Eishockey Geretsried
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Lediglich vier Heimspiele absolvierten die River Rats um Florian Strobl (Mi.) und Marek Haloda, dann wurde die Saison abgebrochen.

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Die Eissport-Saison in Geretsried ist zu Ende

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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Nach eingehenden Beratungen haben sich der ESC Geretsried, der Betreiberverein und die Stadt zu der schweren Entscheidung durchgerungen, die Kühlanlagen im Heinz-Schneider-Eisstadion abzuschalten.

  • Die Kühlanlagen im Geretsrieder Eisstadion werden in dieser Woche abgestellt.
  • Für die Entscheidung sind wirtschaftliche und ökologische Gründe ausschlaggebend. Außerdem ist völlig unklar, ob nach dem Lockdown wieder Eishockey gespielt wird.
  • Es gibt Überlegungen, als Ausgleich die Eissport-Saison 2021 bereits im Frühjahr oder Frühsommer zu starten.

Geretsried – Noch in der vergangenen Woche gab es beim ESC Geretsried einen Hoffnungsschimmer, dass man womöglich nach dem Ende des Weihnachts-Lockdowns die Eishockeysaison fortsetzen könne. Doch jetzt gehen die Lichter aus im Heinz-Schneider-Eisstadion: „Nach Gesprächen mit der Stadt haben wir uns dazu entschlossen, die Kühlanlagen abzuschalten“, berichtet Rico Lehwald auf Anfrage. Wie der Vorsitzende des Betreibervereins ausführt, habe man nach dem Abbruch der Bayernliga-Spielrunde zum 1. November das Eis im Stadion bei minimaler Kühlung aufrecht erhalten. Nachdem jedoch die Fortsetzung der Saison momentan in den Sternen steht, sei dies aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen nicht mehr vertretbar. „Wir wissen nicht, ob und wie es im Januar weitergehen wird“, stellt Lehwald klar. Bei einigen Bayernliga-Konkurrenten sei das Eis im Stadion bereits abgetaut worden – in Peißenberg zum Beispiel, in Buchloe und in Schongau. „Wir wären quasi der letzte Verein in der Liga, der das aufrecht erhalten würde“, so der Eishallen-Chef.

Rico Lehwald (Vorsitzender des Betreibervereins)

Freilich habe man überlegt, wenigstens für den Trainingsbetrieb der vielen Kinder und Jugendlichen den Betrieb aufrecht zu erhalten. „Aber das ist komplett unwirtschaftlich. Ohne Spiele und Zuschauer haben wir keinerlei Einnahmen, um die Betriebskosten zu decken“, stellt der Geretsrieder klar.

Interessanterweise habe es noch eine Anfrage der evangelischen Gemeinde gegeben, die das Eisstadion aufgrund der Größe gerne für ihren Weihnachts-Gottesdienst genutzt hätte. Doch Lehwald musste der Kirche eine Absage erteilen: „Wir haben noch keine Zulassung als Veranstaltungsstätte, sondern nur als Sportstätte.“

Konkret auf den Ausschalter drücken wird der Vorsitzende des Betreibervereins vermutlich am Donnerstag. „Dann muss das Eis abgehobelt werden, um das weiße Kalkmehl, die Farbe für die Linien und die Werbeflächen in den Bullykreisen zu entfernen.“ Anschließend wird er sich darum kümmern, dass die immer noch nicht komplett abgeschlossenen Arbeiten im sanierten Stadion fortgeführt werden. „Momentan sind die Außenanlagen an der Reihe. Außerdem sind noch Malerarbeiten zu erledigen. Und nicht zuletzt wird jetzt das Eisstüberl fertiggestellt“, zählt Lehwald auf.

Für alle enttäuschten Eissportfreunde hat der 49-Jährige ein Zuckerl parat: „Wenn es geht, wollen wir unseren Sportlern als Ausgleich eine besonders lange Saison 2021/22 anbieten.“ Vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen, könne er sich vorstellen, das Eisstadion bereits ab April zu öffnen. „Das wäre der vorgezogene Termin. Ansonsten wäre die Eröffnung für August angedacht“, so Lehwald.

Markus Janka (Vorsitzender des ESC Geretsried)

Auch Markus Janka war in die Entscheidung involviert, die Saison abzubrechen. „Das ist wahnsinnig schade und es ist uns auch sehr schwer gefallen“, betont der Vorsitzende des ESC Geretsried. Auch er habe zuletzt sechs Wochen lang gehofft, dass sich die Situation zum Positiven verändert. „Aber es ist momentan leider kein Ende in Sicht.“ Aufgrund der anfallenden Energie- und Personalkosten mache es keinen Sinn, den Stadionbetrieb aufrecht zu erhalten. Selbst wenn nach dem Lockdown im Januar wieder Eishockey möglich gewesen wäre, „weiß ja keiner, ob man Zuschauer zugelassen hätte. Und falls nicht, würden uns die Einnahmen fehlen.“ Froh ist Janka in diesem Zusammenhang, dass die vielen Sponsoren dem ESC die Treue gehalten haben: „Ich habe noch keine Absage erhalten, obwohl sie in dieser Saison wahrlich wenig geboten bekommen haben.“ Auch von Seiten der rund 500 Mitglieder, die der Klubchef umgehend über die Maßnahme informieren wird, gebe es momentan keine Reklamationen: „Die Zahl ist stabil geblieben, und wir überlegen uns, wie wir unseren Mitgliedern etwas entgegenkommen können.“ Der einzige positive Aspekt sei, dass nun die Sanierungsmaßnahmen im Eisstadion ungestört abgewickelt werden können. Was eine frühere Eröffnung der Eissaison betrifft, ist Janka nicht ganz so optimistisch: „Ich tippe auf den Frühsommer.“

Martin Köhler (Kapitän der River Rats)

Auch Martin Köhler bedauert das jähe Ende der Eishockeysaison in Geretsried. „Aber ich habe mir das schon gedacht, dass man das nicht bis zum Januar durchziehen wird. Zumal derzeit überhaupt nicht klar ist, ob dann wieder gespielt werden kann“, sagt der Kapitän der River Rats. Lediglich vier Heimspiele absolvierten der 32-Jährige und seine Mannschaftskollegen, dazu noch vier Partien auswärts. Die Bilanz konnte sich sehen lassen, denn das Team von Trainer Rudi Sternkopf stand zum Zeitpunkt des Abbruchs auf dem fünften Tabellenplatz. „Schade, wir hatten uns schon sehr darauf gefreut, endlich wieder eine ganze Saison im eigenen Stadion spielen zu dürfen“, sagt Köhler. Und er erinnert auch an die vielen Nachwuchsakteure des ESC, die von dem Abbruch betroffen sind: „Das ist momentan keine einfache Situation für die Kinder und Jugendlichen, wenn sie zu Hause bleiben müssen und sich nicht mit ihren Freunden treffen oder ihrem Sport nachgehen können.“

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