans Hopfner informierte Polizeidienststellenleiter Walter Sigmund das Gremium über die staatliche Einrichtung Sicherheitswacht. „Wir Ausschussmitglieder haben mit dem Fachmann über das Für und Wider diskutiert“, so Hopfner. Eine Entscheidung sei nicht gefallen, diese müsste auch letztlich der gesamte Stadtrat treffen.

„Das Meinungsbild war aber eher so, dass wir das Thema vorerst nicht weiterverfolgen, sondern erst einmal abwarten wollen, wie der Wachdienst in Wolfratshausen funktioniert“, sagt Hopfner. Er habe als SPD-Fraktionssprecher deutlich gemacht, dass er die personelle Aufstockung der Polizei für wesentlich sinnvoller halten würde als die Rekrutierung von Hilfspersonal. Hopfner: „Ich glaube, es ist auch nicht so einfach, geeignete Leute für diese Aufgabe zu finden.“

Beim jüngsten SPD-Stadtgespräch war ebenfalls über die Entscheidung der Wolfratshauser debattiert worden. Die SPD-Mitglieder und Gäste hatten sich mehrheitlich gegen eine Sicherheitswacht für Geretsried ausgesprochen mit dem Argument, die „Hilfssheriffs“ könnten niemals Polizeiaufgaben übernehmen.

Lug: Zu wenig Befugnisse für Laien

Robert Lug bezeichnet den Ehrenamtlichen-Dienst als „völlig stumpfes Schwert“, weil die Laien letztlich zu wenig Befugnisse hätten. Er nennt ein Beispiel: Benutze ein Radfahrer verbotenerweise den Bürgersteig, könne ein Sicherheitswacht-Angestellter ihn nicht zwingen, seine Personalien preiszugeben. Er könne lediglich die Polizei hinzurufen. „Das macht die Ehrenamtlichen zu nichts weiter als zu Telefonstationen für die Polizei.“ Vorfälle melden könne jeder der 25 000  Geretsrieder Bürger , findet der Fraktionsvorsitzende. Dafür brauche man kein Dutzend Securitys.

Das Thema Sicherheitswacht sei nach dem Doppelmord in Höfen im Februar 2017 hochgekocht. Doch gerade in so einem Fall würde die Bürgerwacht Lugs Ansicht nach überhaupt nichts bringen: „Kriminalität vorbeugen und sie bekämpfen kann nur die Polizei“, stellt der Freie Wähler klar. Er erinnert daran, dass unter Edmund Stoiber als Ministerpräsident Tausende von Polizeistellen abgebaut worden seien. Sie müssten wieder aufgestockt werden. Das wäre der richtige Weg.

Volker Witte von den Grünen erklärt auf Nachfrage, dass auch er gegen eine Sicherheitswacht sei. Aus der nicht öffentlichen Sitzung werde er jedoch nicht plaudern, betont er. CSU-Fraktionssprecher Ewald Kailberth hält es ebenso. Er äußert sich überhaupt nicht zu dem Thema.

Stadtrat trifft Entscheidung, nicht Polizei

Nach Auskunft von Robert Lug wurde in der HFA-Sitzung eine Alternative zur Sicherheitswacht diskutiert, nämlich die Einführung eines städtischen Ordnungsdienstes. Die Mitarbeiter könnten delegierte Rechte wie das Hausrecht auf öffentlichen Plätzen und Spielplätzen ausüben. Gerade auf Spielplätzen sei die Verschmutzung durch Müll, Glasflaschen oder Hundekot ein Problem. „Ein Ordnungsdienst könnte hier einen Platzverweis erteilen“, so Lug. Er räumt jedoch ein, dass dies nicht unerhebliche Personalkosten für die Stadt verursachen würde.

Der Leiter der Geretsrieder Polizeiinspektion, Walter Siegmund, möchte sich nicht dazu äußern, ob er eine Sicherheitswacht befürwortet oder ablehnt. „Ich habe das Konzept in der Sitzung ganz neutral vorgestellt und die vielen Fragen der Ausschussmitglieder beantwortet“, erklärt er auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Entscheidung, ob eine solche Wacht eingeführt werde, treffe immer der Stadtrat, nicht die Polizei, so der Dienststellenleiter.

Tanja Lühr

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